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Alle reden von der künftigen Hörbuchgeneration - ist das Band-Ende erreicht...- Fast scheint es so: Die deutschen Magnetbandhersteller schließen ihre Produktionsstätten hierzulande - der Einsatz dieses akustischen Speichermediums ist rückläufig - obwohl die allenthalben spazierengetragenen Walkmen und das "Wumm - wumm - wumm" rasanter Autofahrer in ihren rasenden "Musikboxen", uns glauben lassen können, die musikalische Berieselung und das Einhämmern auf unser Trommelfell sorge für eine ungetrübte Zukunft der herkömmlichen Musik-Kassetten.
Im Gegensatz hierzu bedienen sich Aufnahmepraxis und Textspeicherung zunehmend der digitalen Technik und es wird immer deutlicher, daß unsere akustische und visuelle (Kommunikation und) Konsumtion auf digitaler Basis erfolgen wird.
Zeitgemäß war - neben den allgemeinen und allgegenwärtigen Finanzproblemen - die technische Weiterentwicklung der Blindenhörbüchereien das Thema der diesjährigen Mitglieder-Versammlung der Arbeitsgemeinschaft der Blindenhörbüchereien / AG BHB. Sie fand am 17. und 18. September 1996 in Marburg statt.
Traditionell versammeln sich aus diesem Anlaß die Betriebsleiter der Mitgliedsbüchereien zu ihrem jährlichen Gedankenaustausch. Tagungsort war die Deutsche Blindenstudienanstalt/DBStA in Marburg, Gastgeber die Deutsche Blinden-Hörbücherei/DBH. Zehn der Mitgliedsbibliotheken waren vertreten.
Gleich der erste Tagesordnungspunkt beschäftigte sich mit der künftigen Hörbuchgeneration.
Der DBH war es gelungen ein Testgerät des ersten funktionsfähigen blindengerechten Abspielgerätes für CD"s mit dazugehörenden Audio-CD"s zu erhalten, das dann vorgeführt und mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen wurde.
Es handelt sich um eine japanische Entwicklung, die in enger Zusammenarbeit mit dem europäischen DAISY-Projekt und einer Arbeitsgruppe der International Federation of Library Associations and Institutions/IFLA (der auch der Berichterstatter angehört) zustande kam. Der Hersteller, die Firma PLEXTOR in Tokio, ist einer der führenden Produzenten von CDLaufwerken für Computer. Nach einigen Vorstufen liegt jetzt ein Gerät vor, das im Dezember dieses Jahres in einem weltweiten Feldtest von Blinden in über 30 Ländern begutachtet werden soll.
Das Gerät trägt die Bezeichnung PLEXTALK (und mißt: Länge: 29,7 cm - Breite: 21 cm - Höhe: 8,2 cm), ist mit einem tastfreundlichen weichen Kunststoff beschichtet und hat einen Tragegriff. Es wiegt ca. 2,27 kg. Die Stromversorgung geschieht (über einen Trafo) aus dem Netz. Beschickt wird das Testmodell mit eigens dafür entwickelten Audio-CD"s, die zur unmißverständlichen Handhabung und zum Schutz gegen mechanische Beschädigungen in einem Gehäuse ("Caddy" - 12,5 x 13,5 cm) untergebracht sind; sie werden seitlich eingeschoben. Das Gerät besitzt einen eingebauten Lautsprecher.
Der Fabrikant wirbt für sein Abspielgerät mit folgenden Aussagen:
- Auf eine CD paßt ein vollständiges Buch. Jede kann bis zu 50 Stunden gesprochenen Text speichern. Zur einfachen Handhabung sind die CD"s in Gehäusen ("Caddies") untergebracht, mit denen sie direkt in das PlexTalk-Abspielgerät eingeführt werden; das Berühren der bloßen CD"s entfällt.
- Einfache Handhabung - im Gegensatz zu Kassettenbüchern - kein Hantieren mit mehreren Kassetten.
- Abhören von CD-Büchern mit der gleichen Bequemlichkeit, wie Sehende die Schwarzschrifttitel lesen.
- Schneller Zugriff auf jede gewünschte Textstelle.
- Anwählen von Kapitel-Überschriften gemäß des Inhaltsverzeichnisses.
- Schnelles Springen, rückwärts wie vorwärts, zu jeder markierten Textstelle.
- Setzen von bis zu 30 Lesezeichen pro Titel für den schnellen Zugang zu einer Lieblings-Passage.
- Sofortiges Auffinden jeder Seitenzahl über das leicht zu bedienende 12-er Tastenfeld.
- Variable Abspielgeschwindigkeit; gute Tonqualität selbst bei doppelter Abspielgeschwindigkeit.
- Mehrfacher Einsatz: zusätzliches Abhören von Musik-CD"s.
- Eingebaute Benutzerführung.
Um diese Optionen zu nutzen, ist das PLEXTALK mit folgenden Bedienungselementen versehen, die sich alle auf seiner Oberseite befinden (wie auch die Schallöffnung des Lautsprechers):
Die vier Tasten: "Rücklauf"; "Stop und Spielen"; "Vorlauf"; "Lesezeichen" sitzen in einer Reihe auf der dem Körper zugewandten Seite. Ein, durch eine Abdeckplatte mit Aussparung versehenes 12-er Tastenfeld (wie bei einem Telephon) ermöglicht das gezielte Suchen nach verschiedenen Kriterien (Baumstruktur, Seitenzahl, Lesezeichen) einschließlich einer Art cursor-Routine. Bei zugeklappter Abdeckung bleiben 3 Tasten bedienbar: "vorhergehende Stelle" - "Information" - "nächste Passage". Ein Knopf für die Auswahl des Indexierungs-Modus und die Auswurf-Taste schließen die Anzahl der Tasten. Alle sind gut zu lokalisieren, eindeutig und leicht zu bedienen; (sie haben allerdings keinen taktil markierten Druckpunkt). Schließlich können über drei Schieber die Lautstärke, die Tonhöhe und die Geschwindigkeit geregelt werden. Eine leichtgängige Rasterung hilft bei der Einstellung.
Aufgezeichnet werden die Texte mit der DAISY-software, einer Entwicklung der Schwedischen Blindenbibliothek.
Die Sprachqualität des Vorführgerätes war bei normaler Geschwindigkeit gut, bei schnellem Abspielen (bis 2-facher Geschwindigkeit) verbesserungswürdig - was natürlich auch an dem Testgerät liegen kann.
Keine Auskünfte waren über den Zeitpunkt einer Markteinführung und über den Verkaufspreis zu bekommen. Die Ergebnisse einer (ab Dezember 1996 geplanten) Testphase in über 30 Ländern werden im Februar 1997 ausgewertet. Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse dieser Bewährung im täglichen Gebrauch durch die Betroffenen selbst.
Im Verlauf der Diskussion um dieses Gerät wurde allerdings auch klar, daß die technischen Voraussetzungen: digitale Aufnahme, Speicherung und Archivierung, vor allem in Hinblick auf eine, die Kompatibilität gewährleistende, Standardisierung, geschaffen werden müssen; hier sind noch große Anstrengungen notwendig.
Diese erste Vorführung in Deutschland (und wohl in Europa) hat die Diskussion um die künftige Hörbuchproduktion konkretisiert und gezeigt, daß den Worten hierzulande, woanders durchaus schon Taten gefolgt sind und daß es gilt, die Forderungen der deutschen Blinden über ihre Bibliotheken einzubringen. Wer das englischsprachige Informationsblatt haben möchte (Schwarz- und Punktschrift, englisch), kann es beim Berichterstatter anfordern.
Um bei den Problemlösungen einbezogen zu sein, schlugen die Betriebsleiter dem Vorstand vor, die AG BHB möge sich an dem DAISY-Project beteiligen. -
Aus der jetzigen Tagesarbeit erwuchsen Forderungen nach geänderten, (neuen) preiswerten Versandboxen für die z.Zt. verwendeten Kassetten. Die Plastikschachteln der Blista-Brailletec werden in Verhandlungen zwischen Hersteller und DBH verbessert; das Ergebnis wird zu testen sein, um die künftigen Marktchancen zu evaluieren. - Gefordert wurde ferner eine zufriedenstellende 6-er Box, da die verfügbaren Modelle von Layout und den Kosten her nicht befriedigen.
Um die Qualität der Hörbücher auf hohem Niveau anzugleichen, wird sich am 21. und 22. November 1996 eine Techniker-Tagung in der Bonner Blindenbibliothek der Produktionsverfahren annehmen.
Sicherlich wird dann auch die "digitale Zukunft" der Studios ein Besprechungspunkt sein; möglicherweise auch die technische Seite einer Konversion der analogen Masterbänder in ein digitales Archivierungsmedium.
Rainer F. V. Witte Leiter der Medienversorgung Deutsche Blindenstudienanstalt
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