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A. Trublereau: Selbstverteidigungstraining für blinde und sehbehinderte Frauen in Baden

Wegen der Zunahme von Gewalt gegen Behinderte hatte Dr. Schulze bei der letzten Bezirksversammlung des DVBS ein solches Training angeregt. Da es großes Interesse fand, organisierte er es im Rahmen des Evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienstes Baden e.V., den er gleichfalls leitet. Finanziell unterstützt wurde er dabei vom internationalen Frauenclub Karlsruhe mit 800 DM und von der Stadt Karlsruhe mit 600 DM, so daß wir vierzehn Teilnehmerinnen nur je 40 DM zu zahlen brauchten.

Das Training fand im Schwimm- und Sportclub Karlsruhe e.V. am 18. und 19.09.1993 unter der bewährten Leitung der amerikanischen Lehrerin Sunny Graff statt. Jede von uns hatte eine sehende Assistentin, die die Selbstverteidigungstechniken bereits beherrschte.

Nach einer allgemeinen Aufwärmphase machte Frau Graff die Teilnehmerinnen nicht nur auf typische Verhaltensweisen von Frauen aufmerksam, sondern zeigte uns auch, unsere körperlichen und seelischen Energien zu erkennen, zu mobilisieren und einzusetzen. Mrs. Graff war insbesondere daran gelegen, uns für direkte und indirekte Versuche von männlicher "Anmache" zu sensibilisieren, damit wir eine mögliche Gewalttat schon in ihren Anfängen erkennen und ihr ausweichen könnten. Die eigentlichen Techniken der Selbstverteidigung, die wir trotzdem erlernt haben, von denen wir aber hoffen, sie nie anwenden zu müssen, lassen sich nur schwer beschreiben. Darauf verzichte ich deshalb.

Die Reaktionen der Teilnehmerinnen nach dem Training waren durchweg positiv. Hervorgehoben wurden höheres Selbstwertgefühl, gesteigertes Selbstbewußtsein und größere Selbstsicherheit. Gelobt wurden die Kenntnisse der Assistentinnen und der Umstand, daß jede von uns eine eigene Assistentin hatte. Dadurch war individuelles Veranschaulichen und nochmaliges Erklären möglich. Hatten zunächst Zweifel bestanden, ob das Training auch für Blinde geeignet sei, so wurde hinterher festgestellt: Wird gut erklärt und gezeigt, dann ist es auch blinden Frauen möglich, Selbstverteidigungstechniken zu erlernen und notfalls anzuwenden.

Wir wünschten uns eine Wiederholung des Trainings. Wir sind im übrigen der Meinung, daß es für jedes Mädchen und jede Frau, behindert oder nicht, wichtig und empfehlenswert ist.

Natürlich bewahrt uns das Training nicht davor, angegriffen zu werden. Es stärkt aber das Bewußtsein, daß "Frau" sich wehren und verteidigen kann und einem Mann nicht wehrlos ausgeliefert ist.

Unser Dank gilt dem Evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienst Baden e.V., der das Training ermöglicht hat, sowie dem Internationalen Frauenclub und der Stadt Karlsruhe für ihre finanzielle Unterstützung.

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