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"Mit rasendem Applaus feierten die zahlreichen Schüler, Lehrer, Mitarbeiter und Gäste die Ankunft des Bundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog auf dem Gelände der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg." (Sonntag-Morgenmagazin vom 22.6.1997).
Es war ein herausragender Tag in der über 80jährigen Geschichte der Einrichtung. Dies zeigte sich auch in der Präsenz zahlreicher prominenter Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Neben dem Kanzleramtsminister Friedrich Bohl, dem Hessischen Kultusminister Hartmut Holzapfel und dem Staatssekretär Norbert Schüren waren auch der Landrat des Landkreises Marburg-Biedenkopf Robert Fischbach und der Oberbürgermeister der Stadt Marburg Dietrich Möller aus Anlaß des Besuches des Herrn Bundespräsidenten in der Deutschen Blindenstudienanstalt anwesend.
Nach "Standing Ovations" begrüßte der Vorsitzende der Blindenstudienanstalt Paul Marx den Bundespräsidenten. Prof. Herzog betonte in seinem kurzen Grußwort, daß es für ihn sehr viel wichtiger sei, zu hören und zu sehen, was bei den Menschen los sei, und dies gelte natürlich ganz besonders für eine so berühmte Einrichtung wie die Blindenstudienanstalt. Ein Volk werde daran gemessen, "wie Behinderten geholfen wird und wie verstanden wird, daß eigentlich jeder von uns irgendwo behindert ist". Dieser Besuch sei für ihn sehr wichtig, und er ermutigte Vorstand, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch "diejenigen, die gelegentlich einen Scheck abliefern": "Machen Sie weiter so!"
Die Schülerin Anja Pfaffenzeller und der Schüler Thorsten Büchner begleiteten den Bundespräsidenten bei einem Rundgang durch die Einrichtung. An verschiedenen Ständen informierten Schülerinnen und Schüler über besondere Unterrichtsformen, über das Schreiben und Lesen der Brailleschrift, über moderne blindentechnische Hilfsmittel, die in einem Entwicklungslabor der Carl-Strehl-Schule konzipiert und hergestellt werden, sowie über den Zugang zu Informationen über E-mail und Internet, die - entsprechend adaptiert - in Blindenschrift oder in synthetischer Sprache abgerufen werden können.
Zwei besondere "Highlights" dürfen nicht unerwähnt bleiben: Der Bundespräsident begab sich mit Anja und Thorsten in das Dunkelcafe. Die von den Museen Wilnsdorf zur Verfügung gestellten Replikate des Tut anch Amun und der Isis sollten vom Bundespräsidenten durch Ertasten erkannt werden. Humorvoll berichtete Prof. Herzog nach dem Aufenthalt im Dunkelcafe: "Den Tut anch Amun habe ich gleich erkannt - bei der Isis dachte ich nach längerem Tasten, es sei ein Indianer." Blinde Schülerinnen und Schüler bedienten den Herrn Bundespräsidenten im Dunkeln, der sich in diesem speziellen Cafe sichtlich wohlfühlte.
- Trotz der drängenden Zeit - es war noch ein Gespräch mit Schülern in der schönen Atmosphäre des "Kunstflurs der Carl-Strehl-Schule" vorgesehen - ließ es sich der Bundespräsident nicht nehmen, mit den Worten: "Natürlich spreche ich noch mit den Schülerinnen und Schülern! Die erwarten mich doch." Er löste sich von seinen "Begleitern", trat zu der Schülergruppe und nahm sich Zeit für das Gespräch.
Dann allerdings mußte er sich dem Protokoll beugen, das ihn zu seinem nächsten Termin zwang. Der Hubschrauber wartete. Wir konnten seinen Weiterflug über dem Gelände der Deutschen Blindenstudienanstalt sehen und hören.
Der für die Deutsche Blindenstudienanstalt historisch wohl bedeutsamste Besuch wird allen, die ihn miterleben durften, in guter Erinnerung bleiben. Wir konnten den höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland hier willkommenheißen. Wir erlebten einen Bundespräsidenten, der auf Menschen zuging, der Humor hat, der viel Verständnis für die Belange von Blinden und Sehbehinderten zeigte und dessen Aussagen überzeugten.
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