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D. M. Mohr: Ein Menschenrecht, das auch für Blinde gilt;

Fotoausstellung "Blinde Journalisten" in Frankfurt eröffnet

Frankfurt (dmm)

"Wie kann denn einer, der nicht sieht, Berichterstatter sein, Augenzeuge- Das ist doch eine Beleidigung des Publikums." Diese Frage steht am Anfang der Fotoausstellung des Dortmunder Fotografen Rainer Wohlfahrt mit dem Thema "Blinde Journalisten". Anfang März wurde sie im Frankfurter DGH-Haus vom Landesbezirk Hessen der IG Medien in Anwesenheit der Vertreter der wichtigsten Blindenorganisationen Hessens eröffnet. Das weitergeführte Zitat des deutsch-kanadischen Schriftstellers und Journalisten Charles Wassermann gibt gleich selbst die Antwort: "Weil dieser Berichterstatter mit seinem Hirn arbeitet, deswegen kann er berichten. Und was zu sehen ist, das kann er von anderen erfahren und bearbeiten." Die Fotoausstellung soll genau das: den Vorbehalten entgegentreten, mit denen Blinde - nicht nur in der Medienbranche - konfrontiert werden.

Die Fotoreportage entstand zwischen Herbst 1994 und Frühjahr 1995 im Rahmen von Wohlfahrts Diplomarbeit an der Fachhochschule Dortmund. Der Fotojournalist begleitete acht der rund 20 blinden oder sehbehinderten Journalisten und Pressesprecher Deutschlands bei ihrer Arbeit. Drei davon werden in der Frankfurter Ausstellung porträtiert. "Wie macht das ein Blinder- Was ändert sich am Ergebnis-" erläutert Wohlfahrt seine Beweggründe. "Meine Erfahrung hat mir gezeigt, daß Blinde ihrem journalistischen Beruf souverän nachgehen und eine äußerst präzise Berichterstattung abliefern." In unserer visualisierten Welt stellt Wohlfahrt das Medium zur Verfügung, das Blinde sonst nicht haben und mit dem Sehende wohl am ehesten angesprochen werden können.

In der Sensibilisierung der Kollegen und Kolleginnen, aber auch der Arbeitgeber und einer breiteren Öffentlichkeit, sieht Christoph Damm, stellvertretender Landesbezirksvorsitzender der IG Medien Hessen, den Zweck der Bilder: "Die Ausstellung ist bereits erfolgreich, wenn sie zur Kenntnis genommen wird und zum Nachdenken anregt." Solidarität im Berufsleben ist auch ein Anliegen von Franz-Josef Hanke, Landesvorsitzender der Fachgruppe "Journalismus" (dju) in der IG Medien und einer der porträtierten blinden Journalisten: "Eine Gewerkschaft fungiert als Multiplikator, denn sie verhandelt mit den Arbeitgebern und kann so auch mitmenschlichere Arbeitsbedingungen erwirken. Wenn Behinderte aus dem Arbeitsleben ausgegrenzt werden, wird die Menschlichkeit ausgegrenzt".

Die mit einer Leica M aufgenommenen Schwarz/Weiß-Fotografien zeigen zwei hauptberufliche und einen ehrenamtlichen blinden Journalisten. Peter Beck ist als Nachrichtenredakteur beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart angestellt. Franz-Josef Hanke arbeitet als freier Journalist in Marburg und Hans-Dieter Seiler redigiert bei der "Aktion Tonbandzeitung" (ATZ) in Holzminden eine Kassettenzeitung. Jeder der drei wird zunächst in einer Großaufnahme vorgestellt. Mit einfühlsamen Bildern, die den Arbeitsalltag zeigen, aber auch die Freude am Journalismus rüberbringen, nähert sich Wohlfahrt dann den blinden Kollegen. Man merkt seinen Fotos an, daß er nicht über sie, sondern mit ihnen von ihrer Arbeit und ihrem Leben berichtet. Wohlfahrt hat deshalb die Fotos nicht nur mit eigenen Bildunterschriften versehen, sondern läßt auch die blinden Kollegen selbst zu Wort kommen. "Der Zugang zur Information ist ein Menschenrecht," so wird Hans-Dieter Seiler zitiert, "das auch für Blinde gilt. Mit meiner Arbeit versuche ich, hierzu einen Beitrag zu leisten." So sieht man ihn und einen Zivildienstleistenden beim Durchforsten der Regionalzeitungen für die wöchentlich erscheinende Ausgabe der Tonbandzeitung. Franz-Josef Hanke wird zum Beispiel beim Hörfunkinterview für den Hessischen Rundfunk oder zuhause bei der Arbeit gezeigt am blindengerecht mit Sprachausgabe und Braille-Zeile ausgestatteten Computer, wo er Gehörtes in Geschriebenes umsetzt. Und Peter Beck beugt sich über seine unverzichtbaren Hilfsmittel, Diktiergerät, Braille-Schrift und sprechende Stoppuhr, bei der täglichen Auswahl der Nachrichten-Originaltöne. Fotos aus dem jeweiligen Privatleben runden das Gesamtbild ab. Da wickelt Peter Beck strahlend seine kleine Tochter und Hans-Dieter Seiler geht mit seiner Frau und dem Blindenhund spazieren.

Die Fotos vermitteln dem Betrachter den richtigen Eindruck: Trotz Blindheit kann man ein ganz normales leben führen. Wer das begriffen hat, versteht die Ironie in Hankes provokanter Frage bei der Ausstellungseröffnung, was Blinde eigentlich auf einer Fotoausstellung machen- Auch die Antwort ist logisch: "Die Ausstellung soll sichtbar machen, daß Kompetenz auch "trotz" Behinderung vorhanden ist. Denn Journalismus bedeutet, Sachverhalt vereinfacht zu vermitteln und nicht unbedingt sehen, sondern denken und hören zu können." Dunja M. Mohr

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