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J. Hellenschmidt: Kein neuer Stern am Goalball-Himmel

In Bonn fanden am 20. April unter der Schirmherrschaft von Frau Oberbürgermeisterin Barbara Dieckmann die Deutschen Meisterschaften im Goalball 1996 statt.

Der Blinden- und Sehbehindertensportverein (BSSV) 1984 Bonn war in diesem Jahr vom Deutschen Behindertensportverband mit der Ausrichtung der Titelkämpfe betraut worden. Dem Verein ist es damit erstmals gelungen, die Deutschen Goalballmeisterschaften nach Nordrhein-Westfalen zu holen und hier das Turnier für die zehn teilnehmenden Mannschaften durchzuführen.

Als eine Nummer zu groß erwies sich die Herausforderung des DM-Turniers für die Junge Mannschaft von PSV München 1. Nach einer sieglosen Vorrunde traf sie im Spiel um Platz neun auf das Vorjahresschlußlicht, die Spielgemeinschaft Dortmund Gelsenkirchen. Durch einen 4:2-Sieg konnten die Westfalen diesmal die rote Laterne an München weitergeben und Platz neun erringen.

Überraschend fanden sich der Vorjahresvierte Berlin und die stärker erwartete BSG Langenhagen nach der Vorrunde im Spiel um Platz sieben wieder. Hier konnten sich die Niedersachsen durchsetzen und erreichten den siebten Platz.

Im Mittelfeld plazierten sich auf Rang sechs PSV München 2 und Leipzig - im Vergleich zum letzten Jahr deutlich verbessert - auf Position fünf.

Wenig Überraschendes gab es an der Spitze der Vorrundentabelle. Ohne Probleme hatte der Favourit und Titelverteidiger SSG BliSta Marburg verlustpunktfrei als Vorrundensieger das Halbfinale erreicht, wo er es jedoch mit dem VFB Bremen zu tun bekam. Die Bremer gingen schnell mit 1:0 in Führung und konnten diesen Vorsprung auch bis weit in die zweite Halbzeit hinein verteidigen. Sie verlangten den Marburgern alles ab. Mit Mühe konnten diese den Ausgleich erzielen und über die reguläre Spielzeit retten. Doch erzwangen die abwehrstarken Bremer nicht nur eine Verlängerung von 2 mal 3 Minuten, sondern darüber hinaus beim Spielstand von 1:1 nach Verlängerung ein Penalty-Schießen. Erst hier konnten sich die Marburger durchsetzen, wozu es jedoch aller Anstrengung und Routine dreier Nationalspieler in Reihen der Marburger Mannschaft bedurfte.

Kaum weniger dramatisch war der Verlauf des zweiten semifinals. Hier hatte sich der gastgebende BSSV Bonn fest vorgenommen, sich für die bittere 6:7-Niederlage aus dem Eröffnungsspiel gegen Königs Wusterhausen zu revangieren. Danach sah es zunächst jedoch wahrlich nicht aus. So führte KW in der zweiten Halbzeit bereits mit 5:2, als sich die Bonner zu einer Umstellung innerhalb der Mannschaft entschlossen und so den Angriff entscheidend verstärken konnten. 30 Sekunden vor dem Schlußpfiff erzwang der BSSV den 5:5-Ausgleich und damit gleichzeitig eine Verlängerung. Von der gelungenen Aufholjagd beflügelt waren die Bonner nun nicht mehr aufzuhalten und siegten schließlich überzeugend mit 10:7 Toren.

So kam es zu einer Neuauflage des Vorjahresendspiels. Von Beginn an erlebten die Zuschauer ein spannendes und interessantes Spiel, das zur Halbzeit leistungsgerecht unentschieden 2:2 stand. In der zweiten Halbzeit jedoch ließen sich die Bonner zu einem allzu ungestümen Angriffsspiel verleiten, wodurch man sich zwei Strafwürfe einhandelte. Diese Chancen ließen sich die Marburger Routiniers nicht nehmen und verwandelten zum 3:2 und 4:2. Damit war die Meisterschaft entschieden und der Titel blieb in Marburg. Der BSSV Bonn mit seiner neuformierten Mannschaft darf derweil getrost stolz auf den Vizemeister-Titel sein. Ebenfalls wie im Vorjahr errang Königs Wusterhausen die Bronzemedaille; für Bremen blieb der undankbare vierte Platz.

Während die SSG BliSta Marburg als Deutscher Meister nun im Herbst zum Goalball World Cup nach Venedig reisen wird, müssen die plazierten Mannschaften bis zum nächsten Jahr auf die Gelegenheit warten, den Marburgern den Titel abjagen zu können. In Bonn und Königs Wusterhausen - so ist zu hören - ist man dazu jedenfalls entschlossen.

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