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Bericht über ein Seminar der "AG Orientierung und Mobilität (O & M)" Arbeitsgruppe Umwelt und Verkehr - am 13. und 14. September 1996 in Stuttgart
Anfang des Jahres 1995 gründete sich innerhalb der AG O&M eine kleine Arbeitsgruppe, die sich die Aufgabe stellte, Fragen der Umweltgestaltung für Blinde und Sehbehinderte nachzugehen. Die Leiterin dieser Arbeitsgruppe ist Frau Dorothee Wöhrle von der Rehabilitationseinrichtung für Sehgeschädigte (RES), 35037 Marburg, Am Schlag 8, der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V.
In einer durch zunehmenden Verkehr immer komplexer werdenden Umwelt treffen Blinde und Sehbehinderte und O&M-Lehrer einerseits immer häufiger auf schwer zu bewältigende Umweltsituationen, andererseits aber auch auf mehr oder weniger taugliche Versuche, diese Probleme durch eine blinden- und sehbehindertengerechte Gestaltung dieser Umgebungen zu lösen.
Darüber hinaus werden O&M-Lehrer häufig von Straßenverkehrsbehörden, Bauämtern, Planungsbüros, Selbsthilfeverbänden und den Betreibern öffentlicher Verkehrsmittel um Beratung gebeten, wenn es darum geht, den öffentlichen Raum (Gebäude, Bahnhöfe, Haltestellenbereiche etc.) neu- oder umzugestalten.
Von zentraler Bedeutung in diesem Zusammenhang sind zur Erleichterung ampelgeregelter Straßenüberquerungen
- "Zusatzeinrichtungen für Blinde und Sehbehinderte an Straßenverkehrssignalanlagen" und
- die Verwendung von "Bodenindikatoren" als Orientierungshilfe.
Zu diesen beiden Schwerpunkten bot die Arbeitsgruppe am 13. und 14. September 1996 in Stuttgart ein Seminar unter dem Titel:
"Blinden- und sehbehindertengerechte Gestaltung des öffentlichen Raums" an.
An dem Seminar, das von den Kollegen Dorothee Wöhrle und Dietmar Böhringer (Nikolauspflege Stuttgart) mit großem Engagement vorbereitet wurde, nahmen 15 Personen teil. Die Teilnehmergruppe bestand größtenteils aus interessierten O&M-Lehrern, der Vorsitzenden des Kreisvorstandes der Stadt Leipzig des "Blinden- und Sehschwachenverbandes Sachsen (BSVS)" und der Behindertenbeauftragten der Stadt Leipzig.
Am Freitag führte Herr Böhringer die Seminarteilnehmer im Verlauf einer mehrstündigen Exkursion an verschiedene Orte in Stuttgart, an denen unterschiedliche Bodenindikatoren als Leitlinien im ober- und unterirdischen Bereich verlegt worden sind. Hier, wie auch an mehreren mit verschiedenen Zusatzeinrichtungen versehenen Ampelkreuzungen, die im weiteren Verlauf der Exkursion aufgesucht wurden, bestand für die Seminarteilnehmer nicht nur die Gelegenheit einer Besichtigung. Die umsichtigen Organisatoren hatten dafür gesorgt, daß alle Teilnehmer auf Erkundung gehen konnten. Mit Langstock und Augenbinde versehen wurde erprobt, was dort auf U-Bahnhöfen und an Straßenkreuzungen baulich verändert worden ist, um blinden und sehbehinderten Mitbürgern die selbständige Fortbewegung zu erleichtern.
Am Freitagabend referierte Frau Wöhrle ausführlich über
- die "Richtlinien für Lichtzeichensignalanlagen (RILSA) 1992",
- den aktuellen Stand der DIN Norm 32 981 (1994) und
- die "Anforderungen an Straßenverkehrs-Signalanlagen (SVA) mit Zusatzeinrichtungen für Blinde und hochgradig Sehbehinderte (DBV 4.1992)".
Versehen mit einem reichhaltigen Materialpaket für jeden Teilnehmer, vielen wichtigen Informationen und eigenen Exkursionseindrücken konnte dieser Themenbereich am ersten Tag vorerst abgeschlossen werden. Die Entwicklung im Sinne einheitlicher Vorschriften und Empfehlungen für die technische Ausstattung entsprechender Zusatzeinrichtungen ist zwar weit vorangeschritten, darüberhinaus wurden jedoch Fragen diskutiert, wie z. B.
- Wo ist der ideale Standort für Ampelpfosten-
- Wie löst man die Probleme, wenn ein Radweg auf dem Gehweg verläuft-
- An welcher Stelle des Ampelpfostens sollte sich der Anforderungstaster befinden-
Fragen, die für eine blinden- und sehbehindertenfreundliche Gestaltung von ampelgeregelten Kreuzungen mit Zusatzeinrichtungen für Blinde von Bedeutung sind.
Der folgende Samstag stellte das Thema: "Zum aktuellen Stand der Diskussion um Bodenindikatoren" in den Vordergrund. Herr Böhringer bot neben den Erfahrungen der Exkursion vom Vortag die Möglichkeit, verschiedene Bodenindikatoren in der Nikolauspflege selbst zu testen. Im Anschluß stellte er den Teilnehmern sehr anschaulich die bisherige Geschichte dieses Themas in Deutschland vor. Da zu diesem Themenbereich noch kein Weißdruck der DIN Norm 32 984 vorliegt, ist im Sinne einer allgemeingültigen verbindlichen Lösung auch noch kein endgültiger Stand erreicht worden. Das Thema Bodenindikatoren, so stellten alle Teilnehmer fest, bedarf unbedingt einer weiterführenden Diskussion, die neben der Frage des Materials:
- vertiefte oder erhöhte Strukturen-
- in welcher Größe-
auch die der unterschiedlichen Verwendungszwecke von Bodenindikatoren betrifft.
Einig waren sich alle Seminarteilnehmer darin, daß Bodenindikatoren nur dann ihre Aufgabe erfüllen können, wenn der Kontrast zur direkten Umgebung eine eindeutige Identifizierung dieser Bodenindikatoren erlaubt.
Zum Abschluß des Seminars ist die vorher noch kleine Arbeitsgruppe der AG O&M um einige neue Mitglieder angewachsen. Die begonnene Arbeit wird Anfang 1997 bei dem nächsten Treffen in Berlin fortgesetzt. Die in Stuttgart sehr gelungene und von den Teilnehmern gelobte Form des Seminars, d. h. eine gute Mischung aus Theorie und Praxis, soll fortgesetzt werden. Der Schwerpunkt wird dabei das Thema Bodenindikatoren sein.
Für den Herbst 1997 hat sich die Arbeitsgruppe vorgenommen, erneut ein Fortbildungsseminar anzubieten, um neben den Ergebnissen von Berlin weitere Themen wie z. B. Gestaltungsvorschläge für öffentliche Gebäude zu bearbeiten. Die in Stuttgart praktizierte Zusammenarbeit zwischen O&MLehrern, Selbsthilfe- und Behördenvertretern war sehr fruchtbar und sollte bei künftigen Veranstaltungen unbedingt weitergeführt werden.
Ich möchte diesen Bericht mit einem herzlichen "Danke schön" an Frau Wöhrle und Herrn Böhringer schließen, denen es nicht nur gelungen ist, ein interessantes Seminar mit einem hohen Informationswert durchzuführen, sondern eine Veranstaltung, bei der man sich auch sehr wohlgefühlt hat.
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