



Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:
Marburg: Bei der heutigen Angebotspalette in Warenhäusern den Überblick zu behalten, ist schon für Sehende schwierig. Dabei werden 90 % der Informationen über die Augen aufgenommen. Das wird Blinden besonders beim Einkaufen zum Hindernis. Spätestens am Konservenregal ist Schluß mit der Selbständigkeit. Die Frage, ob sich in der Dose Sauerkraut, Ananas oder Ravioli befinden, müssen sie sich von Sehenden beantworten lassen. Diese haben mal mehr oder weniger Zeit und Geduld. Anläßlich des internationalen "Tag des weißen Stocks" am 15. Oktober, der für die Probleme von Blinden und Sehbehinderten sensibilisieren soll, gingen die Hessischen Einzelhandelsverbände einen Schritt auf die blinden Kunden zu. Das diesjährige Motto "Einkaufen" setzte etwas in Bewegung: Anfang des nächsten Jahres wird das Bildungszentrum der Hessischen Einzelhandelsverbände Kassel e. V. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V. Seminare anbieten, in denen das Verkaufspersonal sowie Führungskräfte und Unternehmer im Umgang mit blinden Kunden geschult werden. In einem "aufschließenden Seminar", so der Geschäftsführer des Bildungszentrums, Karl-Michael Opitz, sollen Erfahrungen, Hemmungen und typische Konfliktsituationen besprochen werden, und praktische Übungen ermöglichen den Teilnehmenden, sich besser in die Lage des Blindseins hineinzuversetzen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung angemessener Kommunikationsformen: Wie man auf Blinde zugeht, sie berät, ihnen das Einkaufen attraktiver macht. Obwohl es auch technische Aspekte sind, wie zum Beispiel verbesserte Markierungen oder eine Service-Anlaufstelle im Eingangsbereich, so ist es doch immer noch der persönliche Kontakt, die Beratung durch das Personal, die Blinden eine selbständige Alltagsführung ermöglichen - zumindest so lange Konservendosen noch nicht sprechen können. Der erste Testlauf wird zunächst in Marburg stattfinden, geplant ist diese Fortbildungsmaßnahme aber als hessenweite Aktion. Die Deutsche Blindenstudienanstalt, die diese Seminare betreut, hat auf diesem Gebiet schon langjährige Erfahrung und bietet bundesweit auch anderen Berufsgruppen, wie zum Beispiel Pflegepersonal in Altenheimen und Kliniken oder Augenärzten, weiterbildende Schulungen bei der Betreuung und Beratung von Blinden und Sehbehinderten an.
Interessierte wenden sich bitte an:
Die Hauptverwaltung des Bildungszentrums des Hessischen Handels Kassel e. V., Pilgrimstein 28 a, 35037 Marburg, Tel.: 06421/91.00-10 oder an die Deutsche Blindenstudienanstalt e. V., Am Schlag 8, 35037 Marburg, 06421/606-235.
Zurück zum Inhalt von 4/1996 |horus im Überblick
Startseite
|
Kontakt
|
Impressum |
Hilfe