horus aktuell Nr. 12/11 vom 04. Juli 2011
Urheberrechtlich geschützter Lesestoff

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie sieht eigentlich eine altengerechte Stadt aus? Das fragt die "Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO)" in einem
Blind bedienbaren Fragebogen
im Internet jene, die es angeht. Bitte nehmen Sie sich kurz Zeit dafür, wenn Sie zur Zielgruppe gehören. Auf jeden Fall blind lesbar das folgende…


Was Sie schon immer über barrierefreies Internet wissen wollten…


…haben Kerstin Probiesch und Jan Hellbusch aufgeschrieben. Dann sendeten die beiden ehemaligen DVBS-Mitarbeiter uns das Manuskript und Manfred Duensing las und las und las… Vor Monaten wollte er durch sein, aber die Autoren wussten einfach zu viel. Jetzt ist er fertig und folgendes erwartet Sie:

Was ist barrierefreies Webdesign? Kerstin Probiesch und Jan Erik Hellbusch machen die wesentlichen Aspekte verständlich: Von den gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen über redaktionelle und technische Gesichtspunkte bis zur Prüfung auf Barrierefreiheit.

In 20 Kapiteln zeigt das kompetente Autorenteam etwa, wie die Anforderungen an ein barrierefreies Webdesign aussehen, wie zugängliche und verständliche Inhalte formuliert werden können und wie sich HTML, CSS, JavaScript, PDF, SMIL und ARIA im Sinne der Barrierefreiheit nutzen lassen.

"Unser Ziel ist es, Webworkern einen Leitfaden von der Planung bis zur Fertigstellung eines Webprojektes an die Hand zu geben," schreiben Hellbusch und Probiesch. Daher eignet sich das Werk für alle, die an Webauftritten beteiligt sind - für die einen als Einstieg ins Thema, für die anderen als Nachschlagewerk.

Dank der Zusammenarbeit mit dem Verlag und den Autoren erhalten Sie beim DVBS die Kombiversion von Druckausgabe (783 Seiten) und DAISY-CD zum Preis von 54,90 zuzüglich Versand (5,00 Euro). Die DAISY-Ausgabe ist 46 Stunden und 10 Minuten lang und liegt auf drei CDs dem Buch bei. Eine besondere Hilfe bietet CD 3: Sie enthält längere Code-Beispiele in einer HTML-Version (Danke an
Stephan Heller für die Umsetzung!) sowie die Literatur- und Quellangaben als DOC-Datei.

Bestellungen an den DVBS-Textservice06421-94888-17

Barrierefreiheit verstehen und umsetzen: Webstandards für ein zugängliches und nutzbares Internet. Heidelberg: dpunkt.Verlag, 2011. ISBN
978-3-89864-520-1


Blista: Der "Spiegel" für klein und groß


Das die Kollegen die "Bildzeitung der Intellektuellen" als Hörfassung herausgeben, dürfte sich herumgesprochen haben. Jetzt gibt es auch die Junioren-Variante, "Dein Spiegel" betitelt, bei der deutschen Blindenhörbücherei in der Blista,
meldet sie in einer

Pressemitteilung zu "Dein Spiegel".


Vereinfachung der urheberrechtlichen Vorschriften gefordert


Diese Überschrift über einer Meldung des Pressetickers des deutschen Bundestages lässt den unter "Büchernot" leidenden Sehbeeinträchtigten aufhorchen. Sollte der blinden- und sehbehindertengerechte Zugang zu Gedruckten vielleicht doch vereinfacht, gar vergünstigt werden können. Nein, einer enquete-Kommission des Parlaments geht es um etwas ganz anderes…

"[…]Die Enquete-Kommission empfiehlt dem Deutschen Bundestag, das sich wandelnde Nutzungsverhalten zum Anlass zu nehmen, die urheberrechtlich relevanten Bestimmungen verstärkt daraufhin zu überprüfen, ob sie für Rechteinhaber, Anbieter und Nutzer klar und verständlich formuliert sowie möglichst einfach anwendbar sind."
Für eine Konstruierung des Urheberrechts aus der Perspektive des Nutzers gebe es "auch angesichts der Umwälzungen, die das Internet mit sich bringt", keinen Anlass, urteilt die Projektgruppe. Der notwendige Schutz der ideellen und wirtschaftlichen Interessen des Schöpfers kreativer Güter müsse beibehalten werden, heißt es in den vorgelegten Handlungsempfehlungen.
Aus Sicht der Kommission gibt es keinen Grund, das Konzept grundsätzlich in Frage zu stellen, Immaterialgüter vor allem durch Ausschließlichkeitsrechte der Urheber marktfähig zu machen und darüber die Anreize, Werke zu schaffen, zu erhöhen. Allerdings, so heißt es weiter, habe die Bestandsaufnahme gezeigt, dass das Urheberrecht an vielen Stellen durchaus einer systematischen Anpassung bedarf, um in der digitalen Gesellschaft einen angemessenen Ordnungsrahmen für immaterielle Güter zu erhalten.
Die Verbesserung des allgemeinen Bewusstseins für die Bedeutung des Urheberrechts wird von der Enquete-Kommission als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet. Die Schaffung von Verständnis für die jeweiligen Bedürfnisse aller Beteiligten müsse angestrebt werden. Dafür sei es unerlässlich, "durch ausgewogene staatliche Aufklärungskampagnen" Wissen über die gesetzlichen Regelungen zu vermitteln. Nutzernahe Informationsplattformen könnten aus Sicht der Kommission als Vorbild für Formate dienen, die leicht verständlich über Urheberrechtsfragen informieren. Da insbesondere auch Schüler mit urheberrechtlichen Fragen konfrontiert würden, biete sich zudem eine Vermittlung dieser Inhalte bereits in der Schule an.
Auch die Möglichkeiten lizenzfreier und an jedermann lizensierter Inhalte, wie sie durch Open-Source-Software und Creative-Commons-Lizenzen verwirklicht sind, seien bekannt zu machen und zu fördern. Projekte wie Linux oder Wikipedia zeigten eindrucksvoll wie dadurch Kreativität gefördert werden kann - "und zwar mit dem Urheberrecht und nicht dagegen".
Ein weiterer Vorschlag der Enquete-Kommission sieht den Aufbau einer europaweiten Informationsplattform für Lizenzen vor. Die Anbieter urheberrechtlich geschützter Inhalte im Internet würden sich hinsichtlich der Lizenzierung dieser Werke einer komplexen und unübersichtlichen Situation ausgesetzt sehen, heißt es in dem Zwischenbericht. Erfolgreiche und effiziente Geschäftsmodelle benötigten jedoch einen möglichst einfachen Zugang zu Informationen über die für sie notwendigen Rechte. […]"

Mit anderen Worten: Restriktiv, aber in einfacher Sprache. Schade.

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal

Ihr

Michael Herbst
DVBS Öffentlichkeitsarbeit

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