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Auch in diesem Jahr wurden wieder viele Besucher durch die EDV- Ausstellung der Rehabilitationseinrichtung für Sehgeschädigte (RES) nach Marburg gelockt. Sie fand am 3. und 4. Juli in der großen Turnhalle der Deutschen Blindenstudienanstalt statt. Für blinde und sehbehinderte PC-Begeisterte, für Kostenträger, für Pädagogen und auch für die Hersteller ist diese Ausstellung mittlerweile zum festen Termin in der Jahresplanung geworden. So wundert es nicht, daß die Resonanz sowohl seitens der Besucher als auch der beteiligten Firmen nach Abschluß der Veranstaltung wieder durchweg positiv war und sich viele mit den Worten "bis zum nächsten Jahr" verabschiedeten.
Die Highlights in diesem Jahr waren sicherlich die ersten Windows-95-Lösungen, die Möglichkeiten der Spracheingabe und die Arbeit mit elektronischen Blindenhilfsmitteln im sagenumwobenen Internet.
Bezüglich Windows 95 scheint es, daß erfreulicher- und auch erstaunlicherweise, zumindest wenn man die Befürchtungen im Vorfeld betrachtet, sich arbeitstechnische Vorteile für Blinde und Sehbehinderte gegenüber Windows 3.x ergeben werden. Ob sich dieser erste Eindruck bestätigen wird, werden die ersten Schulungen und Arbeitsplatzausstattung mit diesem Betriebssystem zeigen müssen. Auf jeden Fall ist aber ein wichtiger Schritt in Richtung beruflicher Integration Sehgeschädigter in der EDV-Welt getan. Besonders in diesem Zusammenhang muß auch erwähnt werden, daß zum ersten Mal das bereits oftmals angekündigte Protalk 32 für Windows NT in Marburg zu bestaunen war. In der vorgestellten Version war noch keine Sprachausgabe eingebunden, aber die ersten Eindrücke auf der Braillezeile waren vielversprechend. Wenn sich das 32-Bit-Betriebssystem der Firma Microsoft, wie allgemein erwartet, sich als langfristiger Standard in der Arbeitswelt durchsetzen wird, ist eine hilfsmitteltechnische Erschließung für Sehgeschädigte unbedingt notwendig. Eine langfristige Gültigkeit dieses Standards wird aber auch die Entwicklungsabteilungen der Hersteller aufatmen lassen.
Bequem im Bürostuhl sitzen - in ein Mikrofon sprechen - und der PC schreibt! Auch das war auf der Ausstellung zu sehen. Die Spracheingabe als Diktiersystem und zur Programmsteuerung wurde unter dem IBM-Betriebssystem OS/2 4.0 vorgeführt. Erstaunlich ist hierbei der Preis. Das Diktierprogramm Voicetype ist im Betriebssystem OS/2, das ca. 450,00 DM kostet, integriert. Hinzu kommen natürlich noch die Ausgaben für die hilfsmittel. Ein anderes derartiges System unter Windows wird zwar von verschiedenen Hilfsmittelfirmen angeboten, wurde aber leider nicht in Marburg gezeigt. Die Zukunft wird zeigen müssen, inwieweit die Spracheingabe ein sinnvolles Hilfsmittel auch für blinde und sehbehinderte Computernutzer sein kann. Sehr vorteilhaft ist sicherlich, daß es sich nicht um eine behinderungsspezifische Lösung handelt, und hierdurch eine rasche Weiterentwicklung und sogar noch eine weitere Abwärtsbewegung bei der Preisgestaltung zu erwarten sind.
Der Internetzugang für Sehgeschädigte wurde ausschließlich unter grafischen Betriebssystemen mit den handelsüblichen Browsern vorgeführt. Andere Produkte, die entweder unter MS-DOS laufen oder für Blinde speziell entwickelt wurden, fanden keine Berücksichtigung bei den Herstellern. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß das "Surfen" nach einer geeigneten Schulung mit allen gezeigten Hilfsmitteln grundsätzlich möglich ist, aber auch alle Produkte in einzelnen Bereichen, wie beispielsweise in der Verarbeitung von sogenannten Frames, noch Schwierigkeiten aufweisen. Aber auch hier wird die Hilfsmitteltechnik Fortschritte machen. Zu befürchten ist jedoch, daß wieder einmal die allgemeine EDV-Entwicklung noch schneller sein wird.
Dieser kurze "Gang" über die EDV-Ausstellung 1997 der RES kann nicht alle Produkte berücksichtigen, die eigentlich auch Aufmerksamkeit verdienen. Jeder Hersteller hatte Neuentwicklungen oder verbesserte Produkte für den interessierten Besucher im Angebot. Aber vielleicht hat dieser Bericht das Interesse bei Ihnen gewckt, und Sie können sicher sein, daß wir auch im nächsten Jahr uns bemühen werden, eine aktraktive Ausstellung unseren Gästen zu bieten. Das EDV-Team freut sich auf Ihren Besuch und sagt ebenfalls: "Bis zum nächsten Jahr".
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