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Carl-Strehl-Schule mit Jahrgangsstufe 5 und 6. Ein nahtloser Übergang für blinde und sehbehinderte Kinder in den gymnasialen Bildungsgang

Ab dem kommenden Schuljahr bietet die Carl-Strehl-Schule blinden und sehbehinderten Kindern erstmals die Möglichkeit, bereits in der 5. Klasse aufs Gymnasium zu wechseln. Damit entspricht sie dem von Eltern immer häufiger geäußerten Wunsch, ihr Angebot um die Jahrgänge 5 und 6 zu erweitern.

Eltern haben endlich ein Wahlrecht

Bis jetzt besuchen blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler entweder eine Sonderschule oder eine allgemeine Schule und werden von Sonderschullehrern ambulant beraten und betreut. Am Ende der Grundschulzeit werden die Weichen für den weiteren Bildungsweg der Kinder gestellt. Hierbei haben die Eltern das Wahlrecht. Werden die Kinder integrativ beschult, steht in vielen Fällen ein Wechsel der Schule, der Klasse und der Lehrer an, mitunter sogar der Schulortwechsel. Das blinde oder sehbehinderte Kind hat sich zudem in größere Klassen einzugliedern. Wünschten die Eltern nun aber, ihr Kind nach der Grundschule an einem Gymnasium für Blinde und Sehbehinderte besonders fördern zu lassen, war dies bisher erst ab Klasse 7 möglich. Durch die Einführung der Klasse 5 an der Carl-Strehl-Schule wird die bisherige Lücke der sonderpädagogischen Förderung geschlossen und die Eltern erhalten nun endlich eine reale Wahlmöglichkeit.

Die Voraussetzungen sind geschaffen

In internen Arbeitsgruppen ist die Konzeption eines sonderpädagogisch qualifizierten Bindegliedes zwischen der Grundschule und dem Gymnasium entwickelt worden. Die Genehmigung der Schulbehörden liegt vor. Der Landeswohlfahrtsverband Hessen als federführender überörtlicher Kostenträger hat keine Bedenken angemeldet.

In einer Probewoche Anfang März haben sich 7 Kinder und ihre Eltern vor Ort in Marburg informiert. Weitere Interessenten haben sich danach gemeldet. Deshalb sind die Verantwortlichen optimistisch, nach den Sommerferien erstmals Schüler der Klasse 5 begrüßen zu können.

Leben in einer familiären Wohngruppe

Die zukünftigen Schüler der 5. Klasse werden in unmittelbarer Nähe der Schule im Dr. Georg-Haus, Gabelsbergerstraße 13, wohnen. Dadurch lernen die Schüler schnell, ihren Schulweg selbständig zu gehen. Die Kinder werden von 3 erfahrenen Erzieher/innen betreut.

Die sehr kleine Gruppe von 4 bis 6 Kindern schafft durch ihre familiäre Atmosphäre die Möglichkeit für individuelle Zuwendung und Förderung und führt die Kinder behutsam an das Leben im Internat heran. Die Wohngruppe in der Gabelsbergerstraße bietet außerdem ausgezeichnete Möglichkeiten zum Spielen und Toben sowohl innerhalb des Hauses als auch im Garten. Durch die Zusammenarbeit mit der RES werden Unterrichtsbestandteile aus den Fächern "Orientierung und Mobilität" sowie "Lebenspraktische Fertigkeiten" in das alltägliche Leben in der Wohngruppe integriert.

Kontaktpflege zum Elternhaus

Die Mehrzahl der Kinder wird durch ihren Wechsel nach Marburg zum ersten Mal von den Eltern und Geschwistern getrennt. Um den Familien diesen Schritt zu erleichtern, sind einige besondere Vorkehrungen getroffen:

Durch die schulische 5-Tage-Woche und Unterrichtsbeginn am Montag mit der zweiten Stunde können die Kinder jedes Wochenende zu Hause verbringen. Bei Bedarf wird durch die Wohngruppe eine Unterstützung bei den Familienheimfahrten eingerichtet. Außerdem soll den Eltern auch die Möglichkeit angeboten werden, ihre Kinder in Marburg zu besuchen und in der Gruppe zu übernachten. Ein regelmäßiger und intensiver Austausch zwischen den Eltern und den Erzieherinnen soll die gegenseitige Ergänzung in der pädagogischen Förderung der Kinder sichern.

Neue Aufgaben

Die Blindenstudienanstalt hat sich in ihrer mehr als achtzigjährigen Geschichte immer wieder neuen bildungs- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen erfolgreich gestellt. Die Einführung der Jahrgangsstufen 5 und 6 an der Carl-Strehl-Schule ist der notwendige Schritt, der sich aus der aktuellen Situation im Sonderschulwesen und den allgemeinen Schulen ergibt: Das Bildungsangebot für Blinde und Sehbehinderte wird auf diese Weise vervollständigt und abgerundet.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Blista freuen sich auf die Neuankömmlinge nach den Sommerferien.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Carl-Strehl-Schule, Tel.: 06421/606113.

Auszüge aus dem pädagogischen Konzept der Schule:

Ganzheitliche Bildung und Erziehung

Schulisches und außerschulisches Lernen sind nicht isoliert zu sehen. Neben einem qualifizierten Schulabschluß ist die Entwicklung der Persönlichkeit entscheidend für eine erfolgreiche berufliche und gesellschaftliche Integration.

Förderung von Basiskulturtechniken

Für Blinde und Sehbehinderte sind "Orientierung und Mobilität", lebenspraktische Fertigkeiten", Arbeitstechniken, Umgang mit der modernen Informationstechnik etc. notwendiger Bestandteil aller Lebens- und Lernsituationen.

Methodische Bildung

Aufbau und stetige Förderung von Lern- und Arbeitsstrategien, z.B. Auswertung von taktilen Abbildungen, geometrisches Zeichnen, Schreiben unter dem Bildschirmlesegerät, strukturiertes Notieren.

Handlungsorientiertes Lernen

Untermauerung von Begriffsbildungs- und Lernprozessen durch eine alle Sinne einbeziehende handlungsorientierte Begegnung mit der Realität.

Die Klassen 5 und 6 werden als eine Einheit begriffen. So stellen sie das sonderpädagogisch geprägte Bindeglied zwischen der Grundschule und dem fachlich orientierten Gymnasium dar.

Klassenlehrer als Vertrauensperson

Die erhöhte Präsenz des Klassenlehrers/der Klassenlehrerin ermöglicht den Aufbau von Vertrauen und sichert Kontinuität der methodischen Arbeit.

Moderater Übergang vom fächerverbindenden Unterricht zum Fachunterricht.

Teamarbeit und Fächerverzahnung

Unterrichtsplanung als Aufgabe eines Teams.

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