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Dr. H. W. Bach: Zukünftig gute Arbeitsmarktchancen für qualifizierte Arbeitnehmer

Es gibt keinen Grund, auf den individuell besten (beruflichen) Bildungsabschluß zu verzichten

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und die Prognos-AG haben vor kurzem eine vorläufige Strukturprojektion zum Arbeitskräftebedarf in Westdeutschland im Jahre 2010 vorgelegt. Dabei wird die Zahl der Arbeitsplätze für Hochschulabsolventen in den nächsten fünfzehn Jahren um 850.000 bis knapp 1,2 Mio zunehmen, je nachdem, welche Entwicklungstrends man unterstellt. Dies ist gegenüber 1991 eine Steigerung um 38 bis 52 %. Die Zahl der erwerbstätigen Hochschulabsolventen wird demnach von knapp 2,3 Mio. auf 3,1 bis 3,4 Mio. steigen. Den Universitätsabsolventen werden dann 11 bis 12 % aller Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, nach gut 8 % im Jahre 1991. Die Beschäftigung von Fachhochschulabsolventen könnte sich der Prognose zufolge um 440.000 bis 470.000 auf knapp 1,6 Mio. erhöhen. Ihr Anteil an allen Arbeitsplätzen wird damit von 4 % auf 5,6 bis 5,7 % wachsen. Ein noch höherer Bedarf an Fachhochschulabsolventen könnte sich ergeben, wenn sie noch stärker in die Meister- und Technikerebene oder auch in Bereiche vordringen, die bislang eine Domäne der Universitätsabsolventen waren (z. B. Berufsschullehrer, Juristen, Ingenieure und Betriebswirte).

Der Vorhersage zufolge wird der Bedarf an Meistern und Technikern bis 2010 um mehr als 400.000 wachsen. Ihr Anteil an allen Arbeitsplätzen liegt dann bei fast 10 %, verglichen mit 8,4 % im Jahre 1991. Die Zahl der Arbeitsplätze für Facharbeiter, Angestellte mit dem Abschluß einer betrieblichen Ausbildung oder einer Fachschule (z. B. Erzieher oder Krankenpflegepersonal) wird nach der Prognose um 1,2 bis 1,4 Mio. wachsen. Ihr Anteil an allen Arbeitsplätzen wird bis zum Jahre 2010 von 59 % auf 63% anwachsen. Lediglich der Bedarf an Arbeitskräften ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung wird sich bis zum Jahre 2010 weiterhin deutlich verringern. Nur noch 2,7 bis 2,8 Mio. Arbeitsplätze - halb soviel wie 1991 - und damit nur noch 10 % aller Arbeitsplätze, stehen den "Ungelernten" zur Verfügung.

Die Anforderungen von Wirtschaft und Verwaltung an die Qualifikation der Arbeitskräfte werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten voraussichtlich weiter zunehmen. Für den (zukünftigen) Erwerbstätigen bedeutet dies, daß er/sie keinesfalls auf Möglichkeiten der (beruflichen) Bildung verzichten sollte, daß vielmehr ein möglichst hoher formaler Bildungsabschluß gewissermaßen eine "Versicherung" gegenüber Arbeitsplatzrisiken darstellt. Durch höhere Qualifikation steigt die Konkurrenzfähigkeit der Erwerbspersonen.

Der steigende Bedarf an höheren Qualifikationen ist andererseits Spiegelbild der Notwendigkeiten unseres Landes, im internationalen Wettbewerb bestehen zu können durch das Angebot intelligenter Produkte und Dienstleistungen (blue chips), die anderswo nicht so ohne weiteres erzeugt werden können.

Die IAB-Prognos-Vorhersage geht weiterhin davon aus, daß sich die Entwicklung hin zu mehr Dienstleistungsberufen fortsetzt. Der Anteil der Produktionstätigkeit am gesamten Arbeitskräftebedarf wird von 33,4 % aus 28 % zurückgehen. Die primären Dienstleistungstätigkeiten - das sind Handel, Verkauf, Büroarbeiten, Bewirtung, Reinigung, Transport - werden sowohl nach ihrem Anteil bei rund 39 % wie auch absolut mit 11 Mio. Beschäftigten stagnieren. Eine Zunahme von 1,4 bis 1,6 Mio. Arbeitsplätzen sagt die Studie den sekundären Dienstleistungen voraus. Es handelt sich dabei um Tätigkeiten des Forschens, des Entwickelns, der Organisation, der Unternehmensführung des Sicherns, der Rechtsanwendung, des Ausbildens, des Beratens, des Informierens u. a. Ihr Anteil wird von 27 % 1991 aus 31,5 bis 32,4 % im Jahre 2010 angehoben.

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