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Franz-Josef Hanke: Auflesedienst für Blinde

Sein 5.000stes Fachbuch auf Kassette präsentierte am Freitag, dem 13. Februar der wissenschaftliche Vorlesedienst beim Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS). Seit 1980 erstellt der wissenschaftliche Vorlesedienst auf individuellen Wunsch Kassetten für Blinde. Sie schicken ein Buch ein, das einer der 35 Sprecher - meist Studierende der unterschiedlichsten Fachrichtungen - anschließend in einem der drei Auflesestudios des DVBS in der Marburger Frauenbergstraße sachgerecht "vertont".

Die dabei angewandten, detaillierten Vorleser-Richtlinien ermöglichen auch den sehbehinderten Nutzerinnen und Nutzern das wissenschaftliche Arbeiten mit Hörkassetten. So werden Seitenwechsel im Buch angesagt, Klammern und Anführungsstriche vorgelesen, Eigennamen buchstabiert und Grafiken verbalisiert. Ein vom DVBS entwickelter akustischer Indexgeber ermöglicht das "Blättern" auf der Kassette und damit das rasche Auffinden von Textstellen, indem Seitenwechsel und Kapitel mit speziellen Tönen markiert werden.

Auch Fachzeitschriften, wie "Bild der Wissenschaft", "Spektrum der Wissenschaft" und "Sozialmanagement" gibt es jetzt auf Hörkassette. Nach 18 Jahren seines Bestehens umfaßt das Archiv des bundesweit einzigen wissenschaftlichen Auflesedienstes für Blinde derzeit gut 5.000 Titel. Im vergangenen Jahr wurden 420 neue eingesandte Publikationen mit annähernd 2.600 Kassetten produziert. Eine einzelne Person müßte dafür 163 Tage lang ununterbrochen vorlesen.

Typisch im Bestand ist der 5.000ste Titel "Allgemeine Figurationen sozialer Macht" ebenso wie sein Auftraggeber, ein blinder Fachhochschüler im Bereich Sozialwesen. Die gefragtesten Sachgebiete sind Rechtswissenschaften, Psychologie, Wirtschaft, elektronische Datenverarbeitung, Pädagogik, Politik und Religionswissenschaften. Als ausgefallenste Produktion benannte Wolfgang Angermann, der den Auflesedienst 1980 als damaliger DVBS-Geschäftsführer gegründet hat, die Hörkassette eines englischsprachigen Buchs über Sanskrit.

Nachdem die klassische Tonkassette heute mehr und mehr durch digitale Tonträger wie die CD, die Minidisc oder DAT ersetzt wird, beteiligt sich der DVBS an einem weltweiten Konsortium von Blinden- und Sehbehindertenbibliotheken, um seine Sprachaufnahmen künftig digital zugänglich zu machen. Dieses neue "Digital Audiobased Information System" (DAISY) unterlegt die gesprochene Tonaufnahmme auf CD zusätzlich mit Markierungen für Seitenwechsel und Kapitel sowie einem Sachregister, das dann mit einem speziellen Abspielgerät ein noch schnelleres Auffinden von Textstellen ermöglicht. Ende des Jahres sollen zwei unterschiedliche Prototypen dieses neuen CD-Players für Blinde serienreif sein.

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