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Ronald Lindner: Gruppe "Nulloptik" spielt Thornton Wilder

Premiere im Kulturladen KFZ

Marburg. Vor 90 Zuschauern zeigten die Schüler der Carl-Strehl-Schule am 18. Dezember 1997 ihre Bearbeitung eines Stückes von Thornton Wilder im Kulturladen KFZ.

Eine kleine Stadt, irgendwo in Amerika, ist der Schauplatz von Thornton Wilders Stück. In ihrer Version haben die Schüler den Ort des Geschehens nach Marburg verlegt. Auch die Handlung haben sie umgebaut. Sie schrieben die Dialoge neu und fügten ein Porträt der Stadt Marburg hinzu.

Dort spielt sich die Geschichte zweier Familien ab, deren Werdegang im Zeitraum von zwölf Jahren geschildert wird. Es gibt Rückblenden, Zeitsprünge und ein tragisches Ende: Der dritte und letzte Akt zeigt ein Treffen der verstorbenen Familienmitglieder, die auf ihr Erdendasein zurückblicken und die Verschwendung von Lebenszeit beklagen.

Ein trauriger Schluß, der Begeisterung der Zuschauer tat das jedoch keinen Abbruch. Mit langanhaltendem Applaus feierten sie die Vorstellung der Schüler. Für die Theatergruppe war es der erste Auftritt vor großem Publikum.

Seit einem halben Jahr machen die blinden und sehbehinderten Schüler Theater. Zur Seite steht ihnen dabei die Theaterpädagogin Karin Winkelsträter, mit der sie seit vier Monaten für "Die kleine Stadt" geübt haben.

Schwierig war vor allem die Orientierung auf der Bühne. Doch haben die Schüler dafür eine Methode gefunden. "Wir haben einen Teppich und Klebestreifen auf dem Boden, mit dem man sich zurechtfindet", sagt Anja Nitschke, die ebenfalls bei "Nulloptik" mitspielt.

Aus: Oberhessische Presse, 22.12.97

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