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Zum Leben und Wirken Otto Weidts Otto Weidt, von den zwanziger Jahren bis nach dem Kriege Besitzer der Bürstenfabrik im zweiten Hof der Rosenthaler Straße 39, war ein ungewöhnlicher Mensch, der es verdient hat, nicht vergessen zu werden. Er war unangepaßt und verachtete jegliche Feigheit, nutzte sie aber für seine Zwecke, er war schlau und auf seinen Vorteil bedacht, am Ende aber gab er alles, was er besaß, um anderen zu helfen. 56 jüdischen Menschen hat der geholfen, hat sie versteckt, ihnen Ausweise und Lebensmittel besorgt, hat für sie die Gestapo und das Arbeitsamt für Juden bestochen. 27 seiner Schützlinge überlebten.
Otto Weidt, 1883 geboren, kam aus kleinen Verhältnissen. Von Beruf war er Tapezierer, versuchte sich aber schon früh als Unternehmer. Er nannte sich einen deutschen Patrioten und er haßte den Krieg. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, beschäftigte er in seiner Fabrik demonstrativ Arbeiter aus dem jüdischen Blindenheim in der Wrangelstraße. Mehrmals versuchte er, diese hilflosen Menschen vor der Deportation zu bewahren, einmal gelang es ihm sogar, eine Gruppe blinder Bürstenbinder aus dem Sammellager in der Großen Hamburger Straße zurückzuholen. In der Brückenstraße und der Großbeerenstraße hatte er Lagerräume gemietet, in denen sich ganze Familien versteckt hielten. Die meisten der Versteckten wurden durch Verrat aufgespürt und mußten den Weg nach Theresienstadt oder Auschwitz gehen. Nur die junge Alice Licht, die bei Weidt im Büro gearbeitet hatte, floh mit Weidts Hilfe aus Auschwitz. Sie saß im Frühjahr 1943 mit den Nachbarinnen der Rosenthaler Straße 39 im Luftschutzkeller. Keine hat sie verraten. Weidt hatte vielfältige Verbindungen, unter anderem zu den Polizisten des Reviers 16 und zu dem Arzt Gustav Held, die ihm halfen.
Nach dem Krieg war Otto Weidt selbst krank und verbittert über den Tod so vieler Menschen, die er gekannt hatte. Er sammelte Geld und Kleider, gab den Rest seines Vermögens, um für 32 alte Menschen und 31 Kinder, die aus den Lagern zurückgekommen waren, ein Zuhause zu schaffen. Das Heim in Niederschönhausen, das noch heute der Jüdischen Gemeinde gehört, wurde durch Otto Weidt wieder aufgebaut. Er schrieb Briefe, unter anderem an die Zeitschrift "Aufbau" in New York und machte auf die Not der geretteten Juden aufmerksam. Und er war es auch, der schon 1947 ein Mahnmal forderte, das auf einem öffentlichen Platz Berlins für die Millionen gemordeten Juden entstehen sollte.
Otto Weidt starb 1947. Jahrzehntelang erinnerten sich nur einige Nachbarn an ihn und die Menschen, denen er geholfen hatte, zu überleben.
Die Schriftstellerin Inge Deutschkron schrieb in ihrer bewegenden Biographie "Ich trug den gelben Stern" über ihn; und im Stück des "Grips Theaters" "Ab heute heißt Du Sarah" kommt er vor.
Es ist an der Zeit, daß man auch dort, wo er gelebt hat, in Berlin-Mitte, an Otto Weidt erinnert.
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