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"Das ist eine große Herausforderung", sagt Carolin Wahl über ihren Job, "aber man wächst mit seinen Aufgaben."
Seit August 1996 ist die sehbehinderte Studentin für die SAP AG im badischen Walldorf tätig. Sie organisiert für dieses Softwarehaus ein Programm zur beruflichen Eingliederung blinder und hochgradig sehbehinderter Beschäftigter in das Unternehmen.
Begonnen hatte die amerikanische Tochtergesellschaft mit diesem Programm im Sommer 1996. Bei einer Verkaufsveranstaltung der Softwarefirma trat der blinde Musiker Stevie Wonder auf. Nach seinem Konzert fragte der Künstler ein Vorstandsmitglied, ob die Firma nicht etwas für die Integration Blinder tun könne. So entstand die Idee, die SAP/Stevie Wonder Vision Awards zu stiften.
Mit dieser Aktion schreiben SAP und Stevie Wonder drei Preise aus, um sehbehinderte und blinde Menschen in das Arbeitsleben zu integrieren und ihnen so die Chance zu einer erfüllten beruflichen Tätigkeit zu geben.
In drei Kategorien prämiert das Unternehmen vorbildliche Firmen, Einzelpersonen oder Projekte:
- Als "Product of The Year" zeichnet die Jury ein Produkt aus, das Blinden und Sehbehinderten die Arbeit am Computer ermöglicht und das als Spitzenprodukt eingestuft werden kann.
- Als sogenannte "Vision Pioneers" prämiert SAP Programmierer, Entwickler und Wissenschaftler, die durch ihre Forschungen und Entwicklungen Blinden und Sehbehinderten weitere Möglichkeiten der Informationstechnologie erschlossen haben.
- In der Kategorie "Role Model Organizations" zeichnet SAP schließlich Organisationen, Unternehmen, Bildungsinstitute und andere Einrichtungen aus, die durch kreativen und effektiven Einsatz von Informationstechnologie vorbildliche Beispiele geschaffen haben, wie Blinde und Sehbehinderte in das Arbeitsleben integriert werden können.
Durch seine Initiative will SAP auch eine größere Markttransparenz für bereits vorhandene Lösungen und Produkte schaffen. Hierbei soll auch eine Veröffentlichung der verfügbaren technologischen Lösungen helfen. Ziel ist aber auch eine Entwicklung neuer Produkte.
Blindenfreundliche Aktivitäten fragt die Walldorfer Firma aber nicht nur bei anderen ab; im eigenen Unternehmen wollte die SAP AG mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb hat sie im November mit der Einstellung blinder und hochgradig sehbehinderter Praktikanten begonnen. Neben fünf Praktikumsplätzen hat das Walldorfer Softwarehaus bis zum Frühjahr 1998 auch drei Dauerstellen mit Blinden besetzt. Insgesamt beschäftigt SAP in Deutschland 5.400 Menschen, wobei man im laufenden Jahr eine Aufstockung in der Größenordnung weiterer 2.000 Stellen plant.
Hergestellt wird Computersoftware für Firmen, die damit Warenbestände, Personal oder auch ihr Abrechnungswesen verwalten. Der zentrale Programmbaustein dieser Software ist blindengerecht: Er kann auch ohne Maus ausschließlich über Tastatureingaben angesteuert werden. Grafische Benutzerführungen wie auch die allgemein übliche Ansteuerung von Programmbefehlen über die "Maus" sind für Blinde ein Problem, da ihnen Sprachsynthesizer oder Brailleschrift-Zeilen derartige Darstellungen wie auch den Standort der Maus nicht übermitteln. Blinde steuern ihren Computer über die Tastatur mit Hilfe von Buchstabenkombinationen, die viele Programmierer heute aber gar nicht mehr in ihre Software einbeziehen.
Wenn sie über Sprachausgabe oder Braille-Zeile an ihrem PC verfügen, dann können Blinde mit derartigen Geräten arbeiten wie jeder andere auch. Vielfach scheitert eine Einstellung Blinder aber schon daran, daß Unternehmen ihren Einsatz mangels verfügbarer Blindenhilfsmittel gar nicht erst ausprobieren. Eine Anschaffung elektronischer Sprachsynthesizer oder taktiler Blindenschrift-Zeilen nur wegen eines Betriebspraktikums verbietet sich meist schon wegen der extrem hohen Kosten. Umso bemerkenswerter erscheinen in diesem Licht die Anstrengungen von SAP, wo junge Menschen trotz einer Sehbehinderung die Chance auf einen Praktikumsplatz erhalten.
Carolin Wahl gehört zu dem dreiköpfigen Team, das das Programm zur Integration Blinder und Sehbehinderter bei SAP organisiert. Die 25jährige Psychologiestudentin kennt die Probleme von Menschen mit Sehbehinderung aus eigener Erfahrung: "Das ist eine Herausforderung, sich trotz einer Behinderung im Arbeitsleben zu beweisen!"
Eine der Praktikantinnen, die derzeit bei SAP erste Betriebserfahrungen sammeln können, ist Martina Stranska. Die 27jährige studiert in Heidelberg Übersetzen und Fremdsprachen für Englisch und Spanisch. Ihr Praktikum hat sie in der SAP-Abteilung "Communications Media" begonnen, wo sie bei der Herstellung von Prospekten auch ihre Sprachkenntnisse einbringen kann. "Ich würde jedem raten, während des Studiums ein Praktikum in der Wirtschaft zu absolvieren", meint die Studentin. "Ich finde es toll, daß SAP mir diese Möglichkeit bietet. Für Blinde ist es sehr schwer, Arbeit zu finden; Praktikumsplätze sind für uns sonst überhaupt nicht zu bekommen."
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