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Was ist daraus geworden- In den Marburger Beiträgen Nr. 2/92 und in horus 2/92 wurde ein Artikel zum Thema "Hilfsmittel für bedürftige Blinde in der 3. Welt und in Osteuropa" veröffentlicht. Darin bat ich die Leser der Zeitschrift um die Bereitstellung von alten und/oder defekten Blindenschreibmaschinen, Schwarzschriftschreibmaschinen und Kassettenrekordern. Entsprechende Aufrufe wurden auch in der Blindenselbsthilfe und in einer Kleinanzeige der Blindenzeitschrift Stern/Zeit abgedruckt. Darüber hinaus gab es auch entsprechende Beiträge in der regionalen Presse meines Wohnortes Wedel in Holstein.
Einige von Ihnen, die Hilfsmittel für diese Aktion zur Verfügung stellten, wird es sicherlich interessieren, was daraus wurde. Aus allen Teilen der Bundesrepublik, überwiegend allerdings aus den neuen Bundesländern, gingen in den Geschäftsstellen des DBV und des DVBS sowie auch direkt bei mir ca. 30 Blindenschreibmaschinen und ca. 60 Kassettenrekorder ein. Letztere wurden überwiegend von der Bevölkerung in Wedel und Umgebung zur Verfügung gestellt und in einer Recycling-Werkstatt der Arbeiterwohlfahrt in Wedel aufgearbeitet. Nicht jedes Gerät war verwendbar. Oft genug konnten diese nur als Ersatzteillager dienen, so daß letztlich 18 funktionsfähige Kassettenrekorder zur Verfügung standen.
Viele Blindenbogenschreibmaschinen und Stenographiermaschinen, deren Federn ausgeleiert waren und deren Lager Spiel hatten, wurden bei Arbeit und Lernen in Hamburg (ALH) generalüberholt und abgenutzte Teile durch neue ersetzt. Diese Aufgaben wurden sowohl bei der Arbeiterwohlfahrt wie auch bei Arbeit und Lernen Hamburg von Langzeitarbeitslosen im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ausgeführt. Die Teilnehmer dieser Maßnahme waren mit großem Engagement bei der Sache.
Einige Firmen und Privatpersonen stellten außerdem normale mechanische oder elektrische Schreibmaschinen zur Verfügung, die bei Arbeit und Lernen Hamburg umgebaut, d. h. mit abtastbaren Markierungen auf der Tastatur und am Blatthalter versehen wurden. Da einige Schreibmaschinen über extrem große Wagen verfügten, mußten für diese spezielle Transportbehälter in der Tischlerei von ALH gefertigt werden.
Ein Blinder aus Pinneberg stellte für die Aktion sein altes Braillex C zur Verfügung, und der Deutsche Blindenverband kaufte für etwa DM 10.000,- Blindenuhren, Schreibtafeln, Kassetten, Zeichenfolien und Blindenschreibpapier.
Die Geschäftsführer von DBV und DVBS hatten sich dahingehend verständigt, daß die Hilfsmittel - entsprechend der Empfehlungen der EBU (Europäischen Blindenunion) - an den rumänischen Blindenverband in Bukarest gehen sollten. Nun entstand das Problem des Transportes. Das bei der Hilfsmittelzentrale in Dresden eingekaufte Blindenschriftpapier konnte schon aus Gründen des Gewichtes, Volumens und der Transportkosten nicht erst nach Wedel transportiert werden, um es dann auf einen Lastwagen nach Bukarest zu verladen. Das Papier wurde mit einem Transport der Christoffel-Blindenmission nach Rumänien gebracht. Die übrigen Hilfsmittel wurden in 20 Umzugskartons und mehrere Spezialbehälter gegen Stöße gesichert verpackt und am 23.09.1992 in Wedel der Paketaktion Ost e. V. übergeben. Es handelt sich dabei um eine Organisation mit ehrenamtlichen Helfern, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Hilfsgüter in osteuropäische Länder direkt zum Adressaten zu transportieren. Die Kosten für den Transport mit einem 7,5-Tonner von Hamburg nach Bukarest betragen ca. DM 1.700,-. Diese Kosten werden von der Paketaktion übernommen und ausschließlich aus Spenden gedeckt. Herr Werner Matutat, der zu den Gründern dieser Hilfsorganisation gehört, hatte bereits am 14.09.1992 im Rahmen einer kirchlichen Veranstaltung in Wedel über die Versorgungsprobleme in Rumänien berichtet und dabei einen Videofilm sowie diverse Dias vorgestellt. Während ursprünglich nur vereinbart worden war, ein Volumen von 2 Kubikmetern nach Bukarest zu transportieren, erklärte sich Herr Matutat bei der Veranstaltung bereit, die gesamten gesammelten Hilfsmittel (ca. 3 Kubikmeter) mit nach Bukarest zu nehmen. Darüber hinaus wurden bei der Wedeler Kirche drei Rollstühle, die ebenfalls von ALH für diese Aktion überarbeitet worden waren, zusammen mit diversen Lebensmittelpaketen verladen.
Am 25.09.1992 ging dann der Transport von Hamburg aus nach Rumänien und Bulgarien. Anfang Oktober kehrten Fahrer und Beifahrer samt Lkw unbeschadet - was keineswegs selbstverständlich ist - nach Hamburg zurück. Herr Matutat, der den Lastwagen selbst gefahren hatte, berichtete mir in einem Telefonat über die Freude, die die Hilfsmittelaktion bei den Blinden in Bukarest ausgelöst habe. Gleichzeitig gab er aber auch seiner Betroffenheit Ausdruck, über die Art und Weise, wie die Blinden vor Ort "hausen". Man könne sich kaum eine Vorstellung von der Not machen.
Er bat mich daher, auch zukünftig vergleichbare Hilfsmittelaktionen zu koordinieren und den beteiligten Verbänden und Organisationen für die geleistete Unterstützung zu danken. (Eine in Rumänien abgestempelte Liste der ausgelieferten Hilfsmittel wurde inzwischen dem DBV zugeleitet.)
Aufgrund des vorgenannten Sachverhaltes wäre es zu begrüßen, wenn Leser dieser Zeitschrift auch zukünftig alte und/oder defekte Blindenschreibmaschinen, Schwarzschriftschreibmaschinen, Kassettenrekorder und Blindenstöcke (möglichst faltbar) für weitere Aktionen zur Verfügung stellen könnten. Eine neue Hilfsmittelsendung wird allerdings frühestens in einem Jahr erfolgen können, da ein entsprechend langer Vorlauf benötigt wird, um eingehende Geräte zu reparieren, ggf. notwendige Ersatzteile herzustellen oder zu beschaffen.
Bereits heute stehen für die nächste Sendung einige Geräte einsatzbereit. Ich möchte daher auf diesem Wege allen, die geholfen haben, ganz herzlich für ihre Unterstützung danken.
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