



Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:
Besprechung einer Diplomarbeit von K. Daur
Zum Abschluß ihres Diplomstudiengangs Musikerziehung am Fachbereich 8 - Musikerziehung und Musikwissenschaft - an der Hochschule der Künste Berlin legte K. Daur die hier grob skizzierte Arbeit vor. Sie setzt sich darin mit der Frage auseinander, ob und inwiefern sich Rhythmik zur Förderung blinder Menschen eignet. Der grundlegende Beitrag klärt folgende Fragen:
- Was bedeutet Rhythmik-
- Was bedeutet Blindheit-
- Auf welchen Gebieten benötigen blinde Menschen Förderung-
- Wie kann die Rhythmik dazu beitragen-
Rhythmik ist ein Unterrichtsfach und -prinzip. Sie umfaßt als ganzheitliche Erziehung Lernprozesse im motorischen, kognitiven und effektiven Bereich. Sie verfolgt Ziele auf den Gebieten der Musikerziehung, der Bewegungserziehung und der allgemeinen Erziehung, darunter vor allem Wahrnehmungsschulung und Sozialerziehung. Als integrierte Musik- und Bewegungserziehung nutzt sie die Zusammenhänge und Wechselwirkung von Musik und Bewegung. Weitere Mittel, die sie einsetzt, sind neben Musik und Bewegung Stimme und Materialien.
Die übersichtliche und sprachlich präzise Arbeit gliedert sich in einen theoretischen sowie einen praktischen Teil und schließt mit der Auswertung der Ergebnisse einer Fragebogenakton, die Frau Daur an allen Blindenschulen im Bundesgebiet durchführte. Auffallend ist die klare und gedanklich gradlinige Gliederung der Arbeit, die umsichtig und gründlich das Thema erörtert. Besonders eindrucksvoll ist der praktische Bezug ihrer theoretischen Vergleiche und Beobachtungen, den sie durch Hospitationen und eigene Unterrichtstätigkeit mit blinden Kindern knüpft.
Die Arbeit beginnt mit Begriffsbestimmungen, beschreibt die Folgen der Blindheit im motorischen, sozial-emotionalen und kognitiven Bereich. Die Autorin vergleicht alsdann die Ziele der Blindenpädagogik mit denen der Rhythmik und macht die Ähnlichkeit der Zielbestimmungen beider Bereiche deutlich. Sorgfältig ausgewertet ist die umfangreiche Literatur, die es zur Rhythmik und zur Blindenpädagogik gibt. Konkrete Vorschläge zur Hilfestellung in der Arbeit mit Blinden versucht sie durch eigene praktische Arbeit zu untermauern. Aus ihrem Fazit sei noch ein Auszug wiedergegeben:
"Blindheit bedeutet nicht allein Beeinträchtigung des Sehvermögens. Sie kann Folgen im motorischen, sozial-emotionalen und kognitiven Bereich nach sich ziehen. Daher umfaßt die Blindenpädagogik neben allgemeinen Erziehungszielen die Vermittlung blindenspezifischer Erkenntnisse sowie das Vorbeugen, Ausgleichen bzw. Abbauen der Folgen in den genannten Bereichen. Sie arbeitet auf eine Integration Blinder in die Gesellschaft hin." Hier liegt wohl die verblüffendste Ähnlichkeit der Zielbestimmungen, neue Forschungsergebnisse werden hier angedeutet und die gefundenen Ergebnisse werden überzeugend begründet.
Abschließend fordert die Autorin: Da Rhythmik positive Entwicklungen bei Blinden fördern kann, sollten Rhythmikerinnen und Rhythmiker an Blindenschulen angestellt werden. Hilfreich wäre die Zulassung zum Zusatzstudium Sonderpädagogik. Zwar können Blindenschulen zum Kernbereich der Schule gehörende Stellen nach fachlichen Gesichtspunkten besetzen, die Anstellung wäre jedoch erleichtert. In den Fächern Maschinenschreiben, Mobilitätserziehung und Blindenkurzschrift arbeiten bereits seit langem unter diesen Gegebenheiten eingestellte Lehrkräfte. Kunst- und Musiktherapeuten sowie Sozialpädagogen sind seit einiger Zeit ebenfalls an Blindenschulen beschäftigt.
Wer auf die Arbeit neugierig geworden ist, kann gegen Einsendung einer 3,5-Zoll-Diskette bei mir eine Kopie in Voll- oder Kurzschrift bekommen. Die Bibliotheken in Leipzig und Marburg werden ein Exemplar der Arbeit in Schwarz- und Punktschrift erhalten.
Zurück zum Inhalt von 1/1994 |horus im Überblick
Startseite
|
Kontakt
|
Impressum |
Hilfe