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Gut 130 Kinder und Jugendliche eroberten sich am Samstagnachmittag die
Sporthalle der Blindenstudienanstalt in Marburg. Und da man dort gleich auf drei Ebenen Sport treiben kann, in der großen Halle im Erdgeschoß,
einige Treppen höher im Schwimmbad und noch einige Treppen weiter oben in der kleinen Sporthalle, war für Bewegungsfreiheit gesorgt und
damit für ein Angebot, das Sport mit Spiel und Abenteuer verbindet.
Dafür sorgte das Team des Vereins zur Förderung
bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj), denn Jochen Schirp vom bsj und Lehrer der Carl-Strehl-Schule hatten die Idee zu
diesem Nachmittag: Bei Sport und Spiel Kinder und Jugendliche aus Marburg mit Kindern und Jugendlichen, die mit ihren Eltern als Asylbewerber
in Hachborn und Schröck leben, zusammenzubringen. Die Idee kam an.
Auch beim Kreissozialamt, in dessen Zuständigkeit die
Betreuung dieser Menschen fällt. Und so war in Inge Sauer spontan die Dritte im Bund gefunden, die mit dabei war, als sich die Kinder,
türkische Kurden und Bosnier, Kinder aus Bulgarien, Armenien und Afghanistan, knapp vier Stunden lang nach Herzenslust auslebten.
Jochen Schirp hatte die Kinder mit dem Bus abgeholt, 30 in Hachborn, rund 20 in Schröck. Die Überlegung, die Altersgrenze
nach unten bei sechs Jahren festzulegen, warf er vor Ort rasch über den Haufen. Zu viele Jüngere drängelten sich um den Bus.
"Ich glaube, da wären einige Tränen geflossen", so Schirp. Und da sich gut 25 Frauen und Männer zur Betreuung der
Spielenden in der Carl-Strehl-Schule eingefunden hatten, konnten auch die Kleinen mit ihren Bedürfnissen berücksichtigt werden.
Wie bei Spielaktionen des "bsj" nicht anders zu erwarten, präsentierte sich die große Sporthalle als Erlebnisfeld. Sitzbänke
wurden zu geräumigen Schaukeln, Kletterseile luden ein, sich wie Tarzan durch die Halle zu schwingen, und selbst eine nützliche Bodenmatte
ist eine Attraktion, wenn sie, aufgehängt an den vier Ecken, zur Luftschaukel wird. Ein Anziehungspunkt war auch die hauseigene Kletterwand,
sowie das gespannte Geflecht aus Seilen, eine Brücke wie im Dschungel.
Der Kraftraum wurde zum Treffpunkt für die
Jugendlichen, das Schwimmbecken erlebte seine Feuertaufe als Erlebnisbad, und in der kleinen Sporthalle wurde Rollschuh gelaufen und
Federball gespielt. Verständigungsschwierigkeiten gab es nicht. Dazu Jochen Schirp: "Der Nachmittag war ja so angelegt, daß sich die
jungen Leute ohne große Worte begegnen konnten."
Die Initiatoren hoffen, daß dieser Nachmittag keine Eintagsfliege
bleibt. Vereine könnten die Idee weiterführen. Der "bsj" wird mit seiner Erfahrung sicher gerne zur Seite stehen.
Brigitte Bohnke. - in: Oberhessische Presse vom 15. Dezember 1992
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