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Christian Seuß: Meine Erfahrungen als blinder Vater - ein Zwischenbericht

Inhaltsübersicht

I. Einleitung

1. Vorbemerkung

2. Partner-Konstellation

3. Kinderwunsch

4. Das erste Kind

5. Das zweite Kind

II. Baby-Alter

1. Geburt

2. Die erste Zeit

3. Spielen

4. Problematisch

III. Erste Unternehmungen von Vater und Sohn

1. Bescheidener Anfang

2. An jeder Hand einen

IV. Behinderungsbedingte Möglichkeiten und Grenzen

1. Möglichkeiten

2. Grenzen

3. Empfindungen unserer Kinder zu meiner Behinderung

V. Erfahrungen mit der Umwelt

VI. Ausblick

I. Einleitung

1. Vorbemerkung

Ich schreibe diesen Zwischenbericht im Rückblick auf fast acht Jahre Elternschaft. Er ist eine sehr persönlich gehaltene Schilderung, die nur begrenzt für vergleichbare Familien gelten. Ich weiß, daß es kaum Erfahrungsberichte von blinden oder sehbehinderten Eltern gibt und daß sich junge Leute fragen, ob sie als Blinde oder Sehbehinderte den Anforderungen einer Elternschaft gewachsen sind.

2. Partnerkonstellation

Um gewisse Probleme richtig einschätzen und nachvollziehen zu können, möchte ich kurz auf unsere Partnerschaftskonstellation eingehen: meine Frau ist stark sehbehindert, und ich bin seit meinem 18. Lebensjahr völlig blind; zuvor hatte ich noch einen winzigen Sehrest.

Über ein eigenes Auto verfügen wir nicht. Wir leben jetzt in Gröbenzell (18 S-Bahn-Minuten vom Münchner Hauptbahnhof entfernt) in einem Reihenhäuschen.

3. Kinderwunsch

Als wir 1988 geheiratet haben, hatten wir beide den großen Wunsch, Kinder zu haben. Genetische Beratung nahmen wir nicht in Anspruch; wir haben uns nie intensiv darüber Gedanken gemacht. Wir rechneten nicht mit genetischen Problemen.

4. Das erste Kind

Am 30. Juli 1989 kam unser Maximilian zur Welt. Abgesehen von der nicht seltenen Neugeborenengelbsucht war alles in Ordnung. In den ersten vier bis fünf Wochen hatten wir die üblichen Anpassungsschwierigkeiten und Unsicherheiten, die viele Eltern beim ersten Kind haben.

Geschockt waren wir nach der U-3-Untersuchung, als uns die Kinderärztin mitteilte, daß unser Maxl getrübte Linsen habe und wir sofort in die Augenklinik gehen sollten. Drei Tage später wurde bereits das erste Auge und eine Woche später das zweite operiert. Die getrübten Linsen wurden entfernt. Noch während der Operation wurden Größe und Form der Kontaktlinse ausgemessen. Mit knapp 8 Wochen bekam unser Maximilian seine ersten Kontaktlinsen, die bei uns heute noch liebevoll "Linsli" genannt werden. Wie viele Linsen zwischenzeitlich zu klein, verloren oder kaputt gegangen sind, vermag ich nicht zu sagen. Die ersten Jahre waren für alle Beteiligten - vor allem für meine Frau und Maxl - sehr hart. Zwischenzeitlich erfolgte der Wechsel von weichen auf harte Linsen. Maximilian ist jetzt als 7jähriger in der Lage, "seine Linsli" selbst am Morgen einzusetzen und abends herauszunehmen. Das Reinigen und eine gewisse Kontrolle werden von meiner Frau gemacht. Sie kann diese Tätigkeiten als Sehbehinderte erledigen; ich muß hier meine Grenzen eingestehen.

5. Das zweite Kind

Nachdem sich unser Maximilian erfreulich gut entwickelte und wir eigentlich kein Einzelkind wollten, haben wir uns bewußt noch ein zweites Mal für ein Kind entschieden. Am 1. Dezember 1991 wurde unser Constantin - übrigens als Hausgeburt bei uns im Wohnzimmer - geboren. Natürlich hatten wir diesmal konkret gewußt, daß er vielleicht wieder angeborenen Grauen Star haben könnte; dieses Risiko nahmen wir freilich in Kauf. Vier Tage nach der Geburt gingen wir in die Augenklinik. Das Resultat war wieder das gleiche wie bei Maxl. Die gleiche Prozedur - Operation an beiden Augen ... - war unvermeidbar.

Constantin ist jetzt fünf, trägt noch weiche Kontaktlinsen und macht "seine Linsli" inzwischen oft selbst heraus. Das Einsetzen kann er noch nicht; dazu braucht er die Hilfe meiner Frau.

II. Baby-Alter

1. Geburt

Von Anfang an hatte ich einen sehr engen Kontakt zu meinen Buben. Ich hatte das Glück, bei beiden Geburten dabei sein zu können (beide sind am Sonntag geboren). Jeden habe ich abgenabelt und dann gebadet. Daß ich gerade bei Maximilian sehr unsicher war, wie ich ihn am besten halten soll, möchte ich nicht verschweigen. Mit Hilfe der Hebamme ging alles gut.

2. Die erste Zeit

Mit der Zeit gewann ich an Sicherheit. Übung macht den Meister! Als Blinder bekommt man rasch das Gespür dafür, wie man das Baby halten muß, damit es sich wohlfühlt und damit vor allem das Köpfchen nicht herunterfällt. Etwas unsicher sind - so denke ich - alle Eltern bei ihren Babys, vor allem beim ersten Kind.

Zum Windeln wechseln und Saubermachen bevorzugte ich die Badewanne. Diese Tätigkeiten fielen mir leichter, als die Kinder selbständig sitzen und später dann stehen konnten.

Körperkontakt war mir - da Blickkontakt nicht möglich ist - immer sehr wichtig. Kuscheln am Morgen und am Abend vor dem Schlafengehen, miteinander baden, Ringkämpfe oder sportliche Betätigung gehörten und gehören bis heute dazu. Unseren Maxl habe ich viel getragen; das war später bei Constantin so ausgeprägt nicht mehr möglich, weil der Bruder-Neid zu groß gewesen wäre.

3. Spielen

Innerhalb der Wohnung konnte ich mit den Buben durchaus spielen. Das Bauen mit Holzklötzen oder Duplo-Steinen konnte ich gut begleiten. Erst später kam einmal der Vorwurf, daß meine Häuser, Schiffe oder Flugzeuge immer so kunterbunt seien und nicht nach Farben geordnet.

Viel Freude hatten wir auch beim Singen und Musizieren oder beim Kasperltheaterspiel oder beim Bücher- und Märchenvorlesen bzw. Geschichten erfinden. Wir versuchten, daß die Bücher möglichst in Schwarzschrift (mit Bildern) und in Blindenschrift vorhanden sind.

Hilfreich waren und sind speziell für Blinde angepaßte Brett- und Kartenspiele. Einmal haben wir ein Buch - "Mein kleiner Kinder-Brockhaus" in Blindenschrift (mit durchsichtiger Selbstklebefolie) beschriftet. Das war für mich sehr schön, weil ich Maximilian die Bilder erläutern konnte. Leider hat unser Maxl seinen Brockhaus dann zerrissen.

Besonderen Spaß brachte uns ein gepolsterter, mit raschelndem Material gefüllter Ball. Da ich den Ball hören konnte, und weil er schön weich ist, kam er bei den Kindern genauso gut an wie bei mir. Außerdem richtet er so schnell keine Schäden an. Noch heute spielen wir des öfteren im Haus mit diesem "Raschlball".

4. Problematisch

Schwierig war es für mich am Anfang, als die Kinder noch nicht sprechen konnten, ihre Bedürfnisse zu erkennen. Hier hat der Sehende und auch der Sehbehinderte schon erhebliche Vorteile. Besondere Probleme haben sich in der Praxis nicht ergeben.

Etwas enttäuscht war unser Maximilian, daß ich ihm beim Puzzle-Spielen, was er schon als 2jähriger mit Leidenschaft machte, nicht helfen konnte.

Nicht ganz einfach war auch das gemeinsame Malen. Ich konnte zwar einfache Dinge aufzeichnen und mit Worten begleiten (z. B. "Der Mond ist rund, der Mond ist rund, er hat zwei Augen, Nas" und Mund"), aber die fehlende optische Kontrolle verhindert allzu große Freude.

Vermißt habe ich in der Baby-Zeit als blinder Vater, daß ich nicht - wie andere Väter - einmal allein mit dem Kinderwagen und meinem Kind unterwegs sein konnte. Mit dem Langstock durch den Olympiapark - das wäre mir viel zu gefährlich gewesen. Der Streß und die Angst hätten jeglichen Vater-Stolz überlagert.

III. Erste Unternehmungen von Vater und Sohn

1. Bescheidener Anfang

Erst als Maximilian knapp drei Jahre alt war, wagten wir erste kleine gemeinsame Unternehmungen. Wir wohnten damals in einem Hochhaus. Erste gemeinsame Aktivitäten waren Gänge zum Müllschlucker (auf dem Flur), zum Briefkasten im Erdgeschoß) oder zum Getränkeverkauf (einmal in der Woche im Keller).

Dann folgten erste kleine Ausflüge in den Olympiapark (eine Straße mußte nicht überquert werden) oder zum Spielplatz. Meinen weißen Blindenstock hatte ich immer dabei. Solange ich Maxl an der Hand hatte und Wege ging, die mir geläufig waren, hatte ich keine besonderen Bedenken. Schwieriger war das schon am Spielplatz. Hier bestand die Gefahr, daß er sich von mir unbemerkt entfernen könnte. Ich habe ihm deshalb vorher eingeschärft, er dürfe keinesfalls von mir weggehen und er müsse, wenn ich ihn rufe, immer etwas sagen. Darüber hinaus begab ich mich möglichst nahe ins Geschehen. Bei der Rutschbahn rutschte ich am Anfang mit ihm oder stellte mich unten an die Bahn, so daß ich über das Gehör mitbekam, wo er sich gerade aufhielt. Beim Sandburgen bauen war ich - schon aus Eigeninteresse - immer aktiv dabei. Es war mir egal, was andere Leute dachten oder denken. Noch heute ist es für mich auf dem Spielplatz nur interessant, wenn ich irgendwie aktiv eingebunden bin; das kann selbstverständlich auch einmal ein netter Plausch mit anderen Eltern sein.

2. An jeder Hand einen

Eine neue Dimension kam hinzu, als unser Constantin größer wurde. Nun wollte auch Conni mit und ich mußte auf zwei aufpassen. Das bedeutete in der Regel - zumindest außer Haus - einen an der rechten und den anderen an der linken Hand. Es galt natürlich jetzt erst recht die Regel "Nicht wegrennen und immer schön bei Papa bleiben."

Auch wenn die Umwelt nicht besonders blindenfreundlich eingerichtet ist, landet man ab und zu einen Glückstreffer. So gab es am Rande des Olympiaparks eine kleine Wiese, die für mich gut geeignet war. Beide Längsseiten der Rasenfläche waren mit einer leichten Anhöhe umgeben, so daß ich die Feldbegrenzung gut wahrnehmen und mit unseren Buben auch einmal richtig um die Wette rennen konnte. Eine vergleichbare Wiese in näherer Umgebung gibt es jetzt in Gröbenzell, wo wir seit zweieinhalb Jahren wohnen, leider nicht. Demgegenüber hat diese 18.000-Einwohner-Gemeinde im Vergleich zur Großstadt den Vorteil, daß der Ort überschaubar ist und daß es noch kleine Läden gibt. Rasch war es möglich, neue gemeinsame Aktivitäten zu starten: gemeinsam zum Bäcker oder zum Spielzeugladen oder auch zum Supermarkt. Hier war und ist es für meine Kinder interessant, weil sie aktiv am Einkaufsgeschehen mitwirken können. Natürlich schmuggeln sie auch einmal eine Süßigkeit hinein, was ich erst nach der Kasse beim Einpacken feststelle. Das ist aber - solange es nicht übertrieben wird - in Ordnung und hält die Jungs bei Laune.

Maximilian ist seit September 1996 in der Schule. Schön ist es für ihn und mich, daß sich sein Schulweg weitgehend mit meinem Arbeitsweg deckt. Auch wenn er einen Spezl in der Nachbarschaft hat und ich meinen Weg allein schaffe, möchte er es zur Zeit sehr oft, daß ich mit ihm mitgehe. Das empfinde ich als große innere Freude und Bereicherung.

IV. Behinderungsbedingte Möglichkeiten und Grenzen

1. Möglichkeiten

Als voll berufstätiger Vater, der des öfteren auch an Samstagen unterwegs ist, ist mir klar, daß meine Buben und meine Frau gewisse Entbehrungen verkraften müssen. Das ist freilich eine Tatsache, die nichts mit der Behinderung zu tun hat.

Ich stelle bewußt seit fast acht Jahren eigene Hobbys zurück, um in der verbleibenden Zeit für die Familie da zu sein.

Ich probiere es nicht, möglichst das Gleiche wie sehende Väter bieten zu können. Dabei ist mir natürlich bewußt, daß nicht jeder sehende Vater seinen Kindern alles ermöglichen kann. Für sinnvoll halte ich es, daß unsere Kinder bestimmte Unternehmungen, für die man gut sehen oder ein Auto haben muß, mit anderen Leuten (z. B. Opa und Oma, Verwandte oder Freunde) machen.

Ich versuche, meine persönlichen Fähigkeiten und Neigungen bei der Erziehung unserer Kinder einzubringen. "Der Papa zum Anfassen", der verständnisvolle Ratgeber und Freund, der Geschichtenerzähler, das sind einige Stichworte dafür, was ich meine.

Ich möchte meine Buben nicht von Dingen fernhalten, die mir nicht unmittelbar zugänglich sind. Für mich ist Fernsehen kein Tabu; so gehört "Die Sendung mit der Maus" zum Sonntagsprogramm unserer Familie.

Unsere Buben haben schon ein Gespür dafür entwickelt, wann sie mir "stumme Bilder" beschreiben müssen. Wenn Fußballspiele live im Fernsehen kommen - wie im vergangenen Jahr bei der Europa-Meisterschaft -, dann sitzen wir auch alle vor der "Glotze" und schalten zusätzlich den Radioton an.

2. Grenzen

Gelegentlich setzt die Blindheit freilich schmerzliche Grenzen:

So bin ich schon traurig darüber, daß ich die Kinder nicht sehen und beim Spielen oder bei anderen Gelegenheiten einfach einmal beobachten kann.

Viele Aktivitäten, die ich gerne mit ihnen unternehmen würde, kann ich allein mit ihnen nicht machen. Drachensteigen oder Fußballspielen werden schnell zu Frustrationserlebnissen, wenn man als Blinder wenig dazu beitragen kann.

Grenzen sind auch bei der Mobilität gesetzt. Beide fahren inzwischen Fahrrad; damit ist ihr persönlicher Aktionsradius noch wesentlich größer geworden. Damit wir zumindest etwas mobiler werden, haben wir uns vor zwei Jahren ein Tandem gekauft und legen damit gewisse Wegstrecken - wie etwa zum "Olchinger See" gemeinsam mit den Kindern zurück.

Neuerliche Grenzen ergeben sich bei mir, was die Überwachung der Schulaufgaben angeht. Eine gewisse Begleitung ist mir möglich, indem ich Maxl z. B. beim Vorlesen zuhöre oder mit ihm das Kopfrechnen übe.

3. Empfindungen der Kinder zu meiner Behinderung

Und wie empfinden die Kinder meine Behinderung- Das kommt ganz auf den Moment an. Sicher sind sie manchmal sauer und traurig, daß ich nicht sehen kann. Beide haben, als sie etwa drei Jahre alt waren oft gefragt: "Papa, bist Du blind, und warum bist Du blind-" Ich bin diesen Fragen nicht ausgewichen, sondern habe versucht, offene und ehrliche Antworten zu geben. Es läßt sich nun einfach nicht leugnen, daß ich blind bin und deshalb mit dem weißen Stock gehen muß.

Selbstverständlich haben sie auch ausgetestet, wo meine Grenzen sind und behaupten gelegentlich, daß das Licht ausgeschaltet ist, obwohl es nicht stimmt. Wenn sie mir absolut nicht glauben wollen, dann hole ich meinen Lichttester hervor und beweise ihnen, daß sie mich austricksen wollten.

Bei einem Weg, den ich kenne, sagen sie auch hin und wieder: "Papa, jetzt müssen wir nicht mit dir gehen. Du kennst den Weg ja und hast Deinen Stock dabei." Ich kann ihnen dann einfach Recht geben oder ihnen sagen, daß es mir gerade lieber ist, wenn sie mit mir gehen.

V. Erfahrungen mit der Umwelt

Einmal ist es mir passiert, daß sie im Kreis anderer Spielkameraden mir "blinde Kuh" nachriefen. Das hat mich persönlich sehr verletzt, und ich habe ihnen das hinterher auch klar und deutlich gesagt.

Bei einem Arztbesuch passierte es mir, daß die Sprechstundenhilfe nicht mich, sondern den 5jährigen Maximilian nach meinen persönlichen Angaben fragen wollte.

Die meisten Freunde unserer Burschen, die zu uns kommen, gehen sehr natürlich mit mir und meiner Behinderung um. Das gilt im besonderen Maß auch für meine Nichten und Neffen.

Maximilian und Constantin nehmen im Alltag nicht ständig Rücksicht auf mich. Sie lassen durchaus Dinge - wie andere Kinder auch - im Weg stehen oder haben keine Lust, mit mir irgendwo hinzugehen. Das akzeptiere ich, weil es meiner Ansicht nach ungünstig wäre, die Kinder zu stark in die Pflicht zu nehmen.

Im täglichen Umgang stelle ich immer wieder fest, wie geschickt sie sich oft verhalten; so nehmen sie etwa einfach meine Hand und legen sie auf den Gegenstand, den ich suche, oder beschreiben spontan, was sich nach dem Uhrzeiger-Prinzip wo auf meinem Teller befindet.

VI. Ausblick

Meine Kinder sind seit Geburt damit konfrontiert, daß sie einen blinden Vater haben. Sie haben damit einen Vater, der schon wegen der Behinderung gewisse Bereiche nicht abdecken kann. Teilweise können Defizite durch Verwandte, Freunde oder Bekannte kompensiert werden.

Andererseits haben sie auch die Chance, von Anfang an einen "normalen" Umgang mit behinderten Menschen zu praktizieren und festzustellen, daß auch ein blinder Papa okay sein kann. Die harten Jahre des Vergleichens werden vielleicht noch kommen; es kann sein, daß sich unsere Buben dann einmal sehr einen Vater wünschen, der Autofahren, Fußballspielen oder toll Hobbywerken kann. Vielleicht kommt auch eine Zeit, in der sie große Probleme haben, zusammen mit dem blinden Vater in der Öffentlichkeit aufzufallen.

Ich wünsche mir, daß ich dann die Kraft habe, daß ich diese Haltung verstehen und akzeptieren kann.

Ich vertraue auf das gute Fundament, das in den letzten Jahren gelegt wurde, auf die offene und vertrauensvolle Beziehung, die letztlich gar nichts damit zu tun hat, ob Eltern sehen können oder nicht. Alters- oder situationsbedingte Auseinandersetzungen sind ja auch etwas "normales" im Laufe des Heranwachsens von Kindern.

Ich hoffe, daß ich in den nächsten Jahren mit den Buben weitere Unternehmungen - wie etwa Schwimmengehen, Boot fahren, Wandern oder Ausflüge - machen kann.

Als Zwischenfazit möchte ich sagen: Kinder anvertraut zu bekommen, ist etwas wunderschönes. Ich kenne nichts Überwältigenderes als Vater zu werden oder Freude mit Kindern erleben zu können. Andererseits bringt die Elternschaft das Zurückstellen persönlicher Interessen, enorme Anstrengungen, Ängste und Sorgen mit sich. Als blinder Vater muß ich des öfteren erfahren, daß mir die Behinderung vor allem im außerhäuslichen Bereich Grenzen setzt. Das sollte man allerdings nicht überbewerten. Für mich überwiegen die positiven Aspekte die negativen erheblich. Ich hoffe, daß ich in weiteren acht Jahren zu der gleichen Beurteilung komme.

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