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(Originalvortrag "Braille - an indispensable requirement for the teaching and education of the blind" gehalten beim Europäischen Seminar "Braille as an Fundamental Factor of Equal Opportunities for the Blind in Access to Information", organisiert vom Italienischen Blindenverband in Kooperation mit der Europäischen Blindenunion am 10. Oktober 1997 in Giardini Naxos/Sizilien)
Meine Damen und Herren,
zunächst bedanke ich mich für die Einladung zu dieser Konferenz und für die Gelegenheit, zu diesem so wichtigen Thema hier sprechen zu dürfen.
Ich arbeite seit fast dreißig Jahren mit blinden Menschen zusammen, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ich war fünf Jahre lang Lehrer an einer Grundschule für Blinde in Würzburg, habe dann die Leitung der Blindeninstitutsstiftung in Würzburg übernommen und bin seit 1978 Direktor der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg.
Marburg hat sich immer, auch zu Zeiten meiner Vorgänger Prof. Dr. Carl Strehl, Dr. Horst Geißler und Direktor Schenk für die Brailleschrift eingesetzt. Die "Marburger Systematiken der Blindenschrift" waren und sind im deutschsprachigen Bereich richtungweisend.
Bereits im Juni 1983 habe ich anläßlich einer Konferenz in Triest zum Thema "Hat das Braillebuch eine Zukunft-" gesprochen. Ich habe mich damals mit dieser Frage auseinandergesetzt und tue dies heute erneut.
Nahezu 15 Jahre sind seither vergangen. Eine gigantische technische Revolution hat sich vollzogen. Ich möchte daher zunächst einen kurzen Überblick über den Stand der medialen Entwicklung geben und dann die Konsequenzen für die Schule darstellen.
Von der Entwicklung nur für Blinde zu benutzender Geräte der damaligen Zeit (z. B. Braillex, Versabraille usw.) ging die Entwicklung immer mehr hin zu adaptativer Nutzung marktüblicher Technologie. Normale, handelsübliche Computer wurden mit einer tastbaren Zeile verbunden und boten so die Möglichkeit, Normalschrift Zeile für Zeile in Braille umzuwandeln. Entsprechende Softwarepakete ermöglichen heute die direkte Übertragung in gekürzte Schriften und teilweise auch schon in Sonderschriften.
E-mail, Internet, CD ROM, Scanner, Zugriffsmöglichkeiten zu Spezialdateien über Modem oder über das Internet gehören heute vor allem bei jungen blinden und sehbehinderten Menschen zur Selbstverständlichkeit.
Zugang zu Informationen
Die Flut der auf Sehende einströmenden Information ist unüberschaubar. Fernsehen, Video, Funk, Presse, Bücher (allein auf der Frankfurter Buchmesse werden jährlich über 80000 Neuauflagen von Büchern vorgestellt), seit einiger Zeit auch Hörbücher, Werbung, Reklame sind für uns heute ständige Begleiter im täglichen Leben. Viele Quellen der Information lassen sich nicht mehr abschalten. So gehen die meisten dieser Informationen in unser Unterbewußtsein ein und sind häufig nicht mehr zu eliminieren. Wir werden, ohne es bewußt zu merken, beeinflußt und manipuliert.
Man mache sich als Sehender bei einem Gang durch eine Hauptstraße einer Großstadt einmal bewußt, was an Informationen, vor allem auch Schriftinformationen, optisch auf einen einströmt: Reklametafeln, Verkehrsschilder, Schaufenster, Reklame auf Autos, usw. Wir Sehende verarbeiten diese Fülle von Daten unbewußt, vieles verdrängen wir. Blinde Menschen können die meisten dieser Informationen nicht wahrnehmen. Nur akustische und olphaktorische Informationen erreichen den blinden Menschen auf ähnliche Weise. Taktile Wahrnehmung ist in der Regel bewußt gesteuert und somit intentional.
Der Zugang zu einer Reihe von Informationen ist für Blinde nach wie vor verschlossen oder eingeschränkt. Seit den 80er Jahren sind gewaltige Veränderungen und Fortschritte zu verzeichnen. Dies möchte ich im folgenden kurz darstellen.
Akustische Informationsquellen
Waren früher der Rundfunk und das eigens für Blinde aufgesprochene Buch der Blindenhörbücherei die wesentlichen akustischen Quellen der Information, so ermöglicht die moderne Technologie heute über die synthetische Sprachausgabe den Zugang zu allen digital gespeicherten Textinformationen. Die Entwicklung auf diesem Gebiet vollzog sich rasant. Es gibt heute ausgezeichnete synthetische Sprachausgaben in nahezu allen Sprachen.
Brailleschrift und bildhafte Darstellung
Digital gespeicherte Information kann neben der Umsetzung in gesprochene Sprache auch in Brailleschrift transformiert werden. Dateien werden auf die Festplatte des Computers oder auf einen Datenträger geladen und können entweder auf der taktilen Zeile gelesen oder mit Hilfe eines Brailledruckers zu Papier gebracht werden. Spezielle Software wurde für die Blindenkurzschrift entwickelt. Auch digitalisierte Graphiken und in begrenztem Umfang bildhafte Darstellungen können nach entsprechender Bearbeitung Blinden zugänglich gemacht werden.
Der Scanner
Der Scanner ermöglicht die automatische Digitalisierung von Texten. Eine Ausgabe in synthetischer Sprache oder die Konvertierung in die Blindenschrift mit entsprechender Kürzungssoftware ist problemlos möglich.
DAISY - ein internationales Konsortium für das digitale Hörbuch für Blinde
Was sind die Ziele des DAISY Konsortiums- Sprache zu digitalisieren ist nicht mehr neu. Radio- und Fernsehstationen nutzen diese Technik schon lange. Hörbücher sind für Blinde oft schwer handhabbar. Vor allem wissenschaftliche Bücher und Schulbücher müssen entsprechend formatiert sein. Seitenanfänge, Kapitel, Fußnoten, Stichworte sollten schnell gefunden werden. Die Bücher sollen eine klare Struktur bekommen. Man sollte "blättern" können. Die dazu notwendige Software soll im Rahmen des DAISY Projekts international standardisiert werden. Dies will - verkürzt dargestellt - das DAISY-Konsortium vorantreiben.
Spracherkennungsprogramme
International gibt es eine Reihe von Entwicklungsvorhaben, die sich mit der Spracherkennung befassen. Menschliche Sprache wird digitalisiert und erscheint auf dem Bildschirm in geschriebener Form (AR = audio recognition). Die Entwicklung steckt zwar noch in den Anfängen, erste Erfolge sind aber schon erreicht.
Zusammenfassung
Bei entsprechendem technischem Fortschritt wird es möglich sein, über Spracheingabe digitalisiert gespeicherte Texte alternativ als Hörbuch zu verwenden oder in Braille auf der taktilen Zeile darzustellen oder auf Papier in Blindenschrift auszudrucken. Der Zugang zu Informationen ist somit über die Schrift und die gesprochene Sprache möglich.
Brailleschrift - ein wesentlicher Zugang zu Informationen
Ich habe versucht, die technische und computertechnische Entwicklung und den heutigen Stand dieser Entwicklung in Kurzform darzustellen; sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ist diese Entwicklung aber nicht eher dazu angetan, die Notwendigkeit der Brailleschrift in Frage zu stellen- Jegliche digital gespeicherte Textinformation kann akustisch abgerufen werden. Der Zugang ist offen. Brauchen wir also die Brailleschrift überhaupt noch- Ich habe diese Frage 1983 in Triest eindeutig bejaht, und ich tue dies auch heute noch mit derselben Überzeugung, wie ich dies damals tat.
Digital gespeicherte Textinformation ist - und dies ist das Herausragende dieser Entwicklungen - jederzeit umsetzbar in Brailleschrift. Durch die automatischen Übertragungsmöglichkeiten aus der Normalschrift ist die Brailleschrift, so meine ich, beim Informationserwerb noch bedeutender geworden; sie ist absolut unverzichtbar.
Mit dieser Überzeugung stehe ich nicht alleine, wenn es auch im internationalen Bereich Tendenzen gab, in der Brailleschrift eine Stigmatisierung und damit der Isolation Blinder gegenüber der sehenden Mitwelt zu sehen.
Im Magazin der WBU vom August 1997 "The World Blind" fordert Serge D"Alfand vehement alles zu tun, um die Brailleschrift als wichtiges Mittel zur Kommunikation und als einen wesentlichen Zugang zur Literatur nicht nur zu erhalten, sondern zu verstärken und auszubauen. Er sagt: "Consider Braille to be an ideal and respectable system and the most suitable method currently known for the literacy process. ... Train sighted teachers with sufficient skills to teach Braille." Ich teile diese seine Auffassung voll und möchte dies im folgenden begründen.
Bildungssysteme des 21. Jahrhunderts
Die in Deutschland nahezu zwei Jahrzehnte dauernde Auseinandersetzung um die Frage integrativer oder segregierter Beschulung ist nach meiner Ansicht beendet. Es ist Konsens, daß integrierte Beschulung grundsätzlich möglich ist, daß aber gleichwertig die besondere Schule zur Verfügung stehen muß. Der Schüler/die Schülerin mit seinen/ihren Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie mit seiner/ihrer psychischen und physischen Stabilität stehen bei der Entscheidung um die richtige Schulform im Mittelpunkt. Beide alternativen Schulsysteme müssen auf die spezifischen blinden- und sehbehindertenpädagogischen Notwendigkeiten Rücksicht nehmen. Wahrnehmungspsychologische Gegebenheiten, z.B. die Erkenntnis, daß Sehen simultane, Tasten aber sukzessive Prozesse auslöst, sind in jedem der beiden Schulsysteme zu berücksichtigen. Der Faktor "Zeit" ist bei allen pädagogischen und didaktischen Intentionen zu beachten, ebenso wie die Notwendigkeit exemplarischen Lernens.
Brailleschrift und Schule
Können Sie sich einen Mathematikunterricht, einen Physik- oder Chemieunterricht auf rein akustischer Basis vorstellen- Können Sie sich vorstellen, mit Texten zu arbeiten, die nur auditiv zur Verfügung stehen- Können Sie sich vorstellen, eine fremde Sprache in Wort und Schrift zu erlernen, ohne je ein Wort geschrieben zu haben- Der sehende Schüler arbeitet mit der Schrift. Sie ist nach wie vor eines der wichtigsten Kommunikationsmittel. Er lernt sie anzuwenden, er lernt sie richtig zu schreiben. Er lernt, Wichtiges schriftlich in gegliederter Form festzuhalten.
Geschriebene Information ist nicht flüchtig. Was man unter den Fingern hat, so erzählen mir viele Blinde, prägt sich ein, ist substanziell. Richtiges Arbeiten ist nur in schriftlicher Form möglich, für blinde Schüler also nur in Brailleschrift.
Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Um mit der Fülle der Information überhaupt umgehen zu können, muß man sie strukturieren. Gliedern und strukturieren kann man vor allem bei komplizierten und umfangreichen Sachverhalten nach meiner Überzeugung nur auf dem Papier, nur über die Schrift. Dies zu lehren und zu lernen ist heute eine der wichtigsten Bildungsaufgaben der Schule. Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, Sachverhalte gegliedert und strukturiert wiederzugeben, wird bei der zunehmenden Informationsflut zu einer qualitativen Notwendigkeit und einem Prinzip, das den Unterricht allgemein in allen Fächern durchziehen muß. Struktur ist in der Schriftform (flächig, zweidimensional) mit den Händen zu erfassen. Sie prägt sich besser ein. Inhalte unterschiedlicher Herkunft zu verknüpfen, Kontext zu erkennen, also mit Informationen arbeiten zu lehren und zu lernen, ist im modernen Unterricht unverzichtbar.
Auf das Schreiben und Lesen der Brailleschrift im Unterricht mit blinden Schülerinnen und Schülern - gleichgültig in welcher Schulform - zu verzichten, hieße einem Analphabetismus Vorschub zu leisten. Es würde jegliche Bemühung um die schulische, berufliche und soziale Eingliederung ad absurdum führen.
Louis Braille war ein genialer Erfinder. Sein Schriftsystem - und dies konnte er sicherlich damals nicht ahnen - ist weltumfassend, ist sprachunabhängig und fächerunabhängig kodierbar. Die Erweiterung auf ein Achtpunktesystem macht es möglich, komplizierte mathematische Formeln und schwierige Schriftsysteme darzustellen. Für die gymnasiale Bildung an unserer Carl-Strehl-Schule ist die Brailleschrift nicht wegzudenken. Blinde Schülerinnen und Schüler, die zu uns kommen, müssen die Blindenschrift beherrschen. Dies bedeutet, daß die Grundschule, integrativ oder segregiert, das Brailleschriftsystem lehren muß. Der Blindenlehrer muß die Brailleschrift beherrschen. Dies ist eine Grundforderung! Der Unterricht, integrativ oder segregiert, muß sich den technischen Anforderungen stellen und die neuen Techniken einführen. Die Brailleschrift ist dazu eine unverzichtbare Voraussetzung. Der Einsatz des Computers setzt die Beherrschung der Brailleschrift voraus. Das Erlernen der Brailleschrift mit Tafel und Griffel ist daher, nach meiner Überzeugung, nach wie vor nicht aus dem didaktischen Konzept der Grundschule wegzudenken.
Wer heute in Deutschland beruflich erfolgreich sein will, wer das Curriculum einer Hauptschule, einer Realschule, eines Gymnasiums, einer Hochschule oder einer Universität erfolgreich absolvieren und eine berufliche Ausbildung erfolgreich durchlaufen will, kann dies nicht ohne Kenntnis der deutschen Blindenkurzschrift, nicht ohne Kenntnis der Blindenschriftsysteme der zu lernenden Fremdsprachen, nicht ohne Kenntnis der Spezialschriften: der naturwissenschaftlichen Sonderschriften oder der Musiknotenschrift, nicht ohne die Beherrschung des Umgangs mit dem Computer (hier vor allem von Textverarbeitungsprogrammen), nicht ohne gelernt zu haben, Sachverhalte schriftlich zu strukturieren. Berufliche Eingliederung, gleich ob im Handwerk, im Büro, in der Verwaltung oder in akademischen Berufen, ist ohne die Beherrschung der Brailleschrift nicht, oder zumindest nicht voll, möglich. Dies bedeutet nicht, daß neben der Brailleschrift nicht auch die akustische Perzeption von Bedeutung ist. Es kann kein "Entweder-Oder" sein, sondern ein "Sowohl als Auch". Der Nutzer selbst muß entscheiden, welche Form des Outputs für ihn in seiner spezifischen Situation die bessere ist.
Um noch einmal zu betonen, für wie bedeutungsvoll ich die Brailleschrift halte, möchte ich die von mir eingebrachte und von der Konferenz der Direktoren der deutschsprachigen Blindenbildungseinrichtungen verabschiedete Resolution zur Brailleschrift zitieren. Sie ging Ministerien, Behörden und Kostenträgern in der Bundesrepublik Deutschland zu:
Resolutionstext
siehe Marburger Beiträge 4/1996, Seite 560 ff., horus 3/96, Seite 133
Welche Konsequenzen hat dies alles für den modernen blindengemäßen Unterricht-
Die Schule muß die Notwendigkeit der modernen Technologien im Curriculum nachweisen und vom Schulträger, im Sinne der Chancengleichheit der blinden Schülerinnen und Schüler gegenüber den Nichtbehinderten, einfordern. Der Schulträger, sei es die Kommune, das Land oder ein privater Träger, muß die notwendigen Technologien zur Verfügung stellen. Die Schule muß die Curricula weiterentwickeln. Die Lehrer müssen sich fortbilden, um neuen Unterrichtsformen gerecht werden zu können. Der Schüler/die Schülerin muß frühzeitig lernen, mit den neuen Techniken umzugehen. Die oben genannten Brailleschriftsysteme müssen von der Schule gelehrt und vom Schüler gelernt werden. Die Lehrer selbst müssen zumindest die Blindenkurzschrift und das Blindenschriftsystem ihres Unterrichtsfaches beherrschen (z.B. Mathematikschrift).
In Zeiten geringer werdender finanzieller Mittel scheinen diese Forderungen kaum erfüllbar zu sein. Sie sind jedoch, will man Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit und will man Diskriminierung vermeiden, unverzichtbarer Bestandteil moderner Blindenbildung.
Was tut die Deutsche Blindenstudienanstalt in ihrer Carl-Strehl-Schule
Unterricht ohne die Beherrschung der Blindenschrift ist für unsere blinden und hochgradig sehbehinderten Schülerinnen und Schüler undenkbar. Computertechnischer Unterricht, d.h. das Lehren von Textverarbeitungs- und Tabellenprogrammen ist Bestandteil des Unterrichts. durch die Unterstützung durch das Land Hessen, von Sponsoren und Stiftungen wurde die technische Ausstattung laufend verbessert. Der notwendige Stand ist noch nicht voll erreicht. Mit der rasanten technischen Entwicklung standzuhalten, ist eine der Hauptschwierigkeiten, ist aber, will man die volle berufliche und soziale Eingliederung erreichen, unabdingbar. Einer unserer Lehrer arbeitet an der Entwicklung blindengerechter Computertechnologien in einem vom Land Hessen geförderten Gremium an maßgebender Stelle mit. Fortbildungsmöglichkeiten werden von unserer Einrichtung ermöglicht und von unseren Lehrkräften wahrgenommen. Eine Arbeitsgruppe innerhalb der Deutschen Blindenstudienanstalt beschäftigt sich mit neuen Technologien und deren Einsatz im Unterricht an unserer Carl-Strehl-Schule. Unsere Schüler und Schülerinnen haben häufig bereits eigene Computer, die sie in den Wohngruppen nutzen können. Ein Programm zur Ausstattung der Wohngruppen mit blindengerecht adaptierten PC"s hat begonnen. Eine Reihe von schwierigen Problemen ist allerdings noch zu lösen: Sonderschriften, wie etwa die Mathematikschrift oder die Physikschrift, sind weder innerhalb der Bundesrepublik Deutschland noch international standardisiert. In Deutschland gibt es nach meiner Kenntnis z.Zt. 4 Mathematiksysteme, die in den verschiedenen Schulen und Universitäten angewandt werden. Da die Marburger Systematik der Mathematikschrift vor der Einführung des Computers entwickelt wurde, ist sie natürlich nicht computergerecht. Dies in einer einheitlichen Form zu erreichen, die auch internationale Kommunikation unter den Wissenschaftlern ermöglicht, sollte das Ziel sein. Der WBU und ihren Unterorganisationen kommt hier eine wichtige Aufgabe zu. Vorschläge, wie zum Beispiel die im Bereich der Sehenden verwendete Software LATEX, die bereits international standardisiert ist, zur Übertragung in die Mathmatikbrailleschrift anzuwenden, liegen, neben den in verschiedenen Einrichtungen der Bundesrepublik verwendeten Softwarepaketen, vor.
Der Zugang zu den graphischen Oberflächen muß möglichst blindengerecht adaptiert werden. Window- und Maustechnik erschweren diesen Zugang für blinde Nutzer zunehmend. Immer kompliziertere Anwendersoftwarepakete basieren auf optischer Perzeption und sind so für Blinde schwer adaptierbar. Der Zugang zum Internet muß für Blinde offen gehalten werden. Die Suchkriterien sind für Blinde zwar nachvollziehbar, sie erfordern jedoch erheblich mehr Zeit. Probleme ergeben sich durch immer mehr bildhafte und graphische Darstellungen.
Die derzeitige Rezession in nahezu allen Ländern und die Sparpolitik erschweren und verlangsamen den Prozeß der Einführung neuer Technologien - zum Nachteil der blinden Schülerinnen und Schüler.
Zusammenfassung
Für Unterricht und Bildung im Blindenwesen ist die Brailleschrift eine unverzichtbare Kommunikationsvoraussetzung. Die moderne Computertechnologie bietet eine Fülle von Möglichkeiten, den Zugang zu jedweder Information akustisch oder über die Brailleschrift zu erleichtern. Die weltweiten Datennetze sind heute auch Blinden zugänglich und somit für den Unterricht und die Bildung nutzbar.
Gerade das Internet zeigt aber zunehmend die Probleme auf, die die neuen Technologien für den Zugang zu Informationen aufwerfen. Sie zwingen zu neuen Überlegungen bei technischen Lösungen und zu curricularer Weiterentwicklung in der Blindenbildung. Ziel aller Bemühungen muß die berufliche und soziale Integration sein. Der Nachteilsausgleich kann teilweise über die modernen Technologien erreicht werden.
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