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Anja Pfaffenzeller: Spanisch - eine Sprache, viele Länder

So hieß der Kurs, an dem ich vom 17.7.-2.8.97 in Braunschweig teilnahm. Im Mittelpunkt stand einerseits die Sprache (wir bildeten eine Anfänger- und eine Fortgeschrittenengruppe) und andererseits Landeskunde zu Spanien und Lateinamerika.

Unsere Kursleiter, Carlos und Eva, sind beide Spanier und übernahmen jeweils eine Gruppe im Sprachkurs und tauschten nach der Hälfte der Zeit. Da wir vormittags und nachmittags je 1 1/2 Stunden Sprachkurs hatten, konnten wir in der kurzen Zeit sehr viel und intensiv lernen. Ich war in der Anfängergruppe und könnte mich jetzt immerhin irgendwie verständlich machen. Ich habe vor allem einen guten Eindruck von der Sprache bekommen.

Ein weiterer Bestandteil des Kurses war die Landeskunde. Jeden Tag informierten uns ein bis zwei Referate über Kultur, Geographie und Geschichte Spaniens und Lateinamerikas. Die Referate hatten wir schon vor der Akademie vorbereitet und teilten auch kurze Zusammenfassungen an alle aus. Meistens wurden zwei Referate parallel gehalten, so daß man sich ein Thema aussuchen konnte.

Nachmittags fand das kursübergreifende Angebot statt. Zum Beispiel gab es einen Chor, der für ein internes Konzert und ein Konzert in der Kirche verschiedene Lieder probte.

Abends nach der Kursarbeit gab es auch verschiedene Angebote, wie Kammermusik, Theater, Flamenco tanzen (was uns unsere Kursleiterin beizubringen versuchte) und spanische Lieder singen. Oft gab es aber auch Abendveranstaltungen wie den chemischen Abend, an dem uns der Chemiekurs seine spektakulärsten Experimente vorführte; den philosophischen Abend, an dem uns der englische Philosophiekurs einen Einblick in seine seltsamen Gedanken bot; zwei Theaterabende, zwei Konzerte und natürlich den Abschlußabend.

Der wichtigste Abend für unseren Kurs war der spanische Abend, der von uns vorbereitet wurde. Wir kochten für mehr als 100 Leute in der großen Internatsküche Paella und bereiteten Sangrìa zu, studierten spanische Lieder und Gedichte ein und übten uns im Flamenco tanzen.

Wir bekamen einen guten Eindruck des spanischen Temperaments, denn unser Kursleiter sang uns die spanischen Lieder ohne Hemmungen vor und meinte, wir bräuchten nur einfach laut mitzusingen. Unsere Kursleiterin versuchte, uns die Tanzschritte des Flamenco zu erklären und meinte, man müßte einfach "aus dem Gefühl" tanzen.

Am Ende konnten wir mit unserem Programm, das noch durch einen Sketch und zwei sehr kreative Moderatoren aufgelockert wurde, über eine Stunde füllen, und es war ein voller Erfolg. Wir bauten das entstehende Chaos gut in unsere Vorstellung mit ein, so daß die Zuschauer nicht mehr aufhören konnten, zu lachen.

Die Vorbereitungen für den spanischen Abend trugen dazu bei, dass wir uns auch nach der Kursarbeit oft trafen und viel gemeinsam unternahmen. Ich wurde von Anfang an immer überall mitgenommen und alle nahmen (nicht zuviel) Rücksicht auf mich. Auch die Kursleiter gestalteten den Unterricht so, dass ich ohne Probleme mitarbeiten konnte.

Abschließend kann ich sagen, dass die Akademie ein voller Erfolg war. Ich habe ein bißchen Spanisch gelernt, aber vor allem habe ich wichtige, sehr positive Erfahrungen mit Sehenden gemacht.

Die Erfahrung des Lernens mit Sehenden ist bestimmt sehr nützlich für die Uni. Das Wichtigste ist aber, dass ich sehr nette Leute kennengelernt und einige Freundschaften geschlossen habe. Auch zu den Kursleitern hatten wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Der Abschied fiel uns allen sehr schwer und wir hatten schon die Idee, ein Nachtreffen vielleicht in Marburg zu organisieren.

Ich habe wirklich die Hoffnung, dass der Kontakt zu vielen Kursteilnehmern bestehen bleibt, denn ich habe schon ganz viel Post bekommen und selbst sehr viel geschrieben.

Leider kann ich die Stimmung der Akademie nicht beschreiben. Man muß sie einfach miterlebt haben. Am treffendsten ist vielleicht noch die Bezeichnung "Akademie-Fieber". Es steckt jeden in kürzester Zeit an, und ich weiß noch nicht, ob und wann die Nachwirkungen wieder vergehen.

Um an der Schülerakademie teilzunehmen, braucht man vor allem Interesse und Begeisterung für ein Thema und muß bereit sein, dafür auch wirklich etwas zu tun. Für die meisten Kurse muß man schon vorher etwas vorbereiten und auch während der Akademie werden einige Anforderungen gestellt, wie zum Beispiel eine Dokumentation über die Akademie zu schreiben.

Doch wenn man wirklich interessiert ist, macht das nichts, und die Arbeit macht Spaß.

Ich habe insgesamt nur sehr interessierte, engagierte und aufgeschlossene Leute getroffen, keine Streber, wie man vielleicht denkt. Wir hatten gemeinsam, dass uns das Lernen Spaß machte und dadurch ging es auch über die normalen Kursstunden hinaus.

Ich würde sofort jedem empfehlen, an einer Schülerakademie teilzunehmen. Wer das nicht tut, ist wirklich selber schuld!

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