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Dr. P. Baumeister: Zweites Literaturtreffen der blinden und sehbehinderten Autoren Unsere zweite Tagung, an der 15 von uns zusammen mit zwei sehenden Journalisten teiln

Diesmal hatten wir uns drei Ziele vorgenommen.

1. Wir bemühten uns um eine verstärkte Textanalyse und Textkritik, um den weniger erfahrenen unter uns mögliche Schreibhilfen zu geben. Dazu wurden zwei Veranstaltungen geplant. Am Freitagvormittag diente als Einstieg eine allgemeine Ebene der eventuellen Fehlerquellen und Ratschläge. Ich faßte einige Thesen eines Handbuchs für angehende Autoren zusammen, welche sich als sehr provozierend erwiesen und eine rege Diskussion der Teilnehmer gegen Verallgemeinerungen und Schreibrezepte hervorriefen. Dann suchten wir in Arbeitsgruppen die eigenen Fehler und Schwächen, die wir durch die Kritik Anderer beim Vortrag unserer Texte und durch eigenes Einsehen an uns selbst festgestellt hatten. Nachmittags analysierten wir zusammen mit drei Mitgliedern des Kreises "Literatur der Arbeitswelt" den Text eines abwesenden Autors, was eine völlig freie und unvoreingenommene Beurteilung ermöglichte. Anschließend stellten uns unsere Gäste und weitere Teilnehmer auch ihre Texte vor.

2. Wir wollten unsere Zusammenarbeit erproben, und zu diesem Zweck hatten wir uns auf ein gemeinsames Thema geeinigt: "Vaterland, Muttersprache". Zu diesem Thema hatten einige von uns Texte vorbereitet, welche am Samstagvormittag vorgestellt wurden. Sie boten eine reiche Vielfalt an Gedanken und literarischen Formen auf einem durchaus vertretbaren Niveau, obwohl manche noch einer Überarbeitung bedürfen.

3. Wir beabsichtigten, auch eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, d.h. immer mehr Besucher anzuregen, uns und unsere Literatur kennenzulernen, damit Austausch und Zusammenarbeit mit sehenden Kollegen gewährleistet ist. Schon bei unserer ersten Tagung hatten wir zwei Gäste zu Besuch: Frau Wohlfromm, Hörspielautorin, und Frau Prüfer, Autorin und Journalistin, die einen sehr ausführlichen Artikel über uns in "Publikforum" veröffentlicht hat. Auch diesmal hatten wir zwei Gäste: Frau Helga Wolf Ehlers, freie Mitarbeiterin vom BDR, und Herrn Alfred Stemmler, Herausgeber einer Informationskassette für Blinde in Reklinghausen. Der Literaturkreis der Arbeitswelt Köln kam, wie gesagt, zur Veranstaltung am Freitag, und noch weitere Gäste besuchten unsere öffentliche Lesung am Samstagnachmittag: Herr Harry Böseke vom Schriftstellerverband Köln, Frau Dr. Thomalla vom Deutschlandfunk (Redaktion Büchermarkt) und Herr Honig von der Kölnischer Rundschau. Mehrere Rundfunksendungen und Presseinformationen haben schon über unsere Tagung berichtet.

Am Sonntagvormittag vor der Abreise diskutierten wir über unsere Eindrücke der gesamten Tagung und über Zukunftspläne. Wieder hat sich ein sehr großer Nachholbedarf an Kommunikation über Literatur gezeigt, denn, als ich den Teilnehmern vorschlug, uns erst in einem Jahr wiederzutreffen, war die einstimmige Meinung aller, daß es zu langfristig sei und daß ein so wichtiges und mit so vielen Kräften begonnenes Projekt nicht in Passivität, Apathie, einschlummern dürfte. Die Aktivitäten wurden als erfolgreich und interessant, aber vielleicht auch als zu gedrängt und intensiv, empfunden. Das lag teilweise daran, daß wir eine so große Maße an Texten zu bewältigen hatten. Wir sollten den neuen Teilnehmern gerecht werden und auch ihren Texten zuhören. Andererseits hatten wir unsere öffentliche Lesung, die besonders für Besucher gedacht war, und noch unsere Texte über "Vaterland, Muttersprache", deren Diskussion leider ausfiel. Um eine gründlichere Analyse für das nächste Treffen durchführen zu können, haben wir uns vorgenommen, daß allgemeine Texte nur abends vorgestellt werden und daß nur die Texte zum spezifischen Thema des Seminars als Arbeitsmaterial besprochen werden. Diese werden zur besseren Übersicht den Teilnehmern schon vor der Tagung eingereicht. Die Texte sind an: Eckard Seltmann, Fliederweg 7, 7145 Markgröningen, auf Kassette zu schicken, der für Kopien für uns alle sorgen wird. Das Thema für unsere nächste Tagung lautet: "Entgrenzung". Das Datum kann bereits den Interessenten mitgeteilt werden: vom 30.4. bis zum 3.5.1992.

Wir planen Kontaktaufnahme zu weiteren Kreisen der Öffentlichkeit und der Blindenorganisationen. Wir erwarten noch die letzten Texte für unsere Anthologie. Bald ist die Phase des Sammelns zu Ende, und ich hoffe, daß die alle Beiträge zusammen im Januar verschiedenen Verlagen angeboten werden können. Diese Texte für die Anthologie sind weiterhin an mich zu schicken: Frau Dr. Pilar Baumeister, An der Pulvermühle 18, 5000 Köln 91.

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