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DVBS-Pressemitteilung: Assistenz unterstützt Kompetenz - Blinde bangen um Eingliederung ins Arbeitsleben

"Angesichts von viereinhalb Millionen Erwerbslosen haben blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen am Arbeitsmarkt kaum eine Chance", stellt Andreas Bethke fest. Der Geschäftsführer des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) fürchtet aber auch um die berufliche Zukunft derjenigen Blinden und Sehbehinderten, die heute noch einen Job haben: "Es wird immer schwieriger, eine dauerhafte Arbeitsplatz-Assistenz finanziert zu bekommen."

Am 21. Mai veranstaltet der DVBS in Marburg eine bundesweite Fachtagung zum Thema "Arbeitsplatz-Assistenz für Blinde und hochgradig Sehbehinderte". Dieses von der Aktion Sorgenkind im Rahmen der Kampagne "Aktion Grundgesetz" geförderte Symposion wendet sich an Betroffene ebenso wie an Politiker und Vertreter der für die berufliche Rehabilitation Behinderter zuständigen Hauptfürsorgestellen.

"Meine Assistentin begleitet mich zu auswärtigen Terminen und liest mir meine Post und Faxe vor", erklärt der blinde Journalist Franz-Josef Hanke. "Ohne sie könnte ich meinen Beruf nicht kompetent ausüben."

Die für den Marburger Journalisten zuständige Hauptfürsorgestelle beim Landeswohlfahrtsverband Hessen in Kassel gewährt ihm die Zuschüsse für seine Assistenzkraft bislang jedoch nur für die Dauer eines Jahres. Immer wieder muß der Freiberufler um die Fortführung der Finanzierung bangen, die er aus den Erträgen seiner Arbeit als Journalist selbst nicht aufbringen könnte.

Bezahlt wird die Assistenzleistung aus der "Ausgleichsabgabe": Jeder Arbeitgeber, der seiner gesetzlichen Pflicht nicht nachkommt, mindestens 6 % Schwerbehinderte zu beschäftigen, führt für jeden nicht besetzten Pflichtplatz DM 200 monatlich ab. Von diesem Geld werden technische Hilfen wie auch Assistenzpersonal finanziert, das Behinderten eine Eingliederung ins Berufsleben ermöglicht.

Da die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland insgesamt abgenommen hat, ist auch die Berechnungsgrundlage für die Ausgleichsabgabe gesunken. Bei den Hauptfürsorgestellen kommt weniger Geld an als früher. Nun konzentrieren sie ihre Mittel auf technische Hilfen wie sprechende Computer, Blindenschrift-Displays oder Bildschirm-Lesegeräte.

"Ein Computer kann mir nicht zeigen, in welchem Saal die Pressekonferenz stattfindet", stellt Hanke fest. "Ich benötige sowohl technische wie auch menschliche Unterstützung."

Bisher wird die Arbeitsplatz-Assistenz nach Ermessen der zuständigen Hauptfürsorgestelle bewilligt. Der DVBS möchte Blinden und hochgradig Sehbehinderten nun aber auch auf Dauer die Finanzierung einer Assistenz sichern, die ihre behinderungsbedingten Benachteiligungen ausgleichen hilft. Ziel der Selbsthilfeorganisation ist dabei eine größtmögliche Rechtssicherheit sowohl für die Leistungsempfänger wie auch für die Assistenzkräfte und Arbeitgeber.

"Sollten Blinde aus dem Arbeitsleben gänzlich ausgegrenzt werden, dann wäre das ein beschämender Ausdruck gesellschaftlicher Inhumanität", warnt DVBS-Geschäftsführer Bethke. "Unsere 1.300 Mitglieder zeigen tagtäglich, wie leistungsstark und engagiert sie trotz ihrer Behinderung die Arbeit oder das Studium bewältigen. Nur mit einer qualifizierten Assistenz können sie der Gesellschaft ihre berufliche Kompetenz zur Verfügung stellen."

Bundesfachtagung Arbeitsplatzassistenz - und wir haben eine Chance im Beruf!

Eine Veranstaltung der Aufklärungskampagne "Aktion Grundgesetz"

Vorbemerkung

Beruf: Schlüssel zur gesellschaftlichen Eingliederung

Nur rund 25 % aller erwerbsfähigen blinden Menschen haben Arbeit. Weit überproportional steigert eine qualifizierte Ausbildung diese Quote. In qualifizierten Berufen aber brauchen Blinde und Sehbehinderte eine Chance auf Assistenz. Werden dagegen heute aus Mitteln der Ausgleichsabgabe vorrangig nur noch technische Hilfen gewährt- Kann der Einsatz von EDV menschliche Assistenz wirklich ersetzen-

Aus der Sicht von Menschen mit Behinderungen und im Dialog mit Arbeitgebern, Kostenträgern und Politik diskutiert die hier ausgeschriebene Fachtagung die Erfahrung der Selbsthilfearbeit:

Die Chance auf berufliche Eingliederung ist für Menschen, die blind oder hochgradig sehbehindert sind, wesentlich davon abhängig, ob am Arbeitsplatz auf Dauer Assistenz und technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen.

Termin

Donnerstag, 21. Mai 1998, 10.30 Uhr bis 18.00 Uhr

Wir laden ein

Mitglieder des DVBS, Blinde und Sehbehinderte in Ausbildung und Beruf, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Arbeitsverwaltung, bei Hauptfürsorgestellen und weiteren Kostenträgern, Arbeitgeber, Betriebsräte, Vertrauensleute und an der Thematik Interessierte

Vorläufiges Programm

10.30 Uhr Begrüßung - Dr. Otto Hauck, Vorsitzender des DVBS; Marburg

10.45 Uhr Vier Impulsreferate für die weitere Diskussion:

Erfahrungen mit Assistenz und die aktuelle Bewilligungspraxis

a) im öffentlichen Dienst

- Heinrich Erk, Bereich Gehobener Dienst; Bonn,

- Klaus Hahn, Bereich Höherer Dienst; Münster

b) in der praktischen Ausbildung N. N.

c) bei privaten Arbeitgebern

- Georg Riester, im sozialen Bereich; Kassel,

- in der Wirtschaft N. N.

d) bei Selbständigen

- Franz-Josef Hanke, Journalist; Marburg,

- Jürgen Fischer, Rechtsanwalt; Waren (angefragt)

11.45 Uhr Problemaufriß: Veränderungen der Bewilligungspraxis - Vorstellung eines Resolutionsentwurfes zur Sicherung von Assistenz am Arbeitsplatz

Andreas Bethke, Geschäftsführer des DVBS; Marburg

* Mittagspause - Essen im Congress Center Marburg

13.30 Uhr Diskussionsforen zu den vier Impulsreferaten vom Vormittag:

Erfahrungen mit Assistenz und die aktuelle Bewilligungspraxis.

Erfahrungsaustausch und Perspektivendiskussion unter der Leitung der Referententeams vom Vormittag (Ergebnisse können in den Resolutionsentwurf einfließen)

* Kaffeepause - Beginn des auch für Medienvertreterinnen und Medienvertreter offenen Teils

15.45 Uhr Impulsreferat für die Podiumsdiskussion:

Assistenz oder EDV- - Der Einfluß neuer Technologien auf Anforderungen an Arbeitsplatzassistenz

Referent: Wolfgang Angermann, Direktor des Deutschen Taubblindenwerks; Hannover

16.15 Uhr Verabschiedung einer Resolution zur Sicherung von Arbeitsplatzassistenz

Andreas Bethke, Geschäftsführer des DVBS; Marburg

16.30 Uhr Podiumsdiskussion:

Was geschieht, um die berufliche Integration Blinder und hochgradig Sehbehinderter sicherzustellen-

Zusammengestellt wird ein aktuell besetztes Podium mit Diskutanten aus den Bereichen Politik, Kostenträger und Betroffene

Tagungsort

Congress Center Marburg, SCM Betriebs GmbH, Software Center 3, 35037 Marburg, Tel. 06421/58.13.00, (im alten Kasernenareal zwischen den Straßen "Auf der Weide" und "Haspelstraße", Zufahrt über Frankfurter Straße)

Tagungskosten

Tagungsgebühren werden nicht erhoben. Ein Reisekostenzuschuß (bis zu DM 100, maximal aber 50 %) kann gewährt werden.

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