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B. Bohnke: Marburger lösen einen Fall in Paris: "Weiblich, ledig, jung" - Abiturienten der Carl-Strehl-Schule verabschieden sich mit gelungenem Film

Marburg. Zum Ende ihrer Schullaufbahn beweisen sich junge Leute der Carl-Strehl-Schule als Schauspieler. Ihr Film heißt: "Weiblich, ledig, jung.."

Thomas Buntin hat es nicht leicht. Als Heiratsschwindler Rich Ravioli muß er sehen, wie er seine Haut retten kann. Denn drei Frauen, denen er übel mitgespielt hat, jagen ihn durch Paris.

Die quirlige Amerikanerin Nancy Miller (Simone Deese) ist dabei die treibende Kraft. Mechthild Magenbitter (Elke Averesch), von Rich Ravioli um einiges Geld gebracht, ist die zweite im Bunde. Und in der Französin Angelique du Bois (Sabine Steffen) finden die zwei Frauen im Zug nach Paris eine weitere Verbündete. Und was für eine. Angelique ist eine pfiffige Kriminalkommissarin.

Die vier jungen Leute sind Abiturienten der Carl-Strehl-Schule der Blindenstudienanstalt (Blista). Ihre verfilmte Kriminalgeschichte mit dem flotten Titel "Weiblich, ledig, jung" ist ein Produkt des Leistungskurses Englisch. Mit der Idee, die Handlung zum Teil in Paris anzusiedeln, eroberten sich die Schüler nicht nur einen attraktiven Drehort. Die Großstadt an der Seine ist zweifelsohne international. Dort werden alle Sprachen gesprochen.

Werner Haustein hat als Fachlehrer das Projekt betreut und mitgestaltet, für Kameraführung, Fotografie und Regie zeichnet Conny Peil verantwortlich.

Vier Tage verbrachte das Team in Paris. "Vieles, was wir uns in Marburg ausgedacht hatten, mußte vor Ort modifiziert oder aufgegeben werden", erzählt Conny Peil. Damit war ein zweiter Schwerpunkt des Projekts - neben der Sprache Englisch - erfüllt: Etwas über Filmarbeit zu erfahren.

"Das ist harte Arbeit", sagt Sabine Steffen. "Wir haben hautnah erlebt, daß auch mit der besten Planung einiges schief laufen kann", fügt Thomas Buntin hinzu. Der Termin am Eiffelturm wurde durch Fußballfans "geschmissen" (in Paris fand an diesem Tag das Europacup-Endspiel statt), und die Szene auf dem bekanntesten Friedhof der Stadt, dem Pere Lachaise, kam nicht zustande, weil Aufnahmen mit der Videokamera dort verboten sind.

Also schrieb das Team einige Szenen vor Ort kurzerhand um. Auch der geplante Tod von Richi Ravioli fiel diesen Änderungen zum Opfer. Er durfte stattdessen in einem Hundehaufen ausrutschen und in eine Rotweinflasche fallen. Ein Mißgeschick, das ihn zurück nach Marburg und an die Blista führt.

Alles in allem ein Stück Schule, das einen handfesten Bezug zum Leben hat. Das aus dem Englischunterricht abgeleitete Projekt habe den Sehbehinderten sicher auch vermittelt, was von ihnen in entsprechenden Berufen in der Zukunft gefordert werde, faßt Werner Haustein zusammen. "Sich in einer mehrsprachigen, urbanen und visuell orientierten Umwelt nicht nur zurechtzufinden, sondern sie aktiv, auch künstlerisch, mitzugestalten.

Brigitte Bohnke in: Oberhessische Presse, 5. Juli 1995

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