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Die Ausstellung der Deutschen Blindenstudienanstalt lädt Sehende wie Nicht-Sehende ein, Arbeiten zeitgenössischer Künstler u.a. F.E.Walther, Franz West in der Interaktion zu "begreifen", zu "besitzen", zu
in Marburg, Universitätsmuseum vom 28.06. bis 19.07.1998
in Nürnberg, Kunsthaus, vom 05.08. bis 23.08.1998
in Freiburg, E-Werk, Hallen für Kunst vom 11.09. bis 11.10.1998
in Dannenberg/Elbe, Kunst im Turm vom 16.10. bis 06.11.1998
Schon wiederholt hat sich die Deutsche Blindenstudienanstalt der Aufgabe gestellt, Werke der Bildenden Kunst durch eine spezielle Ausstellungsorganisation Blinden und Sehbehinderten zugänglich zu machen. Positiv und zu weiteren Vorhaben ermutigend war jedesmal das Echo des zahlreichen Publikums. Hier gab es die Möglichkeit, Objekte unseres kulturellen Lebens kennenzulernen und sich mit der darin enthaltenen Geschichte und Weltsicht, meist angeleitet durch erläuternde Texte, auseinanderzusetzen.
Interesse weckten diese Veranstaltungen auch immer bei einem sehenden Publikum, das die Gelegenheit nutzte, einen anderen, sonst im Ausstellungswesen verwehrten haptischen Zugang zu den gezeigten Werken auszuprobieren. Viele begrüßten auch die Chance, sich in diesem Rahmen versuchsweise mit der Wahrnehmungswelt von Blinden auseinanderzusetzen.
Im Sommer dieses Jahres wird die Deutsche Blindenstudienanstalt in Zusammenarbeit mit dem E-Werk Freiburg in vier verschiedenen Städten Deutschlands eine Ausstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler zeigen. "Kunst begreifen" richtet sich an ein allgemein an Kunst interessiertes Publikum. Die Arbeiten werden jedoch so präsentiert, daß sie für Sehgeschädigte auch ohne fremde Hilfe erfahrbar sind.
Ein in diesem Jahrhundert zu verfolgendes Anliegen der modernen Kunst ist die Aktion. Das Handeln des Künstlers als Arbeits- und Zeitspuren, Performances, bei denen die Handlung selber zum Inhalt der künstlerischen Arbeit wird, Happenings, die eine Aktion des Publikums mit einbeziehen, Diskussionen zwischen Publikum und Künstler etc. Unter dem Begriff "Interaktive Kunst" sind Werke entstanden, die sich erst durch das Handeln des Betrachters entfalten. Sie gehören zu den zukunftsweisenden Ansätzen der Moderne.
"Kunst begreifen" zeigt auf Interaktion angelegte Arbeiten in unterschiedlichsten Facetten von deutschen, österreichischen und dänischen Künstlern, die sich u.a. auch durch ihre Beteiligung an der Kasseler Dokumenta einen internationalen Namen erworben haben.
Namhafte Arbeiten der Gegenwartskunst, wie F.E. Walthers Werkbuch, schon lange museal dem aktiven Handeln entzogen, werden in dieser Ausstellung in die Aktion, das Handeln des Publikums ebenso mit einbezogen, wie die Diwans von Franz West, vielen von der d IX noch gut in Erinnerung.
Pneumatische Objekte von Klaus Illi sowie akustische auf Schatten reagierende Arbeiten von Peter Vogel setzen weitere Akzente.
Holzplastiken von C.W. Loth können vom Besucher entfaltet werden, eine akustische Installation von Kathrin Magens und Hans Kjaers Fundstücke und Fetisch-Kisten sind weitere wichtige Bestandteile der Ausstellung.
Anstelle eines Kataloges wird eine Zeitung dem Besucher an die Hand gegeben. Diese Zeitung bietet zunächst Informationen zu den ausstellenden Künstlern und ihrem Werk. In einem weiteren Schwerpunkt eröffnet sie durch Beiträge verschiedenster akademischer Disziplinen die Diskussion über den Zusammenhang von sinnlicher Wahrnehmung, d.h. insbesondere Tasten, und Erkenntnis.
Die Texte dieser Zeitung werden als Audio-Kassette für Blinde verfügbar, eine Handreichung in Braille wird in genügend großer Anzahl ausliegen und auch über die Deutsche Blindenstudienanstalt zu beziehen sein.
Die genauen Termine und Adressen, an denen "Kunst begreifen" in den vier o.g. Orten eröffnet wird, können der regionalen Presse und den jeweils zuständigen Publikationsmedien der Blindenselbsthilfeverbände rechtzeitig entnommen werden.
Kontakt:
Ausstellungsmacher: Ulrike Schönhagen/Hans Schohl
Deutsche Blindenstudienanstalt e. V./Carl-Strehl-Schule, Am Schlag 6a, 35037 Marburg; Tel. 06421/606113, Fax 606149
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