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Entführung an der Karl-Strahlemann-Schule oder: Wann endlich wandelt sich die Schule-
Wer heutzutage einen Krimi schreiben will, hat es nicht leicht. Schon ein kurzer Blick auf die Geschichte der Gattung zeigt uns, daß es kaum noch ein Thema gibt, das nicht längst schon in einem Kriminalroman verarbeitet worden wäre. Neben den klassischen Varianten Mord und Totschlag, Sex, Drugs and Crime haben andere Autoren gesellschaftskritische oder psychologisch ausgefeilte Romane und Erzählungen vorgelegt, und auch die möglichen Detektivfiguren reichen von schrulligen, intelligenten, kombinationssicheren bis hin zu hartgesottenen Typen, die sich mehr auf ihre Fäuste und ihre Kanone verlassen. In letzter Zeit haben auch Frauen verstärkt Einfluß auf die Krimiszene genommen und dabei vielbeachtete neue Impulse gegeben.
Könnte man also mit Kennermine feststellen, alles sei jetzt nur noch Wiederholung eines bereits festgelegten Schemas- Ich meine, nicht unbedingt. Man muß sich aber etwas einfallen lassen, und genau dies haben Schüler/Innen der Klasse 10 c und zwei engagierte Kolleginnen (Frau Saßmannshausen und Frau Kolbeck) der Carl-Strehl-Schule getan. In dem nun vorgelegten "Erstling" des "C-Teams" haben sie im Rahmen des Deutsch- und Textverarbeitsunterrichts einen Gemeinschaftsroman mit dem Titel "Chloroform zu Nikolaus" verfaßt, der aus unterschiedlichen Perspektiven den Fall einer Entführung aufrollt. Anna Zweck ist diejenige, die unverhofft zum Objekt der Begierde wird, und all die anderen Figuren, die wie die Schulassistentin Anna - durchaus beabsichtigte - Ähnlichkeiten mit "lebenden Personen" der Schule aufweisen, stellen plötzlich fest, wie kompliziert ihr Alltag werden kann, wenn Anna an der Ausübung ihres Jobs gehindert wird.
Warum gerade Anna Zweck- Was beabsichtigen die Entführer- Bis etwa zur Mitte des Romans herrscht allseits eine ziemliche Verwirrung nach dem Motto: "Nichts Genaues weiß man nicht". Doch dann gehen dem ungeduldigen Leser wie auch dem Schulleiter und den Lehrern (unter Schülern kursieren nur wilde Gerüchte) allmählich einige Glühlampen auf. Die Entführer outen sich in einem Brief als das "Team School For Fun", und ihre Forderungen haben geradezu umstürzlerischen Charakter: Nur von 8-12 Uhr soll regulärer Unterricht stattfinden, danach sollen Schüler sich nach Interessen Themen ihrer Wahl aussuchen können! Zugegeben, dies sind für einen Krimi ungewöhnliche Forderungen, aber im Sinne der angedeuteten schwierigen Zeiten für Krimiautoren - und offentlichlich sind auch für Schüler die Zeiten hart - sicherlich berechtigte Anliegen, oder-
Derweil Schüler (die endlich auch informiert werden) und Lehrer heftig über die Forderungen streiten, plant die arme Geisel Anna ihre Flucht. Es gelingt ihr mit Hilfe ihres Halstuchs (Francis Durbrigde läßt grüßen), der Außenwelt ein Zeichen zu geben, und der vielgeplagte Zivi Douglas, der am meisten unter Annas Entführung zu leiden hat, entdeckt diese Spur und seine schlummernden detektivischen Fähigkeiten. Zusammen mit dem "immer pünktlichen" Schüler Kurt und dem Lateinprimus Peter klären sie den Fall auf - wie- Das wird nicht verraten. Nur soviel sei gesagt: Die Losung "Schule im Wandel" hat endlich auch Eingang in die Krimiszene gefunden, und wenn es noch eines Beweises für die Wichtigkeit dieser Losung bedurft hätte, wäre er nach der Lektüre dieses lesenswerten Buches erbracht!
Das Taschenbuch ist im Selbstverlag erschienen und in Punkt- und Schwarzschrift zum Preis von 7,50 DM noch erhältlich.
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