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Von Mai bis August 1997 reist die 26-jährige Tibetologiestudentin der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Sabriye Tenberken, durch Tibet und China, um vor Ort die Möglichkeit zu erkunden, blinden tibetischen Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen. Sabriye Tenberken, die selbst blind ist, reiste im Auftrag des VFBS China e.V., dem "Verein zur Förderung blinder Schüler und Studenten in China e.V.".
Nach offiziellen Angaben gibt es in Tibet 10.000 Blinde, von denen 500 Kinder sind. Gründe für Erblindung sind starke UV-Strahlung, Staub und Ruß in den Häusern und mangelnde ärztliche Betreuung. Zur Zeit haben blinde Kinder weder einen Zugang zu einer Ausbildung noch die Möglichkeit, ins normale Leben integriert zu werden. Oft werden sie von der Familie völlig vernachlässigt. Auf einer Rundreise zu Pferd durch verschiedene tibetische Dörfer entdeckte Frau Tenberken als besonders krasses Beispiel ein vierjähriges blindes Kind, das ans Bett gefesselt war, während die Eltern arbeiten mußten. Auf diese Weise hatte das Kind nie laufen gelernt.
Bereits im Vorfeld hatte Frau Tenberken, die am Zentral-Asien-Seminar der Universität Bonn studiert, eine tibetische Blindenschrift entwickelt. Im Verlauf ihrer Rundreise nahm Frau Tenberken Kontakt zu den zuständigen chinesischen Regierungsstellen auf und holte die notwendigen Genehmigungen ein.
Das Projekt sieht vor, ab April 1998 vorerst 8 blinde Kinder in tibetischer und chinesischer Punktschrift zu unterrichten. Die Räumlichkeiten werden von einer schon existierenden Schule für körperlich behinderte Kinder in Lhasa gestellt. Dort sind die Kinder auch untergebracht. Frau Tenberken wird in den ersten Jahren dort selbst unterrichten und parallel Lehrer ausbilden, die diese Aufgabe später übernehmen können. Das Programm sieht vor, daß die Kinder ein halbes Jahr Blindenschrift lernen und Mobilitätstraining erhalten. Anschließend werden sie von den normalen Lehrern der Schule mit besonderen Unterrichtsmaterialien unterrichtet. Danach sollen sie unter Betreuung der von Frau Tenberken ausgebildeten Lehrer in die Schulen ihrer Dörfer integriert werden.
Tibetische Fibeln und Schulbücher in Blindenschrift und sonstige Materialien werden von Deutschland aus zur Verfügung gestellt. Frau Tenberken bemüht sich zur Zeit, die Finanzierung von deutscher und europäischer Seite aus zu sichern.
Weitere Informationen sowie Ton- und Bildmaterialien sind erhältlich bei:
Sabriye Tenberken, Kölnstr. 299, 53117 Bonn; Tel. und Fax: 0228/672072
Pressemitteilung vom 22. August 1997
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