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Zum Ende des Sommersemesters 1993 verabschiedete die Universität Dortmund Herrn Dr. Werner Boldt, ordentlicher Professor für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik im Fachbereich 13 "Sondererziehung und Rehabilitation".
Werner Boldt ist Jahrgang 1928. Er absolvierte verschiedene Lehramtsstudiengänge und war dann als Lehrer an Regelschulen, an der Blindenschule und im Reha-Bereich bei Sehgeschädigten tätig. Nach einem Promotionsstudium in Erziehungswissenschaft, Philosophie und Psychologie in Köln und Münster war er zunächst Wissenschaftlicher Assistent in Münster, bis er im Jahre 1964 an der Pädagogischen Hochschule Ruhr - in der Abteilung für Heilpädagogik - Dozent wurde. Nach der Verschmelzung von Pädagogischen Hochschulen und Universitäten in Nordrhein- Westfalen wurde diese Abteilung zum Fachbereich 13 "Sondererziehung und Rehabilitation" der Universität Dortmund.
Werner Boldt baute in dieser "Abteilung für Heilpädagogik" das "Seminar für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik" auf und wurde 1968 zum ersten ordentlichen Professor für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik im deutschsprachigen Bereich berufen. Schon ein Jahr später wählte ihn die Abteilung zu ihrem Dekan. W. Boldt genoß bald internationales Ansehen. Eine besondere Auszeichnung war die Berufung zum Gastprofessor an die Erziehungswissenschaftliche Universität in Tokio im Jahre 1971. Es folgten Lehr- und Beratungsaufgaben in Indien und Nepal (1977/78) und in Bahrain (1981).
Schon als Lehrer war es W. Boldt in besonderer Weise ein Anliegen, die Informations- und Kommunikationserschwerung, die Blindheit mit sich bringt, auszugleichen: Boldt gehörte zu den ersten Sehgeschädigtenpädagogen, die blinde Schülerinnen und Schüler im Amateurfunk unterrichteten. An der Hochschule machte er den Bereich "Rehabilitationstechnologie" erst recht zu einem seiner Arbeitsschwerpunkte. Bereits 1972 baute W. Boldt die Arbeitsstelle für Sonderpädagogische Technologie und Rehabilitationshilfen auf. In diese Zeit fällt die Entwicklung des Braillex-Systems. Dies war das erste Gerät in der Welt, das Braille digitalisierte. Als "elektronischer Privatsekretär" wurde dieses System zum Speichern und Abrufen von Informationen wie Telefonnummern, Anschriften, geschäftlichen Daten, Lexikon- Informationen etc. in der beruflichen Praxis Blinder sehr geschätzt. Das Braillex konnte auch als Lehrmedium für programmierten Unterricht eingesetzt werden. So wurden am Lehrstuhl von W. Boldt und seinen Mitarbeitern programmierte Kurse zum Erlernen der Blindenschrift entwickelt und erfolgreich eingesetzt. Ein Prototyp des Gerätes befindet sich in der Sammlung des Deutschen Museums in München. Der Deutsche Blindenverband ehrte W. Boldt 1979 für seine Erfindung mit der Verleihung des Louis-Braille-Preises, der alle vier Jahre an Persönlichkeiten vergeben wird, die sich in besonderer Weise um die Rehabilitation Blinder verdient gemacht haben.
Untersuchungen zu Problemen der Bildschirmtext-Nutzung für Blinde im Rahmen des Feldversuchs der Deutschen Bundespost im Raum Düsseldorf/Neuss inspirierten den Erfinder W. Boldt zu entscheidenden Verbesserungen am bisherigen Braille-Display- System für Bildschirmwiedergabe. Für die blindengemäße Adaptation der graphischen Benutzeroberfläche war seine Erfindung einer zusätzlichen Anzeige der Bildschirmstruktur unter Verwendung des 8-Punkte-Braille-Moduls eine ganz wesentliche Wegbereitung.
Seit 1985 war W. Boldt in verschiedenen Projektgruppen der Europäischen Gemeinschaft tätig, in denen seine Kompetenz als Rehabilitationsfachmann gefragt war.
Im Auftrag des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen war er als Fachmann im Bereich der sonderpädagogischen Technologie für die Begleitforschung zum Modellversuch MOFIBS ("Moderne Kommunikationstechnologien bei der integrativen Förderung blinder und hochgradig sehbehinderter Schüler") zuständig.
Der Fachwelt ist Prof.Dr. Boldt durch zahlreiche Fachartikel und Vorträge bekannt, die grundlegend waren und immer noch richtungsweisend sind. Ein noch vor seiner Emeritierung begonnenes Projekt möchte W. Boldt noch von seinem neuen Wohnort Teneriffa aus realisieren: zusammen mit der ONCE plant er, die integrative Beschulung sehgeschädigter Kinder auf den Kanarischen Inseln mit Hilfe des Einsatzes moderner Kommunikationselektronik zu verbessern.
Aus Anlaß seiner Emeritierung hat W. Boldt eine Schrift veröffentlicht, die ausgewählte Fachartikel in drei Themenkreisen zusammenfaßt. Diese Schrift hat den Titel "Fortschritt und Hinschritt" und ist im Verlag "edition Bentheim Würzburg" erschienen.
Die Schrift enthält ein Gesamtverzeichnis aller Publikationen von W. Boldt, ein Spiegelbild seiner Tätigkeit in den vielfältigen Rollen als Lehrer, Hochschullehrer, Forscher, Rehabilitationsfachmann, Erfinder elektronischer Rehabilitationshilfen, Autor, Referent, Leiter, Koordinator und Mitarbeiter in Institutionen und Gremien auf nationaler und internationaler Ebene.
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