



Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:
Es gibt zwei Arten von Nachtsichtgeräten: aktive Infrarot-Nachtsichtgeräte und passive Restlichtverstärker. Erstere arbeiten mit einem Infrarot-Scheinwerfer (unsichtbares Licht), hellen damit die Umgebung auf und geben im Nahbereich selbst bei völlig dunkler Nacht ein sehr helles Bild. Das reflektierte Infrarotlicht wird dazu von einem Bildwandler in sichtbares Licht gewandelt. Das ergibt einfache Geräte mit sehr hohem Stromverbrauch (Scheinwerfer mit 50 W sind üblich), begrenzter Sehweite und unhandlichem Format (Akku für Beleuchtung).
Restlichtverstärker arbeiten mit dem meist vorhandenen Streulicht von Ortschaften, Sternen und Mond. Sie benötigen daher keinen Scheinwerfer, haben einen sehr geringen Strombedarf und einen weiteren Sichtbereich. Dafür ist ihr Aufbau kompliziert. Bei völliger Dunkelheit versagen sie aber. Der Preis für beide Ausführungen lag meist bei DM 5.000 bis 30.000...
Preiswert: H3T1M"
Da macht das Nachtsichtgerät des Braunschweiger Versandhauses Völkner mit DM 798,- eine große Ausnahme. Dieses Gerät russischer Produktion zählt zur Gruppe der Restlichtverstärker und kommt somit ohne eigene Lichtquelle aus. Trotzdem ist im Griff zusätzlich eine unabhängige Laserleuchte eingebaut, die einen schmalen Lichtschlitz (Infrarot) ins Bild wirft. Auch dieser wird vom Restlichtverstärker in sichtbares Licht umgewandelt und ermöglicht den Betrieb in geschlossenen Gebäuden oder in absolut finsterer Nacht.
Durch das robuste Metallgehäuse ist das Gerät mit 1,6 kg schon etwas schwer, die Abmessungen entsprechen mit etwa 230 x 80 x 80 cbmm denen einer Videokamera, der knapp 110 mm lange Griff mit der Laserleuchte kann bei Bedarf angeschraubt werden. Zum Lieferumfang gehören eine Kunstledertasche und ein Tragegriff, die für die bequeme Handhabung nahezu unerläßlich sind.
Der Restlichtverstärker benötigt zum Betrieb eine 9-V-Batterie, durch Betätigen der sogenannten Triggertaste schwingt kurz ein Hochspannungswandler an und lädt einen Kondensator, der für die nächsten Minuten die notwendige Hochspannung bereithält. Ist er entladen, wird die Triggertaste erneut betätigt. Dieses Prinzip ermöglicht einen tagelangen (oder nächtelangen-) Betrieb des Nachtsichtgerätes mit einer Batterie. Für die Laserleuchte werden drei Mignonzellen benötigt. Sie wird mit einem separaten Kippschalter am Griff eingeschaltet.
Die Praxis
Nachtsichtgeräte sind eine faszinierende Sache: Im Dunklen sehen zu können, ohne gesehen zu werden, ermöglicht die vielfältigsten Anwendungen von Sicherheitsaufgaben bis zur Wildbeobachtung. Die Objektivschutzkappe soll und darf nur bei Dunkelheit oder in der Dämmerung abgenommen werden. Dann sieht man - nichts! Zumindest solange, bis die Triggertaste gedrückt wird. Dann erscheint ein grünliches Bild, das mit Objektiv auf die Entfernung und mit Okular an die eigene Sehschärfe angepaßt wird. So zeigt sich am Ende der Dämmerung ein taghelles Bild, bei sternenklarem Himmel ergibt sich ein Eindruck wie in der Dämmerung. Dunkle Wege usw. können mit der Laserleuchte auf etwa 30 m ausgeleuchtet werden.
Das Scharfstellen gelingt ab 1,5 m, Menschen lassen sich bis etwa 200 m (bei sternenklarer Nacht) gut erkennen, Landschaftskonturen auf etliche Kilometer. Der geringe Preis bringt als Kompromiß leider eine nicht ganz so gute Optik mit sich, was sich in Verzerrungen im Randbereich bemerkbar macht. Lichtquellen wie Straßenlampen, die am Rand stehen, überstrahlen das Bild. Sonst aber ist das Nachtsichtgerät H3T1M ein durchaus akzeptables Gerät; gerade bei der Verwendung mitten in der Natur gibt es ja keine störenden Lichtquellen. Für Fotofreunde liegt ein Adapterring bei, der leider nicht zu unserer Kamera paßte.
Technische Daten
Stromversorgung: 9-V-Block (Restlichtverstärker, 3 Mignonzellen (Laserleuchte)
Sehfeldwinkel: 15 Grad
Vergrößerung: 2,4fach
Okulareinstellbereich: +-5 Dioptrien
Aufnahme für Objektiv: M 42x1/45,5
Aufnahme für Okular: M 32x0,75
Abmessungen (nur Restlichtverstärker): 86 x64 x110 mm Zubehör: Adapterring, Tasche, Umhängeriemen
Das Nachtsichtgerät H3T1M ist unter der Bestellnummer 012-955-051 bei Völkner, Postfach 4743, 38095 Braunschweig erhältlich.
Wie funktioniert ein Nachtsichtgerät-
Ein Nachtsichtgerät besteht prinzipiell aus einem Objektiv, das das Bild auf den Bildwandler wirft, dem Bildwandler selbst und einem Okular zur Betrachtung des Bildes. Kernstück der Anordnung ist der Bildwandler, der bei Restlichtverstärkern auch Lichtverstärker heißt. Er besteht aus einer Photokathode (meist eine mit Selen o. ä. bedampfte Glasscheibe), auf die das Objektiv das Bild wirft. Das geringe Restlicht löst hier Elektronen aus, die durch eine elektrische Spannung zur Anode hin beschleunigt werden. Diese Anode ist zugleich ein Leuchtschirm, der durch die auftreffenden, schnellen Elektronen zum Leuchten angeregt wird. Durch die Beschleunigung der Elektronen und Konzentrierung auf der kleineren Anode kommt es zu einem Energiezuwachs, der sich in einem deutlich helleren Bild und der Umwandlung niederenergetischer Infrarotstrahlung in (hochenergetisches) sichtbares Licht ausdrückt.
Zurück zum Inhalt von 1/1995 |horus im Überblick
Startseite
|
Kontakt
|
Impressum |
Hilfe