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A. Bach: Märchen von einer, die auszog, das Segeln zu lernen - eine Bildergeschichte

Leise flattert das weiße Segel im sachten Wind. Sein Takt ist fast nicht zu unterscheiden vom Flügelschlag einer Möwe, die uns wie zufällig im spielerischen Flug folgt. Der Bug unseres Schiffes schneidet eine Bahn aus dem unfaßbaren Blau des Sees und läßt sein Wasser schlürfend an uns vorüberziehen. Von der nahen Stadt hören wir das sonntägliche Geläut der Kirche, das von den dahinter ansteigenden Bergen weit auf den See hinausgetragen wird. Über Nacht sind ihre weißen Zuckergipfel angewachsen, und wie zum Kampf gegen diese bereit, glänzen sie der warmen Septembersonne entgegen.

Ja, ich gebe es zu: Das ist der Stoff, aus dem die Kitschfilme sind. So schön, daß man davon nicht genug bekommen kann, und so perfekt, daß man daran nicht glauben kann. Und doch! So ist es gewesen! - Nun ja, es war nicht nur so. Es gab auch Tage, an denen der Himmel sich buchstäblich ausschüttete vor Lachen über uns. Aber dafür straffte der Wind unsere Segel mit Macht! Da wurde dann jede Hand gebraucht. Auch die ungeübte, steif vor Kälte, Nässe und Aufregung, umklammerte sie die Fockschot, die Pinne oder auch Halt suchend die Reeling.

Der Titel dieses wild romantischen Gemäldes könnte etwa lauten: "Impressionen eines Bodense(e)glers" Das wäre durchaus zutreffend, doch so "verdichtet", daß uns die Message nicht erreicht. Mit anderen Worten: Wir wissen einfach nicht, was das Ganze soll. Gut! Fügen wir also einige Pinselstriche hinzu. Gerade so viele, daß wir ein klares Bild bekommen und doch wiederum so wenige, daß im Betrachter der Wunsch nach eigenem Entdecken, gar eigenem Erleben reifen kann.

Ort und Zeit des Szenarios sind bereits zutreffend gezeichnet. Es handelt sich bei diesem postkartenblauen Gewässer tatsächlich um den Bodensee. Dieser änderte auch wirklich durch das unglaublich wechselhafte Wetter in den ersten Septembertagen nahezu täglich sein Gesicht. Welches Schiff auf dem Bild zu sehen ist, vermag ich nicht zu sagen. Es kann eine der beiden Jollen sein, aber das ist eher unwahrscheinlich, denn darauf fänden kaum mehr als drei, vier Leute Platz, Vielleicht ist es die Yacht- - Nein, wohl auch nicht, denn bei Regenwetter verschwindet da doch jeder, der nicht unbedingt gebraucht wird, in der Kajüte. So wird es dann das Prachtstück, der Zweimastkutter sein. "Courage" haben sie ihn getauft. Wohl zurecht. Denn hier stimmt die alte Geschichte mit dem Nomen und Omen. Denn Mut haben sie alle. Zuerst die Leute, die vor zehn Jahren den Verein "Die Schiffergilde" gegründet haben. Seither kurven sie auf ihren teuren Booten mit oft nur einem ausgebildeten Skipper an Bord zwischen Bregenz und dem deutschen Bodenseeufer herum. Wer nicht versteht, warum es dazu besonderen Mutes bedarf, der schaue sich die Crew einmal genauer an. Diese besteht großenteils nicht nur aus Segellaien. Diese Freizeitkapitäne und - kapitäninnen (falls es das überhaupt gibt) verbindet nicht nur das Handicap ihrer Unkundigkeit in Sachen Seefahrt. Da kommt hinzu, daß der eine nicht sehen kann, dem oder der anderen fehlt ein Arm oder Bein; oder es sind solche, die einfach an ihrem Schicksal schwer tragen. Solche sind es also, die hier mit den Leuten von der Schiffergilde den ganzen Sommer über in Zwei-Wochen-Kursen Theorie und Praxis des Segelns und ein erfülltes Miteinander erleben. Ich weiß jetzt ein Gaffelsegel von einem Focksegel zu unterscheiden. Ich weiß jetzt, wie man vor dem Wind kreuzt, und ein paar meiner Knoten halten schon stürmischer See und kritischer Betrachtung stand. Ich habe gelernt, wie nützlich die Wanten nicht nur für das Schiff sind. Ich habe erfahren, wie wichtig interessante Gespräche bei Flaute sind und wie tröstend die Nähe der anderen bei Sturm.

Viele, viele Farbkleckse gehörten noch auf dieses Bild, um es zu vervollständigen. Ach was, ein ganzer Bilderzyklus stünde der Sache wohl an. Aber nein! Geht hin und sehet und erlebet selbst! Jeden Sommer von Juni bis September am Bodensee.

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