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Im Rahmen der Fachtagung "Sonderpädagogische Förderung", zu welcher sich die Referenten der Kultusministerien der 16 Bundesländer am 18. und 19.4.1996 in der Deutschen Blindenstudienanstalt trafen, wurde der Modellversuch "Arbeitslehre für Blinde" vorgestellt:
"Presseinformation des Hessischen Kultusministeriums
Ab Schuljahr 1996/97: Arbeitslehre für Blinde Schülerinnen und Schüler im Modellversuch
Kultusminister Hartmut Holzapfel: "Entwicklung individueller Unterrichtskonzepte für behinderte Jugendliche als Beitrag zur Integration"
Marburg/. Das Hessische Kultusministerium unterstützt in Marburg gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium ein Projekt, das den Zugang zu Arbeitswelt und Berufsorientierung blinder junger Menschen erleichtern soll. Für Kultusminister Hartmut Holzapfel schafft der Modellversuch an der Carl-Strehl-Schule zudem Voraussetzungen, um den Arbeitslehreunterricht den speziellen Bedürfnissen einer Behindertengruppe anzupassen.
Die Carl-Strehl-Schule, ein privates Gymnasium für Blinde und Sehbehinderte, erprobt ab dem Schuljahr 1996/97 in einem Modellversuch Möglichkeiten und Wege, den Unterricht im Fach Arbeitslehre so zu gestalten, daß die unmittelbare Erkenntnis- und Erfahrungsebene sowie der Praxisbezug für blinde Schülerinnen und Schüler im Vordergrund stehen. Die Schülerinnen und Schüler sollen über die Grundlagen des Faches Arbeitslehre hinaus konkrete, handlungsorientierte Erfahrungen sammeln können.
Für blinde und sehbehinderte Jugendliche seien die Kontakte zur Arbeitswelt stärker eingeschränkt, als das für Gleichaltrige ohne Sehbeeinträchtigung der Fall sei, so der Kultusminister. Nur selten biete sich für blinde Schülerinnen und Schüler die Chance, einen Ferienjob oder ein Betriebspraktikum auszuüben oder auf anderem Wege die Arbeitswelt kennenzulernen. Das beiläufige Erleben, das alltägliche Wahrnehmen, was "Arbeit" in den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft bedeuten kann, ist durch das fehlende bzw. beeinträchtigte Sehvermögen erheblich erschwert. Das Wissen über Arbeit und über das Arbeitsleben kann sich dann oft nur über den Unterricht theoretisch erschließen lassen. Dies schränke die Erfahrungen dieser jungen Menschen allerdings sehr stark ein, so der Minister.
Deshalb gelte für blinde Jugendliche: Arbeit muß so konkret wie möglich im Unterricht vollzogen werden und erfahrbar sein. Dem Anliegen des Faches Arbeitslehre kann hier nur durch handlungsbezogene und praxisorientierte Formen des Lernens entsprochen werden. Begegnungen mit der Arbeitswelt im Rahmen von Betriebserkundungen und einem Betriebspraktikum müssen unter Beachtung der spezifischen Probleme blinder Menschen vorbereitet werden. Dabei ist es für blinde Schülerinnen und Schüler von besonderer Bedeutung, begleitende Hilfen zur Orientierung und Mobilität in einer für sie neuen Umfeldssituation zu erhalten.
Mit finanzieller Unterstützung des Hessischen Kultusministeriums sowie des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie wird im Schuljahr 1996/97 im Rahmen des Faches Arbeitslehre in einer 10. Klasse mit blinden Schülerinnen und Schülern ein Projekt durchgeführt werden. Vorrangiges Ziel dieses bundesweit einmaligen Modellversuchs ist es, blinden Schülerinnen und Schülern - unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Ausgangslage - durch eigenes Tun im gemeinsamen Herstellen von Gebrauchsobjekten die Teilnahme an arbeitsteiligen Prozessen zu ermöglichen.
Es sollen zudem Möglichkeiten geschaffen werden, im Betriebspraktikum Erfahrungen mit der Arbeitswelt zu sammeln. In diesem Zusammenhang ist die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Betriebserkundungen und eines längeren Betriebspraktikums vorgesehen. Ihre handwerklichpraktischen Fertigkeiten und ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit sollen die Schülerinnen und Schüler u.a. durch das gemeinsame Herstellen von Flößen entwickeln, die sie dann im Sommer auf ihre Fahrtüchtigkeit hin selbst erproben werden.
Die wissenschaftliche Begleitung des Modellversuchs liegt bei Prof. Dr. H. Lüdtke von der Philipps-Universität Marburg, die wissenschaftliche Beratung bei Prof. Dr. L. Beinke, Justus-Liebig-Universität Gießen. Die Vorbereitungen zur Umsetzung des Modellversuchs haben bereits im Februar begonnen, die wissenschaftliche Begleitung hat ihre Arbeit soeben aufgenommen. Eine umfassene Darstellung der Ergebnisse wird nach Abschluß des Versuchs im Dezember 1997 vorliegen."
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