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Bei der Sitzung des Fachausschusses für Informationstechnik am 15. Mai zeigten mehrere Firmen den Stand ihrer Entwicklungsarbeiten, um graphische Benutzeroberflächen (insbesondere MS-WINDOWS) blinden und sehbehinderten Computeranwendern zugänglich zu machen, und stellten die zum Teil sehr unterschiedlichen Konzepte auch in Vorträgen vor (siehe hierzu auch den in der Rubrik "Hilfsmittel" erscheinenden Bericht).
Leider verstieg sich der Vertreter der Firma Frank Audiodata, die selbst ihre Entwicklungsarbeiten nicht demonstrierte, zu einer Bemerkung, die gerade angesichts der derzeitigen innenpolitischen Situation in Deutschland nicht einfach hingenommen werden sollte.
Herr Frank erklärte in seinem Vortrag, er sei hinsichtlich der Möglichkeiten der Nutzung graphischer Benutzeroberflächen durch Blinde und Sehbehinderte so skeptisch, daß er sich frage, ob derartige Entwicklungen, die vermutlich nur einem sehr kleinen Anwenderkreis zugutekämen, künftig überhaupt noch finanzierbar seien. Seines Erachtens sollte vielmehr die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, jedem blinden/sehbehinderten, der derartige Programme nutzen müsse, einen "Bildschirmassistenten" zur Seite zu stellen. Dies könne z. B. durch Beschäftigung von Menschen aus GUS-Staaten zu monatlich DM 200,- (in Worten: zweihundert) geschehen.
Selbst wenn man daran zweifelt, ob es sich bei dieser Äußerung tatsächlich um echte Ausländerfeindlichkeit handelt und nicht vielmehr um eine Schutzbehauptung angesichts des von seinen Wettbewerbern demonstrierten Entwicklungsstandes, ist die Äußerung zumindest aber diskriminierend und - nicht zuletzt angesichts des genannten Monatslohns - menschenverachtend.
Herr Frank wurde inzwischen schriftlich gebeten, künftig Äußerungen dieser Art zu unterlassen. Ich bitte darüber hinaus alle Vorsitzenden von Fachausschüssen, darauf zu achten, daß sich derartige Vorkommnisse nicht wiederholen bzw. der Redner zur Rücknahme solcher Äußerungen veranlaßt wird. Es kann nicht sein, daß sich Behindertenverbände in Pressemitteilungen über Diskriminierung und zunehmende Gewaltanwendung gegenüber ihrer Klientel beklagen, selbst aber Äußerungen dieser Art zulassen.
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