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Das Treffen begann diesmal mit einer sehr ausführlichen Vorstellungsrunde, bei welcher alle Anwesenden nicht nur über ihre Studienorte und Studiengänge Auskunft gaben; vielmehr schlossen sich ausführliche Berichte über die jeweiligen Ausstattungen mit Hilfsmitteln an - über die Finanzierungen von Vorlesekräften, Hilfen und Hilfsprogramme an den jeweiligen Hochschulen bis hin zu Arbeitsausstattungen zu Hause.
Die Resultate fielen wieder einmal unterschiedlich befriedigend aus: Während die einen sowohl an ihren Hochschulen als auch privat ausreichend ausgestattet sind und Unterstützung erhalten, müssen sich andere harten Kämpfen stellen, um wenigstens ein Minimum an Hilfen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Die zunehmende Finanzknappheit macht sich überall bemerkbar: Für Anschaffungen, selbst, wenn sie bewilligt worden sind, reicht das Geld nicht; Serviceleistungen, wie beispielsweise hochschulinterne Umsetzungsdienste, werden zusammengestrichen oder müssen ihre Tätigkeit vollends einstellen.
Daß den Hochschulen bundesweit immer weniger Gelder zur Verfügung stehen, bekommen sehgeschädigte Studierende, so die Essenz aus den Berichten, zusehends zu spüren. Die Misere läßt sich auf nahezu sämtliche denkbaren Finanzierungswege übertragen: Seien es nun die Krankenkassen oder die Träger der überörtlichen Sozialhilfe, seien es aber auch die Hauptfürsorgestellen oder Stiftungen: an allen Ecken und Enden wird eingespart, so daß nicht selten der einzige Weg, Hilfsmittel und andere Unterstützungen erhalten zu können, über Selbstfinanzierung gegangen werden muß. Da diese kaum möglich ist, bestreiten viele ihre Ausbildung mit einem Minimum an Unterstützung.
Der folgende Seminarabschnitt begann mit einer ausführlichen Zwischenbilanzziehung sowie Diskussion zum Thema der regionalen Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen. Diejenigen Anwesenden, die bereits als Ansprechpartner/innen zur Verfügung standen, waren in dieser Funktion bisher kaum in Anspruch genommen worden. Die Diskussion ergab einen Katalog von Ideen und Forderungen, damit das Netz regionaler Ansprechpartner/innen funktionsfähiger und effizienter arbeiten kann.
Die bisherigen Ansprechpartner/innen, die anwesend waren, wurden zunächst in ihrer Funktion bestätigt. Für weitere Regionen wurden anschließend neue Ansprechpartner/innen bestimmt, so daß jetzt ein großer Teil des Landes abgedeckt ist. Die Ansprechpartner/innen sind dazu angehalten, sich an ihren jeweiligen Hochschulen - also bei Behindertenbeauftragten und Beratungsstellen, bekannt zu machen, so daß bei Bedarf auf sie zurückgegriffen werden kann. Ihre Aufgabe soll nach wie vor sein, Studienanfängern/innen und -interessierten Informationen über die jeweilige Hochschule zukommen zu lassen und, falls möglich, auch über den einen oder anderen Studiengang. Informiert werden sollte zugleich über die Arbeit des DVBS bzw der Fachgruppe "Ausbildung" sowie über evtl. bestehende Interessengemeinschaften behinderter Studierender an der entsprechenden Hochschule, um die Möglichkeit gemeinsamer Interessenvertretung zu gewährleisten.
An eine verstärkte Zusammenarbeit der Fachgruppe "Ausbildung" mit dem Deutschen Studentenwerk (DSW) zwecks Information und Bekanntmachung wird ebenfalls gedacht, zumal das DSW jährlich Seminare für behinderte Studienanfänger/innen und -interessierte durchführt. Für angemessenes Informieren sind Checklisten erforderlich, die neben den Studienbedingungen an den jeweiligen Hochschulen auch Angaben über Hilfsmittelbeschaffung und -finanzierung enthalten. Die Ansprechpartner/innen selbst erhalten zudem eine Liste, auf welcher alle Ansprechpartner/innen vermerkt sind, damit ggf. weiterverwiesen werden kann.
Weiterhin wurden Möglichkeiten diskutiert, wie an potentielle Studierende, also an Schülerinnen und Schüler, heranzutreten sei. Informationsveranstaltungen nicht nur an Sondereinrichtungen, sondern auch an Regelschulen, an welchen Integration sehgeschädigter Schülerinnen und Schüler durchgeführt wird, könnten eine Möglichkeit sein. Auf jeden Fall aber wurde die Produktion von Informationskassetten für Schüler/innen bzw. für Studienanfänger/innen beschlossen. Solche Kassetten sollten attraktiv und zugleich informativ aufgemacht sein. Mehrere Anwesende fanden sich bereit, in Zusammenarbeit mit dem zukünftigen Leitungsteam und dem DVBS eine solche Informationskassette zu erstellen.
Einen weiteren Schwerpunkt des Seminars bildete das Thema "Internet". Die Anwesenden teilten sich in zwei Gruppen ein. Während die eine Gruppe, die Gruppe der Anfänger/innen, in erster Linie darüber informiert wurde, worum es sich beim Internet eigentlich handelt und welche Möglichkeiten es bietet, diskutierte die Gruppe der Fortgeschrittenen die ganz spezifischen Probleme von blinden und sehbehinderten Usern, Anwendbarkeit von Programmen usw. Die Befassung des Seminars mit der Nutzung des Internets für sehgeschädigte Personen erfolgte nicht zuletzt deshalb, da die Einrichtung einer sog. Homepage des DVBS zur Diskussion steht. Mittels einer solchen Homepage könnte ein Informations- und Diskussionsforum im Internet geboten sein, wie dies andere Blindenorganisationen, beispielsweise in England, bereits anbieten. Die Referenten hatten Auszüge aus Internet-Seiten kopiert und führten vor, wie Textseiten gestaltet sind und mit einer Braille-Zeile gelesen werden können. In der anschließenden Diskussion wurde die Einrichtung einer Homepage befürwortet; ein solches Forum könnte auch den Kontakt und Erfahrungsaustausch der regionalen Ansprechpartner/innen fördern.
Die letzten Tagesordnungspunkte mußten aus Zeitgründen sehr kurz abgehandelt werden. Ein Teilnehmer berichtete über seine Studienerfahrungen in England. Nachdem er über die verschiedenen Studienabschlüsse gesprochen hatte, berichtete er von den Unterstützungsmöglichkeiten für blinde und sehbehinderte Studierende. Er schilderte sowohl positive als auch negative Erfahrungen. Von den Anwesenden hatten bereits einige einen studienbedingten Auslandsaufenthalt absolviert, und allgemein wurde für ein solches Unterfangen plädiert. Ein studienbedingter Auslandsaufenthalt erfordert allerdings einen sehr hohen Organisationsaufwand, der schon im Vorfeld anfängt; zugleich sind ein Höchstmaß an Flexibilität und Mobilität notwendig, was aber durchaus sinnvoll sein kann. Zu solchen organisatorischen Angelegenheiten gehört beispielsweise herauszufinden, welche im Ausland erbrachten Leistungsnachweise hierzulande anerkannt werden und umgekehrt. Ebenso: Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es im jeweiligen Gastland für Studierende mit Sehschädigungen- Gibt es Beziehungen, über welche ein Auslandsaufenthalt zustandekommen kann- Und wie kann ein solches Unternehmen finanziert werden- Hierbei sollten auch Fördermöglichkeiten durch europäische Austauschprogramme wie beispielsweise Sokrates (ehemals Erasmus) eruiert werden.
In diesem Zusammenhang wurde auch der seit einiger Zeit diskutierte "europäische Schwerbehindertenausweis" angesprochen. Diesbezüglich hat sich zum Zeitpunkt der Tagung noch wenig bewegt. Ein europäischer Schwerbehindertenausweis soll gewährleisten, daß schwerbehinderte Menschen, die sich im Ausland aufhalten, die jeweiligen Rechte in Anspruch nehmen können, die im Gastland für schwerbehinderte Personen bestehen. Eine solche Inanspruchnahme ist bislang noch nicht uneingeschränkt möglich. Da die Debatten auf politischer Ebene bisher so langsam vorangehen, könnte, so die Überlegung, ein gerichtliches Erstreiten Abhilfe schaffen und die Angelegenheit vorantreiben.
Auch die Fachgruppe "Ausbildung" diskutierte im Anschluß das vielbesprochene Thema des Beitritts zu der Arbeitsgemeinschaft von Humangenetikern und Selbsthilfegruppen. Die Referentin Sigrid Angermann informierte über Gründung und mögliche Ziele dieser Arbeitsgemeinschaft. Zugleich erwähnte sie Vor- und Nachteile eines Beitritts des DVBS. Im Anschluß an eine kurze Diskussion erfolgte die Abstimmung. Auch wenn über einen möglichen Beitritt des DVBS längst entschieden wurde, soll hier nicht unerwähnt bleiben, daß sich die Teilnehmenden des Seminars mit 13 zu 8 bei einer Enthaltung gegen den Beitritt aussprachen.
Zum Schluß standen Neuwahlen an, da die gesamte Fachgruppenleitung zurückzutreten beabsichtigte. Es wurden gewählt:
Patricia Ahrend, Marburg; (einstimmig)
Andreas Müller, Thannhausen; (16)
Jürgen Pautz, Heidelberg; (13)
Die Redaktion des Fachgruppeninfos übernimmt ein Nicht-Leitungsteam-Mitglied, Stefan Müller, ebenfalls aus Marburg.
In der Seminarkritik wurde einmal mehr bemängelt, daß ein rollstuhlunzugängliches Tagungshaus gewählt worden war. Die Fachgruppe faßte den Beschluß, zukünftig ausschließlich in rollstuhlgerechten Häusern zu tagen. Der DVBS ist seit einiger Zeit auf der Suche nach preisgünstigen, rollstuhlzugänglichen Tagungshäusern, die möglichst zentral gelegen sind.
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