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Für Blinde und Sehbehinderte wurde in der Deutschen Blindenstudienanstalt ein farbig gestalteter Reliefplan von Stuttgart hergestellt. Er zeigt in 3 Karten den Innenstadtbereich mit der Fußgängerzone, den Bereich rund um den Feuersee bis hin zum Kräherwald. Alle Symbole und Signaturen werden in einem Indexheft in Braille- und Schwarzdruck erläutert. Im Interesse sehbehinderter Benutzer wurde auf eine kontrastreiche Farbgestaltung besonderer Wert gelegt, so daß diese Karten für Personen mit einem geringen Sehrest noch lesbar sind. Darüber hinaus sind die Karten auch für Sehende verständlich. Dadurch wird nicht nur das gemeinsame Erarbeiten des Stadtplans für Blinde und Sehende ermöglicht, zusätzlich wird die Voraussetzung geschaffen, sich unterwegs von Passanten etwas auf der Karte erklären zu lassen. In den Fragen der Kartensymbolik waren die Empfehlungen des "Ständigen Europäischen Ausschuß über Reliefstadtpläne" und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über Blindenstadtpläne als Orientierung maßgebend.
Von der Vorlage zur taktilen Karte
Eine Aufgabe von Karten ist die Vermittlung von geographischen Verhältnissen - je nach Thema der Karte ein historisches, wirtschaftsgeographisches, ein physikalisches oder - wie in unserem Fall
- ein stadtgeographisches Bild.
Da eine Kopie des Original-Stadtplans nicht möglich ist, mußten die Karten "übersetzt" werden. Diese Übersetzung ist ein komplizierter Prozeß, der sich an Erfahrungen und an Regeln halten muß, bei der Komplexität von Stadtplänen eine schwierige Aufgabe, die trotz Computereinsatzes immer noch mit erheblichem Aufwand verbunden ist.
Die von uns erstellten Reinzeichnungen wurden von Mobilitätslehrern der Nikolauspflege in Stuttgart vor Ort überprüft und mit allen blinden-relevanten Informationen - die aus gewöhnlichen Stadtplänen nicht hervorgehen - ergänzt.
Die graphischen Entwürfe und Reinzeichnungen wurden erstmals rechnerunterstützt erarbeitet. Bei der Entwicklung und Bearbeitung von Graphiken am PC gibt es zwei grundsätzliche Ansätze, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen. In Bitmap-Graphiken wird jeder Bildpunkt (Pixel) durch ein oder mehrere Bits dargestellt. Je mehr Farbe ein Bild hat, um so mehr Informationen gehören zu einem Pixel. Ein Bit reicht aus, um ein Pixel in einer Schwarz/Weiß-Graphik zu definieren, bei 256 Farben (für unsere Darstellung ausreichend) sind es bereits acht Bit. Hier liegt einer der Nachteile einer Bitmap-Graphik, ein anderer ist die schwierige Nachbearbeitung. In Bitmap-Graphiken wird ein Objekt Punkt für Punkt gespeichert. Diese Probleme löst die Vektorgraphik. Hier wird das Bild über die Beschreibung von Koordinaten und Vektoren definiert. In Vektorprogrammen reichen z.B. der Ursprung und der Endpunkt einer Linie aus. Die Nachbearbeitung wird erheblich vereinfacht: Ganze Objekte lassen sich verschieben, vergrößern/verkleinern, in ihrer Form ändern oder löschen. Dafür versagt ein Vektorprogramm, wenn es um Bildbearbeitung geht, also dem Einlesen und Nachbearbeiten von gescannten Vorlagen.
Wir haben uns bei der komplexen Aufgabe, die ein Stadtplan darstellt, für eine Kombination beider Prinzipien entschieden.
Ein weiteres Ziel der PC-Erfassung war es, aus den Graphiken die Filme für den Siebdruck zu belichten.
Der Farbgestaltung des Stuttgarter Stadtplans kam eine große Bedeutung zu. Zur Zeit liegen uns keine wissenschaftlich gesicherten Untersuchungen über besonders geeignete Farben zur Gestaltung von Stadtplänen vor. Allerdings kann man grundsätzlich davon ausgehen, daß jeder Farbe entsprechend ihrem Farbton und ihrem Helligkeitswert ein bestimmter Grauwert zugeordnet werden kann. Bei der Farbauswahl haben wir uns an der Farbgestaltung der Kartographie von Stadtplänen für Sehende orientiert.
Nähere Informationen über Herstellung und Gestaltung erhalten Sie in der Braille-Druckerei/Taktile Medien der Deutschen Blindenstudienanstalt.
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