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Das herausragende Ereignis im Sportjahr 1992 waren natürlich auch für die SSG Blista Marburg die Paralympischen Spiele in Barcelona. So stand für viele Aktive das gesamte Jahr 1992 unter dem Zeichen der Vorbereitung, obwohl letztendlich dann doch nicht alle, die sich berechtigte Hoffnungen gemacht hatten, bei der Nominierung Berücksichtigung fanden. Vom 03.- 14.09. trafen sich dann in Barcelona 3084 Sportler unterschiedlichster Behinderung aus 84 Nationen, um in 17 Sportarten ihre "Olympiasieger" zu ermitteln. Unter den 312 Aktiven, die der Deutsche Behindertensportverband in Barcelona an den Start schickte, waren dann die zehn sehgeschädigten Sportlerinnen und Sportler der SSG:
Sussanne Aatz, Michael Becker, Michael Bussewitz, Annett Burger, Michael Eßer, Jens Hellenschmidt, Olaf Mehlmann, Uwe Mehlmann, Michael Richter, Ralf Hohn,
weiterhin waren als Trainer mit dabei:
Holger Sobottka, Dietmar Otten
Am erfolgreichsten waren dabei die vier Leichtathleten: an der Spitze Uwe Mehlmann, der über 200 m, 100 m und im Weitsprung eine Gold-, eine Silber- und eine Bronze-Medaille gewinnen konnte. Seine hervorragenden Aussichten auf weiteres Edelmetall in den Staffelwettbewerben wurden durch das Verletzungspech zunichte gemacht. Bruder Olaf Mehlmann, der auf Grund seiner Leistungen im Oktober zum Jugendsportler des Jahres 1992 im Behindertenbereich gewählt wurde, errang in Barcelona mit Hochsprung- Bronze seine erste Paralympische Medaille. Ulrich Striegel verpaßte die Silbermedaille im Dreisprung nur um einen einzigen Zentimeter und mußte sich mit Bronze zufrieden geben. Annett Burger startete trotz Verletzung und holte sich im Weitsprung ihre erste Paralympic-Medaille (Silber).
Nicht ganz so gut lief es bei den Goalballern Michael Bussewitz, Michael Becker und Jens Hellenschmidt, die mit der deutschen Mannschaft Platz 6 und damit ihr Minimalziel erreichten. Zwar hatte man sich in der Vorrunde des hervorragend besetzten Turniers gegen Mannschaften wie Europameister Israel durchsetzen können, doch dann ging nichts mehr. Die Gründe dafür lagen jedoch nur zum Teil bei der Mannschaft des Trainergespanns Holger Sobottka und Dietmar Otten (beide aus Marburg). Manipulationen ägyptischer und US-amerikanischer Spieler an den Augenbinden, die alle Spieler tragen müssen, um unabhängig vom Sehrest gleiche Voraussetzungen zu schaffen, wurden von den Schiedsrichtern zu spät konsequent geahndet. So konnten sich beide Mannschaften vor den Deutschen plazieren, und Ägypten wurde gar noch mit der Bronzemedaille "belohnt".
Die Judoka Michael Eßer und Michael Richter mußten bis zum letzten Tag auf ihren Start warten. Beide erreichten Platz sieben in ihrer Gewichtsklasse.
Beeindruckend für alle Aktiven waren sicherlich die Atmosphäre bei den Wettkämpfen vor Tausenden von begeisterten Zuschauern, der enorme Aufwand und die perfekte Organisation, die nicht zuletzt durch das Engagement der Spanischen ONCE Foundation ermöglicht wurde, und die Aufmerksamkeit und Sachkunde, mit der die regionalen Medien die Spiele begleiteten. In deutschen Fernsehanstalten werden die Paralympics ja leider oft immer noch mehr als Schicksalsbewältigung der Behinderten und weniger als Sportereignis gesehen.
Das internationale Jugendlager, zu dem sich parallel zu den Spielen talentierte Jugendsportler, die sich auf dem Sprung an die Spitze im Leistungssport der Behinderten befinden, zu gemeinsamem Training und Besuch der Wettkämpfe trafen, ist auf jeden Fall eine begrüßenswerte Initiative und eine sinnvolle Einrichtung. Vielleicht jedoch hätten sich die SSG-Sportler Michael Lindenblatt, Meike Lorenz, Mathias Still und Rainer Winter, die im Aufgebot des Deutschen Behindertensport mit dabei waren, gewünscht, mehr Zeit beim Sport oder bei den Sehenswürdigkeiten Barcelonas und weniger bei Fototerminen für die Sponsoren der Veranstaltung verbringen zu können.
Die Paralympics waren zwar wohl das bedeutsamste Ereignis im Behindertensport im Jahr 1992, aber natürlich bei weitem nicht das einzige. Wettkampfpraxis konnten die Aktiven der Sehgeschädigtensportgemeinschaft bei verschiedenen nationalen und internationalen Sportereignissen sammeln, die von der SSG dank der Unterstützung durch die Blindenstudienanstalt und die Carl-Strehl-Schule beschickt werden konnten. Die Aufzählung der zahlreichen Erfolge, welche die Marburger Sportlerinnen und Sportler im Verlauf des letzten Jahres bei regionalen und nationalen Meisterschaften und bei Einladungswettkämpfen im In- und Ausland errangen, würde hier den Rahmen sprengen. Der sportliche Erfolg am Ort immerhin blieb den Torballern der SSG beim VIII. Internationalen Torball-Turnier, das der Verein im Oktober in Marburg veranstaltete, gänzlich versagt. Zwar waren die Starterfelder beim Frauen- wie beim Männer-Turnier gespickt mit Spitzenmannschaften, wie den nationalen Meistern aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, doch hatte man sich in Marburg trotzdem mehr ausgerechnet als die Plazierung auf den jeweils letzten Rängen. Man konnte sich immerhin damit trösten, daß die aus sechs europäischen Ländern angereisten sieben Frauen- und zehn Männer-Mannschaften sich in Marburg offenbar recht wohlfühlten und ihre Gastgeber als sportlich sehr zurückhaltend in Erinnerung behielten.
Sportlicher Erfolg und das Gelingen einer solchen Veranstaltung sind nur möglich dank des Einsatzes und des Engagements der Trainer und Übungsleiter im Verein. Erleichtert werden kann die Arbeit immerhin durch materielle Unterstützung. So konnte unter Mithilfe des Hessischen Behindertensportverbandes ein neuer Kleinbus beschafft werden. Die Firma Hoppe in Stadtallendorf, langjähriger Sponsor des Vereins, finanzierte einen Teil der Fahrten zu den Wettkämpfen und die Trikots für die Tor- und Goalballer der SSG. Eine gute Kooperation zwischen der Sehgeschädigtensportgemeinschaft und den verschiedenen Ressorts der Blindenstudienanstalt wird auch in der Zukunft eine unabdingbare Voraussetzung für den Leistungssport Sehgeschädigter in Marburg sein.
Jens Hellenschmidt
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