horus

Startseite > horus & Broschüren > 2/1993

horus & Broschüren

Suche

Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:

Suchbegriff:

Suchen in:


Hessische Ministerinnen in der Blindenstudienanstalt: Am 28. Oktober 1992 besuchte die Hessische Ministerin für Frauen, Arbeit und Sozialordnung, Frau Prof. Heide Pfarr, die Deutsche Blindenstudienanstal

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Kurt Neubert stellte der Direktor der Einrichtung Jürgen Hertlein die verschiedenen Arbeitsbereiche der Institution vor. Er ging hier besonders auf die schulischen, sozialpädagogischen und rehabilitativen Möglichkeiten für blinde und Sehbehinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein und machte deutlich, daß pädagogische Arbeit steter fachlicher, baulicher und ausstattungsmäßiger Weiterentwicklung bedarf, um den Anschluß an die Entwicklungen im allgemeinen Bildungswesen zu halten. Qualität der schulischen Ausbildung ist Voraussetzung für die spätere berufliche Eingliederung. Im baulichen und Hilfsmittelbereich besteht großer Bedarf. Dringlich erforderlich ist insbesondere die heute in der Blindenbildung nicht mehr wegzudenkende Ausstattung mit blinden- bzw. sehbehindertengerechten EDV-Geräten. Die Räumlichkeiten im naturwissenschaftlichen Bereich der Carl-Strehl-Schule entsprechen seit langem nicht mehr dem heutigen Standard. Während eines Rundgangs durch die schulischen Teile der Einrichtung konnte sich die Ministerin über die zum Teil unzureichenden räumlichen Verhältnisse der Carl-Strehl-Schule ein Bild machen.

Bei einer Gesprächsrunde mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie Mitarbeitern der "Blindentechnischen Grundausbildung für Späterblindete" informierte sich die Ministerin über spezifische Probleme der Späterblindung.

Beim abschließenden Mittagessen im Speisesaal konnte sich Frau Ministerin Pfarr von der auch in diesem bereich notwendigen baulichen Umgestaltung Überzeugen.

Am 10. März 1993 kam die Hessische Ministerin für Finanzen, Frau Dr. Fugmann-Heesing in die Deutsche Blindenstudienanstalt. Begrüßt wurde sie vom Vorstandsvorsitzenden, Herrn Neubert, sowie weiteren Vorstandsmitgliedern. In die Arbeit der Deutschen Blindenstudienanstalt führte deren Direktor Jürgen Hertlein ein.

Der Informationsbesuch galt der Situation der Carl-Strehl-Schule, deren Unterrichtsmöglichkeiten nicht mehr dem an eine moderne Schule anzulegenden Standard entsprechen; um die blindenbezogene pädagogische Arbeit der CSS auch in Zukunft gewährleisten zu können, sind Investitionen unumgänglich, wie Herr Neubert ausführte, vor allem im Hinblick auf den naturwissenschaftlichen Unterrichtsbereich.

Ebenso intensiv und aufgeschlossen informierte sich Frau Dr. Fugmann-Heesing im Verlauf der Besichtigung "vor ort" über die Abteilung "Medienversorgung" und die immer schwieriger werdende Lage beim Entsprechen der Versorgungsaufgabe gegenüber Blinden in Aus-, Fort- und Weiterbildung, bei (beruflicher) Rehabilitation sowie beim Informationszugang im allgemeinen.

Die Bibliotheken der Deutschen Blindenstudienanstalt sind im einzelnen die Braillebücherei (die Keimzelle und erste Gründung der Deutschen Blindenstudienanstalt), die Hörbücherei für aufgesprochene Literatur und die Fachbibliothek zum Blindenwesen. Alle drei vermitteln vorrangig und als einzige in Deutschland wissenschaftliche und Fachliteratur in blindengerechter Form.

Naturgemäß interessierte sich die Finanzministerin vorrangig für die Kostenseite der Arbeit. Hier wies der Direktor der Deutschen Blindenstudienanstalt darauf hin, daß eine soziale Versorgungsaufgabe nicht kostenneutral erledigt werden kann. Zurückgehende Zuschüsse führen zwangsläufig zu einem Rückgang der Dienstleistungen, was hier ausschließlich Behinderte, also eine sowieso benachteiligte Gruppe trifft. Herr Hertlein betonte, daß die Deutsche Blindenstudienanstalt alle Sparmöglichkeiten ausschöpft und jede Kostenverlagerung sorgfältig prüft.

Herr Rainer F. V. Witte, Abteilungsleiter "Medienversorgung", wies auf die Einschränkungen der postalischen Dienste hin, die der Deutschen Blindenstudienanstalt neuerdings Kosten verursachen. Auch urheberrechtliche Fragen, wie die bislang kostenlos gewährte Aufsprachegenehmigung, könnten bei Änderung dieser Praxis zusätzliche Ausgaben herbeiführen. Von einer Änderung des deutschen und der Harmonisierung des europäischen Urheberrechts erhoffen sich die Blindenbibliotheken eine Absicherung ihrer Arbeit durch entsprechende Kostenbefreiung.

Das Bild der Medienarbeit der Institution rundete ein Besuch der Braille-Druckerei in Wehrda ab, wo vor allem Schulbücher in der tastbaren Blindenschrift hergestellt werden und Gesetzestexte für die große Gruppe der im Beruf stehenden Juristen.

Die Ministerin war beeindruckt von der vielfältigen Arbeit der Deutschen Blindenstudienanstalt. Vorstand und Geschäftsleitung hoffen, daß bei künftigen Finanzverhandlungen in Wiesbaden der hier gewonnene Eindruck die Entscheidungen positiv beeinflussen wird.

Zurück zum Inhalt von 2/1993 |horus im Überblick

[Startseite]  Startseite  | [Kontakt]  Kontakt  | [Impressum]  Impressum | [Hilfe]  Hilfe