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K. Dahesch: Viehzucht in ewiger Dunkelheit Blinder Landwirt kapituliert nicht vor seinem Schicksal

In der Werkstatt und im Kuhstall müssen alle Geräte exakt am vorgesehenen Platz sein, damit Franz Schön sie im wahrsten Sinne des Wortes "blind" finden kann. Vor sechs Jahren hat er durch einen Unfall - er fiel vom Heuboden - das Augenlicht verloren. Trotz diesem schweren Schicksalsschlag beschloß er nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, im erlernten Beruf weiterzuarbeiten. "Ich bin gelernter Landwirt, habe die Berufsfachschule besucht und war in der Fremdlehre", sagt der Vater zweier Mädchen. Heute bewirtschaftet er eine Fläche von 22 Hektar. Für Schön war nach der Erblindung das Füttern der Kühe ein Problem. Er löste es, indem er das Futter statt mit dem Traktor auf einem zweirädrigen Handwagen transportiert.

Morgens um sieben wirft er das Heu vom Heuboden durch den seit dem Unfall mit einem Gitter gesicherten Schacht in den Stall und füttert seine 20 Tiere. Dann mistet er den Stall aus und streut zwei- bis dreimal in der Woche Stroh.

Das Melken macht ihm keine Schwierigkeiten. Er muß es jedoch nur selten tun, weil ihm durch Mutterkuhhaltung die Kälber diese Arbeit abnehmen. Nach zehn Monaten läßt er die Kälber in Bad Tölz schlachten und vermarktet sie selber. Auch seine Maschinen wartet er größtenteils selbst. Das Schmieren und den Ölwechsel hat er im Griff.

In den Sommermonaten tastet sich Franz Schön mit einem weißen Langstock zu den einen halben Kilometer entfernten Weiden und kontrolliert Tiere und Zäune. Für sich und die anderen drei Bauern im Ort koordiniert er per Telephon die Termine für den Einsatz von Erntemaschinen, die gegenseitig ausgeliehen werden. In der 200-Seelen-Gemeinde hat man sich an den blinden Landwirt gewöhnt, dem sein Frau Antonia die Arbeit abnimmt, die das Sehen erfordern, zum Beispiel das Schlepperfahren.

"Ohne sie könnte ich all das nicht bewältigen", hebt er dankbar hervor. Seit 1993 betreut er ehrenamtlich als Kreisbeauftragter für den Bayerischen Blindenbund im Landkreis Miesbach Blinde und Sehbehinderte.

(aus: Süddeutsche Zeitung vom 17. Juni 1994, Seite 45)

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