


Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:
Liebe Leserinnen und Leser !
Es ist geglückt. Am Freitag erhielt Bremens Bürgermeister den großen "Blindfisch-Orden" für die behindertenfeindlichste Idee im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung, eine häßliche schwarze Brille, befestigt an zwei Blindenbinden. Aber lesen Sie selbst, was unter der Überschrift "Ehrung für Henning Scherf" noch am Freitag an die Medien ging und zu erfreulicher Resonanz führte:
(Bremen, 18.7.2003) Eine "Ehrung" der besonderen Art wurde am Freitag dem Bremer Bürgermeister Henning Scherf zuteil. Anlässlich der Eröffnung der Sommeruni für behinderte Menschen in der Hansestadt wurde ihm von der Gruppe Blindfisch der große Orden für die behindertenfeindlichste Idee des Jahres - eine schwarze Sonnenbrille mit Blindenbinde - verliehen. Hintergrund ist die in Bremen geplante Abschaffung des Landespflegegeldgesetzes, das insbesondere blinden Menschen einen Ausgleich für behinderungsbedingte Nachteile ermöglicht.
Joachim Steinbrück, einer der Mitinitiatoren der "Ordensverleihung" erklärt: "Bremen ist das erste Land, das eine komplette Abschaffung dieser Leistung plant. Das lässt jedes Augenmaß vermissen, zumal die Streichung den Landeshaushalt nur geringfügig entlasten wird und uns außerdem vor zwei Jahren eine Erhaltung des Landespflegegeldes zugesagt worden ist. "Wir werden diesen Wortbruch auch in Zukunft nicht tatenlos hinnehmen", ergänzt Uwe Boysen, einer der Sprecher der Initiative "Augen auf in Bremen", und fügt hinzu: "Wenn diese Entscheidung nicht zurückgenommen wird, kann sich der Senat auf einen unangenehmen Herbst einstellen; denn wir werden ihn bei allen prestigeträchtigen Veranstaltungen mit seiner behindertenfeindlichen Politik konfrontieren.
"Bei den am meisten Benachteiligten zu sparen, ist bequem, aber sozial völlig inakzeptabel", betont der 55jährige Jurist, der sich seit langem für den Ausgleich behinderungsspezifischer Nachteile einsetzt. Sollte Henning Scherf die fatalen Konsequenzen seiner Politik einsehen, so hat er selbstverständlich das Recht, den Orden zurückzugeben, betonen die Initiatoren der Ehrung und hoffen auf Einsicht ihres Bürgermeisters.
Rund 30 Blinde warteten bis zum Schluß der Rede von Henning Scherf. Der DVBS-Vizevorsitzende, Uwe Boysen, gehörte zur Übergabegruppe und schildert den weiteren Verlauf wie folgt:
Dann sind wir fast alle zu ihm die Treppen des Hörsaals hinuntergestürrmt, angeführt vom Übergabekommittee, bestehend aus Martina Reicksmann, die ihm den Orden dann auch übergab, Friederike Kaivers, Jürgen Karbe, Joachim Steinbrükc und mir. Er kam uns schon entgegen, "damit Ihr nicht so weit laufen müsst". Ich habe dann die Ordensverleihung vorgenommen mit den Worten: "Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Die Aktion Augen auf in Bremen verleiht Ihnen den großen Blindfischorden am Bande für ihre Verdienste bei dem Versuch der Abschaffung des Landespflegegeldgesetzes. Wir halten das für die behindertenfeindlichste Idee im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen. Sie haben aber ein Rückgaberecht, wenn Sie sich eines Besseren besinnen und wieder Politik mit Augenmaß machen. Außerdem könnten wir uns gern einmal direkt gegenüber im Universum im Dunkeln treffen." Zur Erläuterung: Dort findet in unregelmäßigen Abständen ein Dinner im Dunkel statt. Scherf, der auf mich und auch auf Sehende reichlich - wie wir sagen würden - bedröppelt wirkte, sagte leise zu mir: "Ja". (...) Den Orden hat er, bis er die Veranstaltung verließ, bei sich behalten. Was jetzt daraus geworden ist, würde ich gern wissen. Das Medienecho war gut, auch wenn - zu Recht - die Eröffnung der Sommeruni im Vordergrund stand. Die Überschriften waren aber ausnahmslos auf die Ordensverleihung gerichtet.
Das wird sicher nicht die letzte Aktion in Bremen gewesen sein, aber ein Highlight war sie sicher.
In diesem Sinne!
Michael Herbst
DVBS Öffentlichkeitsarbeit
Startseite
|
Kontakt
|
Impressum |
Hilfe