



Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:
Kriegsblinder wegen Widerstandes gegen Nazis geehrt Mit elf Jahren bäumte sich Hubert Roos 1937 unter dem Nazi-Regime gegen das Verbot der katholischen Jugendbewegung auf, brachte heimlich verfolgten jüdischen und kommunistischen Familien in Frankfurt Lebensmittel, kundschaftete für einen katholischen Pfarrer und späteren Prälaten das Geschehen vor dem Gestapo-Gefängnis aus und verteilte Hirtenbriefe. 1943, mit seinen Schulkameraden als Luftwaffenhelfer in einer Flakbatterie in Hofheim am Taunus eingesetzt, schrieb Roos von Hand regimekritische Hirtenbriefe des Bischofs Graf Gahlen von Münster ab und verteilte diese Kopien nicht nur an Mitschüler in der eigenen Klasse.
Für diesen Widerstand erhielt Hubert Roos, der 1944 als Soldat eingezogen wurde und im April 1945 bei einer Tretminenexplosion im Ruhrgebiet das Augenlicht verlor, am Samstag zusammen mit 31 anderen Frauen und Männern die "Johanna-Kirchner-Medaille" der Stadt Frankfurt. "In Würdigung beispielhaften Widerstandes gegen die Nazidiktatur, der Maßstäbe für nachfolgende Generationen gesetzt hat, ist diese Medaille verliehen", lautet die Urkunde, die an die aus Frankfurt stammende und 1944 hingerichtete Widerstandskämpferin Johanna Kirchner erinnern soll.
Roos habe nicht nur mit seinem Verhalten in der NS-Zeit, sondern auch als Kriegsblinder danach beispielhafte Maßstäbe gesetzt, erklären übereinstimmend seine Berufskollegen und jene, mit denen er in nationalen und internationalen Wohlfahrtsorganisationen zusammengearbeitet hat. Als Kriegsblinder lernte Roos rasch Blindenschrift und das Schreiben auf der normalen Schreibmaschine, studierte und promovierte mit Auszeichnung Rechtswissenschaft und arbeitete von 1953 bis Ende 1985 als Jurist bei der Stadtverwaltung, wo er zwei Jahre lang das Rechtsamt kommissarisch leitete. Daneben hielt er Vorlesungen an der Universität und bildete viele Nachwuchskräfte des Öffentlichen Dienstes aus.
Ehrenamtlich leitet Roos den Bezirksverband Frankfurt des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands, war lange Jahre Präsident der Internationalen Katholischen Blindenbewegung, ist heute deren Vizepräsident und Vorsitzender des Deutschen Katholischen Blindenwerkes. Nur eine Enttäuschung kann er nicht verwinden: Als er Leiter des Rechtsamtes werden wollte, attestierten ihm seine Vorgesetzten hervorragende Leistungen und zwei Jahre tadellose Arbeit als kommissarischer Leiter, wiesen aber seinen Wunsch mit der Begründung zurück, als Blinder könne er Pläne nicht lesen.
Zurück zum Inhalt von 2/1993 |horus im Überblick
Startseite
|
Kontakt
|
Impressum |
Hilfe