Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.

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Ausgewählte Haikus zum Thema "Sehbehinderung"

Im folgenden finden Sie einige Haikus zum Thema "Sehbehinderung".

Haikus sind dreizeilige - ursprünglich japanische - Kurzgedichte, bei denen die erste Zeile fünf Silben, die zweite Zeile sieben Silben und die dritte Zeile wieder fünf Silben hat.

Diese Verse wurden im Rahmen des Workshops "Ausblick und Ausdruck", der von Pernille Sonne geleitet wurde, verfasst. Dieser Workshop fand während des Seminars "Nicht sehend - nicht blind" der Arbeitsgemeinschaft der Sehbehinderten im DVBS statt (2005).

Gedanken zur Sehbehinderung

Ich falle runter
Stelle mich auf die Füße
Großer Schreck

...................................

Dunkle Nacht ist's
ein langer Weg führt zur Sonne
der Morgen kommt

...................................

Trübe Aussichten
Fragezeichen überall
Verscheuche sie

Ein bedeutender Tag

Wunderbarer Tag
Sonne satt im Januar
Allein mit Gabi.

Wir gingen zum Markt.
Sieben Jahre ist`s jetzt her
Da fing alles an.

"Hallo Michael!
Wie schön, dich wiederzusehen
Wie geht es dir denn?"

Und der Michael
Nahm mein gestreckte Hand
Lächelte mich an.

"Sie sind so freundlich!"
Erwidert er meinen Gruß.
"Doch, ich bin es nicht!"

Unerwartet

Schlaftrunken, der tägliche Gang
"Ah", schwarzer Schlag, Blut
"Türe, du Hinterhältige!"

Freilaufen?

Freilaufen am Fels
Wassermauer, Tiefe, Gefahr, Fall?
Blick gefangen, fremder Fuß!

Wer nicht ins Bild passt

Wer nicht ins Bild passt,
wer eigene Wege geht,
fällt aus dem Rahmen.

Meine Füße sind
in das Leere getreten
ohne festen Halt.

Du wirst schuldig sein,
wenn Erschöpfung dich befällt,
um normal zu sein.

Ein Jahr ist zu lang,
Gespräche geben mir viel,
doch jetzt bin ich hier.

Frische, klare Luft
durchströmt Außen und Innen
Jetzt atme ich auf.

Was seht ihr von mir?

Im letzten Jahr war's
Bei Verwandten zu Besuch
wir kannten uns kaum.

"Du bist hilflos Halbblind",
sagte es im ganzen Haus.
Ich hielt es kaum aus.

Lebenslust ist da.
Wut und Trauer manchmal auch.
Was seht Ihr von mir?

..................................

Hab`s lange erklärt
So unbekannte Welten.
Sie haben's nichts kapiert.

...................................

Zirkus, Bühne, Licht
Hab'nen Drahtseilakt vollführt.
Geklatscht wurde nicht.

Ich wüsste es gern...

Sagt, wie seht Ihr mich?
Jung, dynamisch, erfolgreich
Oder behindert?

Bin ich für euch blind?
Wie glaubt Ihr, wie ich sehe?
Wie ich empfinde?

Und ist mein Alltag,
So wie ich ihn erlebe,
für euch alltäglich?

Ist das, was ich tu,
für euch außergewöhnlich
Oder ganz normal?

Wenn Ihr mich anseht,
habt Ihr dann Mitleid mit mir?
Nein, das braucht Ihr nicht!

Ich komme schon klar,
Mal mehr mal weniger,
Wie jeder von euch.

Ich bin wie ich bin.
Doch das, was Ihr über mich denkt,
das ist mir wichtig!

Niemand

Niemand schiebt sie weg.
Dinge, die im Weg stehen,
Lauern als Gefahr.

Niemand schiebt sie weg.
Dinge, die im Weg stehen,
Fletschen die Zähne.

Niemand schiebt sie weg.
Dinge, die im Weg stehen,
Nehmen mir den Raum.

...................................

Entweder oder

Geh'n oder schauen
je volle Konzentration
entweder oder.

Der Abschied

Der abschied kommt.
Ich muss dich loslassen
Leere bleibt.

Auf sich gestellt
die Schwermut findet den Weg
ein neuer Anfang.

Sage mir wohin
die Reise geht voran
Ich vermisse dich.

Gestern sah ich dich
von fern und nah wunderbar
bist du noch da?

Ich mochte dich
Du ging'st fort von mir
Dunkelheit bleibt.

dazwischen

nicht sehend nicht blind
dazwischen bewege ich
alles was möglich

und singe lieder
weil es beruhigt mich so
euch zu spüren

das blindsein lauert
blindwerden ist alltag schon
ich singe meine lieder...

ohne worte hier
vertraue ich meinen weg
gehe nur langsam

und meine fragen
schweben schon lange umher
nicht leicht zu fassen.

Herausforderung

Sehnsüchtig denk ich
An unbeschwerte Zeiten.
Was bleibt ist Hoffnung.

Es könnte doch sein,
Dass auch ein anderer Weg
Meine Sehnsucht stillt.

Herausforderung,
Ich habe mich entschieden;
Ich nehme sie an.

Traurig, das er ging

Traurig, dass er ging
Leere, stille, Vorfreude -
Auf wiedersehen.

Zurück kam er nicht
Tiefer Fall, Trübsinnigkeit,
Langsames erwachen.

Neue Realität
Aus Einsamkeit wird Muße
Hoffnung, Neubeginn

Zulassen lernen

zulassen lernen
dass du ein anderer bist
als mein Traum von dir

Den Traum loslassen
heißt abschied nehmen von dem Traum
die Wirklichkeit lebt.

...................................

Loslasen befreit,
Und es reinigt die Seele.
Lasse los dein los!

...................................

Schwingen der Sehnsucht
Beflügeln den abschied und
Trocknen die tränen.

Endlich!

Riss, weggerissen!
Ein bisschen plötzlich -
Endlich, Gott sei Dank!

Nicht wieder erkannt

Aus den Augen verloren
Nochmals zurückgegangen
Nicht wieder erkannt.
Doch gut, schon neu angefangen zu haben.

Ach, tschüß!

Zu Ende, auch ein Stück von mir
noch bei mir, aber
vom Herzen schon zum Kopf
Ach, tschüß!

Winterspaziergang

Schön warm eingepackt
mit Schal, Mütze und Handschuh'n
machen wir uns auf den Weg

Hinaus ins Freie
die weiße Landschaft ruft uns
Bewegung tut gut.

Schneeflocken naschen
den Atem sichtbar machen
komm nicht ins rutschen!

Was geht in dir vor?
Lüfte deine Gedanken!
Lass mich Zeuge sein!

Plötzlich ein Schneeball
sein Übermut steckt uns an
Wildes Getümmel

Wieder zu Hause
Freudestrahlendes Gesicht
Winter, so lieb' ich dich

Winterzeit

Es ist Wintherzeit
die Welt liegt in tiefem Schlaf
nimmt Abschied vom Tun.

Betriebsamkeit und
Arbeitseifer, Erfolg und
Fleiß werden leiser.

Schweigen füllt den Raum
Ich gelange zur Stille
und halte inne.

Und plötzlich füllt Angst
den verlassenen Raum
Was wird wohl kommen?

Werd ich es schaffen
Was mich schon bald erwartet
erfolgreich mein Tun?

Halt ein mein Denken
Halte inne und sei still!
Es ist Winterzeit.

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