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H. Junker: Dritter Schülerinnen- und Schüleraustausch mit der Musikoberschule in Krakau

In diesem Jahr fand der erste Teil des Dritten Schülerinnen- und Schüleraustausches zwischen der Carl-Strehl-Schule Marburg (CSS) und der Musikoberschule für Blinde und Sehbehinderte in Krakau statt.

Die Marburger Gruppe, die aus zwei Schülerinnen, sieben Schülern der Klasse 11 d und fünf Betreuern bestand, fuhr per Bahn am 26. April 1993 über Frankfurt, Dresden, Görlitz, Breslau und Kattowitz nach Krakau, wo man am 27. April abends ankam. Die Krakauer Partnerklasse, die 3. Klasse der Musikoberschule, empfing ihre Marburger Gäste am Krakauer Hauptbahnhof und war beim Transport des Gepäcks sowie der mitgebrachten Geschenke behilflich.

Das Kollegium der CSS, die Erzieher/innenvollversammlung sowie der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) spendeten der Krakauer Schule in diesem Jahr einen "Marburg-Globus" sowie Reliefkarten für den Erdkunde-, Geschichts- und Politikunterricht. Zur Überraschung aller Marburger wurde nach dem Beziehen der Unterkünfte im Internatstrakt der Krakauer Schule ein Grillfest unter den bereits voll belaubten Bäumen des Gartens gefeiert. Musikalisch eröffnet wurde der Abend mit einem kleinen Konzert einer erst kürzlich mit einem ersten Preis eines nationalen Musikwettbewerbes ausgezeichneten Instrumental- und Gesangsgruppe der Krakauer Schule, die polnische Volkslieder und populäre Musik darbot. Nach dem Grillschmaus schmolz das Eis dann endgültig beim gemeinsamen Singen von internationalen Pop- und Folkloresongs.

Zakopane, der bekannteste Wintersportort in Polen, war das Ausflugsziel der Schülerinnen und Schüler am 28. April 1993. Bei wolkenlosem Himmel konnte man das herrliche Hochgebirgspanorama genießen. Eine Fahrt mit einer Zahnradbahn brachte die Besucher in ein Mittelgebirgsniveau oberhalb der Stadt. Ein Stadtbummel mit der Möglichkeit zum Einkauf schloß sich an.

Die Besichtigung der Schule und der Besuch von Unterrichtsveranstaltungen füllte den Vormittag des 29. April aus. Bei dieser Gelegenheit wurden den Marburger Besuchern die neu eingerichteten Unterrichtsräume des EDV-Bereichs sowie des Tonstudios vorgestellt.

Das Königsschloß Wawel öffnete am Nachmittag für die Marburger/innen seine Pforten. Am Abend schloß ein gemeinsamer Disco-Besuch den Tag ab.

Das weltbekannte Salzbergwerk von Wieliczka wurde am 30. April besichtigt. 130 Meter unter Tage bewunderte man die mit Salzkristallen, Stalagmiten und Stalaktiten reich verzierten Stollen und Dome, die gewaltige Kirche mit den Salzkristalleuchtern und den Wandreliefs sowie die Museumsräume dieses einzigartigen Touristenziels.

Am Nachmittag wurde die Altstadt Krakaus, eines von 16 "Denkmälern der Menschheit", besichtigt mit dem größten Marktplatz Europas, den Tuchhallen und der Marienkirche mit dem Hochaltar von Veit Stoß.

Den 1. und 2. Mai verbrachte die Marburger Gruppe in Oswiecim, wo sie die Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager von Auschwitz und Birkenau besuchte. Am Abend des 1. Mai hatten die Marburger Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, Frau Pohorecka, eine ehemalige Häftlingsfrau von Birkenau, über ihre Zeit in der größten Mordstätte der Menschheit zu befragen. Die beiden Tage in Auschwitz, die intensiv im Unterricht vorbereitet wurden, gehörten zu den bewegendsten Eindrücken der Polenfahrt.

Am Nachmittag des 2. Mai waren die Marburger Zeugen eines Platzkonzertes auf dem Krakauer Marktplatz. Viele Schülermusikgruppen Krakaus, unter ihnen auch die Gesangs- und Instrumentalgruppe sowie eine Rockband der Blindenschule Krakau, unterhielten Hunderte Besucher an diesem warmen und sonnigen Nachmittag. Das Konzert wurde von dem lokalen Rundfunk live übertragen. Der Tag klang mit einem Besuch des Café Michalska, dem wohl bekanntesten Kaffeehaus Krakaus, aus.

In Krakau lebten 1939 70.000 Menschen jüdischen Glaubens. Die meisten von ihnen in dem hinter dem Wawel-Schloß gelegenen Stadtteil Kasimierz. Heute sind von ihnen nur noch 70 - überwiegend alte Menschen - übriggeblieben: Überlebende des Holocausts. Zwei von ihnen traf man am Vormittag des 3. Mai an dem ältesten jüdischen Gotteshaus Polens, der Remursynagoge. Direkt davor parkte ein Wagen des Filmteams von Steven Spielberg, der gerade vor Ort und in Auschwitz an Originalschauplätzen einen Spielfilm ("Schindlers Trick") über einen deutschen Fabrikanten namens Schindler drehte, der 1000 Juden vor dem Mord in Auschwitz rettete.

Am Nachmittag fand ein Fußballspiel zwischen Marburg und Krakau statt, das die spielstarken Gastgeber nach fairem Wettkampf mit 7:6 für sich entscheiden konnten. Gemeinsame Gespräche und Musik bildeten den Abschluß dieses Tages.

Am Dienstag mittag hieß es von den Krakauern Abschied nehmen. Eine ereignisreiche Woche war zu Ende gegangen. Herrlichster Sonnenschein hatte alle verwöhnt. Die herzliche Gastfreundschaft der Krakauer hat auf die Marburger Gruppe einen tiefen Eindruck hinterlassen. Allzu traurig brauchte niemand zu sein, denn die Krakauer Freundinnen und Freunde sieht man ja am 16. Mai 1993 wieder - in Marburg nämlich, wenn der Gegenbesuch der Krakauer Patenklasse stattfindet.

Wohlbehalten erreichten die Marburger Krakau-Besucher am Vormittag des 5. Mai den Marburger Hauptbahnhof.

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