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Dr. B. Drolshagen: In Dortmund studieren - Wissenswertes für sehgeschädigte Studieninteressierte und Studierende

Die Universität Dortmund ist eine Campushochschule, die aufgrund ihres S-Bahn- und Busanschlusses verkehrstechnisch gut angebunden ist. Eine behindertengerechte "Hängebahn" sorgt für einen problemlosen Transfer zwischen den beiden Campusteilen. Taktile Lagepläne von Teilen der Hochschule sowie tastbare Türschilder in einigen Fachbereichen erleichtern die Orientierung.



1. Ausstattung mit sehgeschädigtenspezifischen Hilfsmitteln

Vor einigen Jahren wurde an der Universität Dortmund - überwiegend finanziert durch die Kniese-Stiftung - ein Arbeitsraum für sehgeschädigte Studierende eingerichtet. In diesem stehen den Studierenden adaptierte PCs mit Braillezeile, Sprachausgabe, Vergrößerungssoftware und Großbildmonitor sowie ein Scanner und CD-ROM-Laufwerke zur Verfügung. Wörterbücher auf CD-ROM wie z.B. der Duden, Lexika oder Sprachwörterbücher sind vorhanden. Ein Punktschrift- und ein Tintenstrahldrucker ermöglichen den Ausdruck in Braille- und Schwarzschrift. Als Hilfsmittel für Lehrveranstaltungen können ein Notebook mit Braillezeile und ein weiteres mit Vergrößerungssoftware, ein elektronisches Braillenotizgerät sowie ein Gerät, mit Hilfe dessen Tafelanschriften abphotographiert und in Schwarzschrift ausgedruckt werden können, entliehen werden. Lehrenden, an deren Veranstaltungen sehbehinderte Studierende teilnehmen, steht für den Computereinsatz ein ausleihbarer Großbildmonitor zur Verfügung. An Software sind die Programme MS-WORD 5.0 und 5.5, das Hagener Braille-Übersetzungsprogramm sowie ein in Dortmund entwickeltes Literatursuch- und -erfassungsprogramm vorhanden. Von dieser universitären Ausstattung unberührt bleibt der Rechtsanspruch auf die notwendige individuelle Ausstattung mit Hilfsmitteln (auch elektronischen) am häuslichen Arbeitsplatz durch den überörtlichen Sozialhilfeträger.

Desweiteren können im Arbeitsraum Punktschriftbogenmaschinen, APHKassettenrecorder, eine Kassettenschnellkopieranlage sowie ein Fernsehlesegerät genutzt werden. Zur Anfertigung taktiler schwellpapiergraphiken gibt es einen sog. Schwellpapierfuser sowie einen Thermostift. Letzterer ermöglicht die Produktion taktiler Abbildungen durch "Malen" auf Mikrokapsel- bzw. Schwellpapier und bietet auf diese Weise sehenden wie sehgeschädigten Nutzern und Nutzerinnen die Möglichkeit, tastbare Abbildungen zu erstellen, ohne daß zuvor eine Schwarzschriftvorlage angefertigt werden muß.

Die Wartung der Geräte sowie die Einweisung in die Handhabung derselben werden schwerpunktmäßig von einer im Arbeitsraum beschäftigten studentischen Hilfskraft übernommen. Dieses Angebot steht den Studierenden kostenlos zur Verfügung.

Im Oktober 1995 eröffnet die Universitätsbibliothek in ihren Räumlichkeiten offiziell einen zweiten Arbeitsraum für sehgeschädigte Studierende, der mit einem weiteren adaptierten PC ausgestattet ist. Sehgeschädigte Studierende erhalten auf diese Weise u.a. die Möglichkeit, im Katalog der Universitätsbibliothek zu recherchieren, die CD-ROM-Datenbank der Bibliothek zu nutzen etc. Auch ein Netzanschluß ist vorgesehen.

2. Serviceangebote für sehgeschädigte Studierende

Als dauerhafte Institution bietet die Universität Dortmund behinderten Studierenden den "Beratungsdienst behinderter Studierender". Hier erhalten behinderte Studieninteressierte und Studierende individuelle Beratung und Unterstützung bei behinderungsbedingten Studienproblemen jedweder Art. Die Interessengemeinschaft behinderter und nichtbehinderter Studierender sowie das Autonome Behindertenreferat bieten die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch sowie zur gemeinsamen Arbeit an der Verbesserung der Studiensituation Behinderter in Dortmund und darüber hinaus. Unterstützung erhalten diese studentischen Selbsterfahrungsgruppen außer vom Beratungsdienst behinderter Studierender vom Beauftragten für die Belange behinderter Studierender der Universität, der von den Studierenden gewählt und anschließend vom Senat der Hochschule bestellt wird. Derzeit nimmt diese Aufgabe ein blinder Jurist aus der Hochschulverwaltung wahr.

Finanziert über studentische Hilfskraftverträge aus Mitteln des Programms "Qualität der Lehre" unterhält die Hochschule einen Punktschrift- und Großdruckübersetzungsdienst. Hier werden in begrenztem Umfang auf individuellen Wunsch der Studierenden oder Lehrenden Seminarpapiere u.ä. in Blindenschrift und Großdruck übertragen.

Die Universitätsbibliothek stellt wöchentlich 20 studentische Hilfskraftstunden für die Aufsprache von Literatur auf Tonkassette. Produziert wird entsprechend der Nachfrage der Studierenden. Desweiteren gewährt die Bibliothek behinderten Studierenden bei Bedarf verlängerte Ausleihfristen für Schwarzschriftliteratur.

Die Unibibliothek Dortmund führt den "Zentralkatalog der Medien für Sehgeschädigte". Dieser erfaßt sämtliche sehgeschädigtengerecht aufbereitete wissenschaftliche Literatur, die an bundesdeutschen Hochschulbibliotheken sowie der Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte in Zürich ausleihfähig vorliegt. Darüber hinaus kooperiert er eng mit dem "Aufsprachedienst für wissenschaftliche Literatur" des DVBS. Interessierte Studierende können den Katalog auf Diskette bei Frau Neuhäußer (Tel.: 0231 755-4579) bestellen. Die dort erfaßten sehgeschädigtengerecht aufbereiteten Bücher können über den Fernleihverkehr der wissenschaftlichen Bibliotheken oder den direkten Postweg bezogen werden.

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