Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.

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horus aktuell Nr. 02/03 vom 02. Juli 2003
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Liebe Leserinnen und Leser !

Morgen, Donnerstag, den 3.7.2003, konstituiert sich die neu gewählte Bremer Bürgerschaft. Ein Aktionsbündnis aus der LAGH, "Selbstbestimmt Leben" und dem BSV Bremen hat bereits letzte Woche zu einer Demonstration auf dem marktplatz ab 9:45 Uhr aufgerufen. Selbstverständlich ist auch die geplante Abschaffung des dortigen Landespflegegeldes Thema. Der BSV Bremen wird auf der Demonstration ein Flugblatt an Passanten und Politiker verteilen, das mit "Marburger Hilfe" kurzfristig erstellt wurde. Hier der Text der Vorderseite:

6 Punkte sind für blinde Menschen unverzichtbar

Vor 150 Jahren hat Louis Braille die Blindenschrift erfunden. Sie besteht aus sechs Punkten. Vor 30 Jahren wurde in Bremen das Landespflegegeld eingeführt. Beides hat sich bewährt. Beides ist aus dem Leben blinder Menschen nicht mehr wegzudenken.

Der Bremer Senat will die Unterstützung für blinde Menschen ersatzlos streichen.

Haben Bremer Politiker kein Verständnis für blinde Menschen?

Nur 30 % der blinden Menschen im erwerbsfähigen Alter finden einen Job. Damit sie ihren Beruf ausüben können, nehmen sie viele zusätzliche Belastungen auf sich. Geringverdienende, Studenten oder Hausfrauen haben keine Chance, sich etwas dazu zu verdienen. Oder können Sie sich Blinde als Taxifahrer, Kellner oder Zeitungsausträger vorstellen?

Blinde Menschen können nicht Auto fahren. Sie brauchen eine Wohnung mit guter Verkehrsanbindung. Die Miete ist dann leicht 100 bis 200 Euro höher. Sie sind auf teure Taxifahrten angewiesen. Sie müssen erheblich mehr Geld für den Lebensunterhalt aufwenden. Sonderangebote können sie nicht wahrnehmen und Preise nicht vergleichen. Bücher in Blindenschrift kosten das Zehnfache eines normalen Buches ...

Blinde Menschen brauchen Hilfe bei der Erledigung der täglichen Post, beim Putzen, beim Einkaufen, können Reparaturen nicht selbst ausführen ... Sie brauchen die regelmäßige Unterstützung von Angehörigen und Ehepartnern, die dadurch finanzielle Einbußen in Kauf nehmen, oder müssen diese Hilfen teuer bezahlen.

Blindheit kann jeden treffen. Viele Menschen, die ihr Leben lang so wie Sie gesehen haben, erblinden im Alter. Sie haben Vorsorge für ihren Lebensabend getroffen. Doch dieses Geld müssen sie jetzt für die durch ihre Blindheit hervorgerufenen Mehrkosten aufwenden. Damit werden sie zum "Sozialfall".

Die Blindenhilfe nach § 67 BSHG ist keine Alternative. Jeder Mensch muss Geld für besondere Lebenssituationen, zum Beispiel Krankheit, zurücklegen können, auch Blinde. Wer mehr als 4.000 EUR besitzt, erhält diese Hilfe aber nicht. Dadurch werden blinde Menschen doppelt bestraft.

Die Unterstützung durch das Landespflegegeld kommt bei den blinden Menschen wirklich an und ist eine echte Hilfe. Durch den Verweis auf das BSHG, oder bei einer Umstellung auf Einzelnachweise, werden nur die Verwaltungskosten drastisch erhöht und es ist keine echte Einsparung zu erwarten.

Blindengeld ist kein Luxus! Es hilft, die vielen kleinen und großen Schwierigkeiten des täglichen Lebens besser zu bewältigen. Sie können sicher sein. Blinde Menschen würden liebend gerne darauf verzichten, wenn sie dafür sehen könnten.

Bitte helfen Sie uns, damit wir nicht wieder ausgegrenzt werden und weiter ein eigenständiges Leben führen können!

Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen

Die Rückseite ziert ein Punktschriftalphabet, das aber leider nicht tastbar ist. Zu entziffern gilt es "Augen auf in Bremen". Was würde es für Sie ganz persönlich bedeuten, wenn das Blindengeld in Ihrem Bundesland abgeschafft werden würde. Unsere herzliche Bitte: Schreiben Sie uns

  1. in welcher persönlichen Lebenssituation Sie sich befinden (Alleinstehend oder nicht, Berufstätig, im Ruhestand, Arbeitslos oder auch Studierend, Kinder oder nicht, hohes oder niedriges Einkommen...) und
  2. welche Konsequenzen die Streichung des Landesblindengeldes für Sie hätte.

Sie helfen uns bei unserer Arbeit, denn es gilt, Argumente und persönliche Schicksale zu finden, die in der Öffentlichkeitsarbeit dringend notwendig sind. Auf den ein oder anderen der hoffentlich zahlreichen Schreiberinnen und Schreiber werden wir dann sicher sehr bald zukommen. Die Adresse: info@augen-auf.net.

Herzlichen Dank vorab für Ihre Unterstützung. Auf bald

Michael Herbst
DVBS Öffentlichkeitsarbeit


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