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Rainer F. V. Witte: DAISY: Blatt für Blatt besehen ... das Gänseblümchen wurde nicht entblättert ...

Noch bevor der Frühling sich in rechter Weise entfalten konnte, erblühte ein digitales Pflänzchen. Es trafen sich die "Schöpfer und Gärtner" von DAISY im noch kühlen Norden Deutschlands, um Wachsen, Blühen und Gedeihen ihres Gänseblümchens zu begutachten und die künftige Fürsorge in ersprießliche Bahnen zu lenken.

Die Rede ist von dem Digital Audiobased Information System zur Herstellung, Speicherung und Wiedergabe digitaler Audiomedien und konkret: vom DAISY-meeting in Hamburg-Harburg, das vom 2.-5. April 1998 von der Norddeutschen Blindenhörbücherei in absolut professioneller Weise ausgerichtet wurde. (Der gelungene Rahmen und die angenehme Atmosphäre haben nicht unbedeutend zu dem Gelingen des Treffens beigetragen, wie aus dem Teilnehmerkreis am Ende der Veranstaltung hervorgehoben wurde.)

Grundsätzliches zu DAISY wurde schon früher, im HORUS 2/1997 - S. 45-46, mitgeteilt (Jürgen Hertlein: "DAISY-Digital Audiobased Information System"); weiteres in der GEGENWART 6/7 (1998) S. 20-22 von Elke Dittmer und Thomas Kahlisch: "DAISY - was bringen digitale Hörbücher-"

In der hansischen Stadt trafen sich die Gesellschafter des Consortiums und die Mitglieder seiner verschiedenen Organe und darüber hinaus tagten insgesamt 10 Arbeitsgruppen.

Dank neuer Beitritte kann künftig die Arbeit auf eine breitere Basis gestellt werden.

Vollmitglieder sind derzeit:

1. Arbeitsgemeinschaft der Blindenhörbüchereien e.V., Marburg

2. Australia New Zealand Blindness Agencies, Enfield NSW

3. Danmarks Blindebibliotek, Kopenhagen

4. Japanese Association of Libraries for the Blind, Tokyo

5. Organizacion Nacional de Ciegos Españoles, Madrid

6. Recording for the Blind and Dyslexic, Princeton, USA

7. Royal National Institute for the Blind, London, England

8. Schweizerische Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte, Zürich

9. Studie-en Vakbibliotheek, Amsterdam, Holland

10. Talboks-och punktskriftsbiblioteket, Stockholm mit Synskadades Riksförbund, Enskede, Schweden

Zu den assoziierten Mitgliedern zählen:

1. Atelier Helen-Keller, Zellik, Belgien

2. Bibliotekstjanst AB, Lund, Schweden

3. Blindrabokasafn, Reykjavik, Island

4. Canadian National Institute for the Blind, Toronto

5. Hongkong Society for the Blind, China

6. Huseby Kompetansesenter, Oslo, Norwegen

7. Instituto Nacional Para Ciegos, Santafé de Bogotá, Columbien

8. Näkövammaisten Kirjasto mit Biblioteket för Synskadade, Helsinki, Finnland

9. Norsk lyd-og blindeskriftbibliotek, Oslo

10. South African Library for the Blind, Grahamstown

11. Studiebogsbibliotek for Blinde, Hellerup, Dänemark

Auf der Konferenz war der deutschsprachige Raum durch die Mitglieder

- AG BHB (Frau Elke Dittmer, NBH Hamburg) und die

- SBS (Herrn Dr. Bernhard Heinser, Zürich) vertreten;

teil nahmen ferner

- für den DBSV dessen DAISY-Beauftragter (Herr Thomas Kahlisch, Leipzig)

sowie für

- die AG BDB bzw. die DBStA der Leiter der Deutschen Blinden-Bibliothek (Herr Rainer F. V. Witte).

- Die WBU vertrat als Gast deren stellvertretender Vorsitzender, Herr William Rowland (Süd-Afrika).

Die insgesamt 51 Teilnehmer tagten unter dem bewährten Vorsitz der Schwedin Ingar Beckman Hirschfeldt und des Project-Managers George Kerscher (USA).

Im folgenden soll kurz auf einige Ergebnisse und weitere Informationsmöglichkeiten eingegangen werden.

Der Bericht des neuen Schatzmeisters, Herrn Dr. Heinser, legte ausführlich die finanzielle Situation des Consortiums dar: sie gibt zur Besorgnis keinen Anlaß; trotzdem bemüht man sich weiterhin um neue Mitglieder, damit die angestrebte Standardisierung der technischen Voraussetzungen eine weithin akzeptierte Verbindlichkeit bekommt. So haben bereits Portugal, das frankophone Kanada und Frankreich lebhaftes Interesse an einem Beitritt signalisiert. Wer (welche Organisation) an einer Mitgliedschaft und damit aktiver Mitgestaltung dieser Zukunftstechnologie interessiert ist, wende sich an: Frau Ingar Beckman Hirschfeldt, talboks-och punktskriftsbiblioteket, S-12288 Enskede, Schweden, Tel. +46-8/399.350, Fax: +46-8-659.94.67 oder e-mail: ingar.beckman@tpb.se.

Für das Einwerben von Fördermitteln besteht eine eigene Arbeitsgruppe. (Um einen weltweit ausgelobten Preis - dotiert mit bis zu 250.000 US $ - für hervorragende blindengerechte Technologie, die es erlaubt, Blinde besser in die Arbeitswelt zu integrieren, hat man sich beworben und DAISY ist in die engere Wahl einbezogen worden.)

Die finanziellen Aufwendungen der deutschen Blindenbibliotheken werden für die Dauer von 2 Jahren teilweise durch die Bundesregierung (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie) übernommen; einen ganz wesentlichen Anteil an der längerfristigen finanziellen Absicherung der deutschen Mitarbeit bei DAISY leistet der "Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband / DBSV", was hier dankbar und ausdrücklich vermerkt werden soll.

Um das Finanzgeschehen angemessen und nachvollziehbar steuern zu können, wurde beschlossen, den Sitz des DAISY-Consortiums von Holland in die Schweiz zu verlegen und ihm dabei die juristische Form eines gemeinnützigen Vereines zu geben. Die dafür notwendigen Schritte und rechtlichen Vorarbeiten (Satzung) sind abgeschlossen und sollen im August 1998 rechtswirksam vollzogen werden.

Als ein weiteres wichtiges Ergebnis ist die Vergabe der Entwicklung der professionellen Aufzeichnungs- und Wiedergabe-software, nach den von Arbeitsgruppen vorbereiteten und vom Consortium verabschiedeten Richtlinien, an die Firma I.S.A.T. (International Structured Audio Team), anzuführen. Es handelt sich bei der Firmengruppe um einen Zusammenschluß des schwedischen software-Hauses "Labyrinten" (das schon erhebliche Vorarbeiten geleistet hat) mit dem japanischen Geräte-Hersteller "Plextor" (der seit Beginn auf eigene Kosten die hardware-Entwicklung betrieb) und dem US-amerikanischen Unternehmen "Productivity Works, Inc.". - Man entschied sich letztlich doch einstimmig für diesen Partner, nachdem die Bedenken der Dänen und Deutschen lebhaft diskutiert worden waren und Alternativen weder eine größere Sicherheit versprachen, noch über den Erfahrungsvorsprung der beiden Erstgenannten verfügten. - Im Oktober 1998 soll eine erste Version - unter den bei DAISY mitarbeitenden Blindenbibliotheken - in den Beta-Test gehen.

Für jene, die an Details interessiert sind, seien die verschiedenen Software-Stufen aufgeführt: DAISY 1.0 bezeichnet die bisherige Software; DAISY 2.0 die neue Version, die HTML (Hyper Text Markup Language) und SMIL (Synchronised Multimedia Integration Language) einschließt. - 2.0 soll kompatibel sein mit SIGTUNA (s.u.); DAISY 3.0 wird XML (Extensible Mark up Language) nutzen und Volltextfähigkeit als Option anbieten.

Über die spätere Weitergabe der Programme wird zu gegebener Zeit zu entscheiden sein. Es steht zu hoffen, daß durch diesen "lebensnotwendigen Dünger" das vielversprechende Pflänzchen einen kräftigen Wachstumsschub erfahren wird... fehlen doch (vor allem in Deutschland) noch DAISY-CD"s in größerem Umfange, weil die Profi-Version der Produktionssoftware bislang aussteht.

Dabei wurden in Hamburg bereits zwei tragbare Abspielgeräte in jeweils zwei Versionen vorgestellt: das endgültige PLEXTALK der Firma "Plextor", das zu einem Preis von ca. 40,000 bzw. 47,000 japanischer Yen ab Mai auf dem Markt ist und der VICTOR-Recorder des kanadischen Herstellers VISU-AIDE, dessen Markteinführung (zu einem Preis von etwa 400 US $) für den Spätsommer d.J. angekündigt ist. Beide Maschinen müssen sich erst noch in der täglichen Praxis bewähren; die Vorführungen auf der Tagung verliefen jedoch sowohl für DAISY-Audiobücher, wie für normale Musik-CD"s zufriedenstellend. (Beide Geräte sollen für das bereits in der PC-Welt eingeführte neue Speichermedium "Digital Versatile Disc /DVD" vorbereitet und damit kompatibel sein.) In Deutschland wird ab sofort die DBStA das PLEXTALK anbieten und die Blista-Brailletec dessen Wartung übernehmen.

Aufgrund von technischen Anschlußproblemen konnte das japanische SIGTUNA-Projekt in Hamburg nicht in der Praxis vorgeführt werden. Bei ihm sollen die Vorteile der digitalen Technik mit den Verteilungs- und Nutzungsmöglichkeiten des Internet und der Telekommunikation generell miteinander verknüpft werden, um (so das Ziel) aus den gleichen Daten, je nach verfügbarem Terminal, die Information sowohl im Audio-, wie im Punktschrift-Format rückzugewinnen. Dies kann direkt bei den Betroffenen selbst zuhause geschehen oder durch die Vermittlung von Blindenbibliotheken - vorausgesetzt, daß neben den technischen die urheberrechtlichen Probleme gelöst sind...

Die einzelnen Komponenten, der SIGTUNA-Browser und die -Recording software, werden vom Projekt-Träger, der "Japanese Society for Rehabilitation of Disabled Persons / JSRDP", den DAISY-Mitgliedern zugänglich gemacht werden. Näheres hierzu und über den Fortgang der Entwicklung ist im Internet unter http://www.dinf.ch zu erfahren.

Auch auf der IFLA-Generalkonferenz vom 16. - 21. August 1998 in Amsterdam wird das SIGTUNA-Projekt vorgestellt werden (übrigens handelt es sich hierbei nicht um eine Abkürzung, sondern um den Namen eines schwedischen Tagungsortes). Es werden sich im Umfeld der IFLA-Konferenz verschiedene Arbeitsgruppen und Gremien von DAISY treffen und so die Möglichkeit zu einem breiten Gedankenaustausch bestehen, ist doch das DAISY-Projekt aus den fachlichen Förderungen und der vorbereitenden Arbeit der IFLA entstanden.

Auf der mit der General-Konferenz verbundenen Ausstellung bibliotheksrelevanter Hersteller wird DAISY mit einem Stand vertreten sein; dort werden auch die genannten Produzenten ihre Produkte vorstellen - eine gute Gelegenheit, sich (in geographischer Nähe) selbst ein Bild zu machen; Anmelde-Unterlagen zur Konferenz sind erhältlich über: CONGREX HOLLAND BV, POBox 302, NL-1000 AH Amsterdam; e-mail: ifla@congrex.nl; Tel.: +31-205040206; Fax: +31-205040.225.

Wer die hier gemachten Ausführungen selbst durch weitere Informationen nach individueller Interessenlage ergänzen möchte, kann dies im Internet tun über: http://www.daisy.org - wo ihm als Aufmacher möglicherweise das Logo von DAISY - was könnte es anders sein- - in Gestalt eines Gänseblümchens entgegenblüht.

Dort, im wuchernden Garten der üppig sprießenden Nachrichten, ist dann über DAISY nicht nur "Blatt für Blatt" zu lesen, sondern Neuigkeiten können "site by site" abgefragt und das Wachsen, Gedeihen und Blühen des "Gänseblümchens" auch künftig intensiv verfolgt werden.

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