Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.

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horus aktuell Nr. 21/03 vom 22. Oktober 2003
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Liebe Leserinnen und Leser !

So lange haben Sie noch nie auf "horus aktuell" warten müssen. Doch das wir uns nicht meldeten, heißt nicht, dass in der Zwischenzeit nichts geschehen ist. In Berlin und Bremen fanden am 15.10.2003 Protestaktionen in Sachen Blindengeld statt und in Hamburg stellte die NetBank eine erste Testversion ihres barrierefreien "Online Banking" fertig.

Doch zunächst nach Berlin:

"Im Mittelalter mußten Blinde oftmals für ihren Lebensunterhalt betteln", erläuterte Dr. Schmidt, Vorsitzender des Allgemeinen Berliner Blinden- und Sehbehindertenverbandes (ABSV), per Megafon die Symbolik der Aktion. Auch ich bekam eine nicht eben mittelalterlich wirkende Aluminiumschale in die Hand gedrückt und reihte mich in eine lange Schlange ein. Die Aktion war der Berliner Morgenpost am nächsten Tag ein Foto und folgende Notiz wert:"

Blinde protestieren gegen Kürzung

Symbolisches Betteln als Protest: Etwa 130 Blinde und Sehbehinderte haben gestern auf dem Breitscheidplatz gegen die vom Senat geplante Kürzung des Blindengeldes demonstriert um 20 bis 50 Prozent. Dabei hätten Sehbehinderte einen erhöhten Lebenskostenaufwand, so Manfred Schmidt, Vorsitzender des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin. Ein Zehn-Euro-Buch koste in Blindenschrift mehr als 300 Euro. In Berlin leben 5000 Blinde und 17 000 Sehbehinderte."

Der TAZ war das Thema eine ganze Seite wert. Unterdessen geht der Widerstand weiter und läßt die ersten Verantwortlichen offenbar zweifeln. Die PDS will sich bezüglich der geplanten Blindengeldkürzung erst nach einer Anhörung im Senat am 6.11. endgültig festlegen. Bis zum 5.11. läuft die Unterschriftenaktion gegen die Kürzung deshalb weiter (www.absv.de). Dann wird sie beendet sein. Ziel ist, 50.000 Unterschriften mit zur Anhörung nehmen zu können. "Wenn wir einen Schlußspurt hinlegen, schaffen wir das", gibt sich ABSV-Pressesprecher Volker Lenk optimistisch.

Symbolik auch in Bremen: Der Finanzsenator bekam Besuch von Protestierenden.

Die TAZ schrieb:

"Ein Blindfisch für den Senator Mit der Überreichung des Blindfisches schlägt der Bremer Blinden- und Sehbehindertenverein Protest gegen die geplante Streichung des Landespflegegeldes Bremen taz Den "Blindfisch" für Finanzsenator Ulrich Nussbaum (parteilos) hatten sie bereits dabei, doch zunächst mussten sich die Vertreter des Blinden- und Sehbehindertenvereins Bremen (BSVB) gedulden. Finanzstaatsrat Henning Lühr, der das Symbol für die Kampagne "Augen auf!" entgegennehmen sollte, stecke in einer Besprechung und werde sich etwas verzögern. "Das klingt ja wie im ICE!", bemerkte Vereinssprecher Uwe Boysen süffisant und machte klar: "Wir sind zwar blind, aber nicht stumm." Anlass des Radaus: Die Streichung des Landespflegegeldes, wie sie die Bremer Koalitionsvereinbarung vorsieht. Derzeit beziehen 816 Menschen die Unterstützung, die ihren behinderungsbedingten Mehraufwand ausgleichen soll. 692 davon sind blind oder stark sehbehindert. Mit monatlich gezahlten 344 Euro ist Bremen Schlusslicht unter den westdeutschen Bundesländern. "Damit leisten wir seit mehr als 15 Jahren unseren Beitrag zur Sparpolitik", so UweBoysen.

Die komplette Streichung des vermögens- und einkommens- unabhängigen Zuschusses wage bislang kein zweites Bundesland. Und ob sie der Entlastung des Haushalts dient, bezweifelt der BSVB. Da die große Mehrheit blinder Menschen nicht erwerbstätig ist, hält es Hans-Joachim Steinbrück, Sprecher der Initiative, für wahrscheinlich, dass viele, die sich jetzt mit dem Landespflegegeld begnügen, künftig Blindenhilfe einfordern. Diese wird alternativ zum Landespflegegeld an diejenigen ausgezahlt, die nach dem Sozialhilfegesetz ein Anrecht darauf haben. Der Blindenhilfe-Satz liegt bei 585 Euro. "Wenn etwa 75 Prozent der heutigen Landespflegegeldempfänger die Blindenhilfe beantragen, bleiben die Ausgaben gleich", erläutert Hans-Joachim Steinbrück.

Den Wegfall von Bezügen, die Blinde unabhängig vom Geldbeutel erhalten, findet Steinbrück demotivierend. Kürzlich habe ihn eine Bekannte aus dem Blindenverein gefragt, warum sie sich noch in der Arbeitswelt durchboxen und nicht gleich Sozialhilfe beantragen solle.

Staatsrat Lühr versprach, nicht nur für das Fischlein gut zu sorgen, sondern auch die vorgebrachten Argumente sorgfältig zu prüfen. Am 9. 11. tagt der Koalitionsausschuss zu den Sparvorhaben - dann fällt die endgültige Entscheidung über das Landespflegegeld."

Auch hier nähert sich also ein wichtiges Datum.

Barrierefreies Online-Banking möchte die NetBank mit Sitz in Hamburg schon sehr bald anbieten. Dafür hat sie im Internet...

"...erstens die Lesbarkeit verbessert - der Nutzer hat die Möglichkeit, Farben und Kontraste nach seinen persönlichen Bedürfnissen einzustellen. Zweitens lassen sich die Inhalte problemlos mit einem Screenreader oder mit einem Braille-Display wiedergeben - störende Banner und Navigationsleisten können einfach übersprungen werden, Überschriften verdeutlichen die logische Struktur der Seiten.

Der Service für Blinde und Sehbehinderte beginnt aber bereits vor der ersten Nutzung des attraktiv verzinsten Kontos "NetBank Giro Allround": Auf Wunsch erhält der Neukunde alle wichtigen Kontoeröffnungs-Unterlagen, die Kontonummer sowie die PIN und TANs in Braille zugeschickt.

"Der Prototyp des Web-Auftrittes ist jetzt fertiggestellt und die NetBank sucht nach blinden und sehbehinderten Testern."

Interessenten sollten im Internet unter www.netbank.de/test-barrierefrei ihren Namen und ihre Telefonnummer eintragen. In den folgenden Tagen werden sie von einem Berater der NetBank angerufen und individuell durch die für Blinde und Sehbehinderte optimierte Website geführt. Dabei haben Sie auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Kritik zu äußern - die NetBank nutzt Ihr Feedback für die ständige weitere Verbesserung der Nutzeroberfläche.

Wer sich bis zum 29.10.2003 für diese Führung anmeldet, hat übrigens die Chance, eine von 33 CDs "ZEIT-Hören" zu gewinnen.

Testen darf man aber natürlich auch danach noch. Also bitte, liebe Surferinnen und Surfer: Unterstützen Sie die NetBank. Sie leistet wertvolle Pionierarbeit in unserem Sinne, wie ich finde. Jetzt ist die Gelegenheit ihr mitzuteilen, was in den einschlägigen Mailinglisten längst diskussionsthema ist. Die NetBank bittet denn auch um Weiterleitung dieser Nachricht an alle potentiellen Tester.

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal

Michael Herbst
DVBS Öffentlichkeitsarbeit


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