Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.

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horus aktuell Nr. 51/04 vom 29. Oktober 2004
News - DVBS-online.de

Liebe Leserinnen und Leser!


Kurz vor dem Aufbruch ins Wochenende noch ein Erlebnisbericht zur spektakulären Aktion in Hannover am vergangenen Mittwoch. Jochen Schäfer aus Marburg nahm auf der Durchreise zu den Boltenhagener Krimitagen teil. Er titelt:


Erfolgreiche Aktion am Kröpcke, sture Haltung bei Politikern

"Die Würde des Blinden muss unantastbar bleiben!" Das waren meine Worte, als ich am Mittwoch in Hannover den symbolischen Stock zerbrochen und in den "Reiß-Wulff" (Eigenschöpfung) geworfen habe.

Bei der Aktion "Würde zerbrochen" waren etwa 150 Leute anwesend, als zu Beginn um etwa 16 Uhr Wolfgang Angermann, Vorsitzender des Regionalvereins Hannover im BVN sowie früherer DVBS-Geschäftsführer, eine kleine Ansprache zur Blindengeldproblematik hielt. Dabei hob er vor allem hervor, dass von der geplanten Streichung des niedersächsischen Landesblindengeldes in erster Linie Menschen über 60 Jahre betroffen sein würden, die unter der Situation am meisten zu leiden hätten. Meistens gehe es dabei um Späterblindete, die nicht mehr fit genug sind, sich die Techniken, die Früherblindete schon in jungen Jahren erlernen, anzueignen und daher mehr Unterstützung bräuchten.

Nach dieser Ansprache war ursprünglich geplant, dass jeder der Teilnehmenden ein kurzes Statement abgeben sollten, bevor die Stöcke zerbrochen werden würden. Da sich das aber bei der erfreulich großen Zahl an MitstreiterInnen, die vornehmlich aus der Umgebung von Hannover kamen, ziemlich lange hingezogen hätte, befürchtete man, dass das Interesse bei den Sehenden, die sich spontan an dieserr Aktion mit beteiligten, nachgelassen hätte. Daher hat man denjenigen, die dringend etwas Kurzes los werden wollten, Gelegenheit gegeben, dies auszusprechen. Diese Gelegenheit habe ich als der wohl am weitesten Gereiste wahrgenommen, indem ich ebenfalls betonte, dass das, was man in der Politik "Sozialreformen" nennt, in der Bevölkerung allerdings eher als "Sozialdeformen-" bezeichnet werden müsse, nicht auf Kosten Blinder und Restsehender geschehen dürfe.

Im Anschluss daran zerbrachen alle ihre Stöcke, die dann in die schwarzen Tücher geworfen wurden, die wir alle gemeinsam in Form einer Demonstration zur Bannmeile brachten. Die Tücher wurden von sehenden HelferInnen gehalten. Für einige von uns war bis zum Schluss nicht wirklich klar, ob es zum Sozialministerium oder zum niedersächsischen Landtag gehen solle. Schließlich marschierten 10 Leute von uns zum Sozialministerium, da dies am Tag zuvor mit den niedersächsischen Politikern so abgesprochen war; mehr als 10 waren leider nicht zugelassen.

Unter Führung von Wolfgang Angermann brachten diese 10 Leute sowohl die Tücher, als auch die damit verbundenen Anliegen im Sozialministerium vor. Hinterher erzählte Wolfgang Angermann uns, die wir leider nicht zu den auserwählten 10 gehören konnten, dass es nach wie vor keine Annäherung gibt. Im Sozialministerium hieß es nur, die geplanten Streichungen hätten nichts mit "zerbrochener Würde" zu tun, und den Blinden würde es nicht schlechter gehen als jetzt, da sie ja weiterhin Antrag auf Blindenhilfe stellen könnten. - Was damit gemeint ist, wissen wir alle nur zu gut! - Wolfgang Angermann informierte uns aber auch, dass weiterhin Gespräche mit Politikern geführt würden, und dass nach wie vor die Opposition voll auf unserer Seite sei. Auch innerhalb der CDU gibt es offenbar bereits einige Bewegungen. So sei Finanzminister Möllring auch beispielsweise gegen die von Frau von der Leyen eingebrachte Idee der "Stiftung für die armen Blinden" (siehe HA Nr. 44), die für den BVN ohnehin nie zur Diskussion stand. [...]"

Danke an den "mitdenkenden Kopf".

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal

Ihr

Michael Herbst
DVBS Öffentlichkeitsarbeit


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