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Hans Kaltwasser: Euro - Was die neue Währung bringt

Geld und Kreditwesen

Kommende Generationen von Schülern werden sich den 1. Januar 1999 als historisch bedeutsamen Tag merken müssen. Denn dieser Tag ist der Beginn der Europäischen Währungsunion (EWU), bei der sich die Länder Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien zu einem einheitlichen Währungsraum zusammengeschlossen haben. Grundlage der Währungsunion ist die vertraglich geregelte Vereinbarung zwischen diesen Staaten, ihre nationalen Währungen durch den Euro als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel zu ersetzen. Die politischen und wirtschaftlichen Erwartungen an die neue Währung sind hoch. Der Euro soll Europa fit für die globalen Märkte machen und die Menschen zu einer politischen Gemeinschaft zusammenschweißen. Er soll dem Verbraucher zahlreiche Vorteile bescheren, die Arbeitslosigkeit abbauen und Frieden und Wohlstand langfristig sichern. Doch was hat sich seit dem 1.1.1999 für den Verbraucher in seinem Alltag verändert- Auf den ersten Blick nicht viel. Im Portemonnaie stecken weiterhin unsere geliebten DM-Scheine. Die Münzautomaten schlucken nach wie vor Mark- und Pfennigstücke. Beim Einkaufen wird immer noch in DM gezahlt. Und dennoch: Auch wenn der Verbraucher den Euro noch nicht in den Händen hat, der Aufbruch ins Euro-Land ist allenthalben unübersehbar. Um unsere Abonnenten langsam mit der neuen Währung vertraut zu machen, wird der "horus" in den nächsten drei Ausgaben über die wichtigsten Änderungen berichten.

Ist die Einführung des Euro eine Währungsreform-

Viele Verbraucher befürchten, daß die Einführung des Euro mit einer Währungsreform verbunden ist und sich die schlimmen Erfahrungen der Vergangenheit wiederholen könnten. Die Währungsunion ist jedoch keine Währungsreform wie 1923 oder 1948. Der Euro macht keinen Währungsschnitt. Er tritt nicht an die Stelle praktisch wertlosen Geldes wie seinerzeit die Rentenmark und die D-Mark. Die Teilnehmerländer an der EWU haben freiwillig vereinbart, ihre soliden nationalen Währungen durch eine gemeinsame Währung, den Euro, zu ersetzen. Der Übergang von der D-Mark zum Euro wird dabei ohne Vermögensverluste erfolgen. Alle Geldgrößen wie Bargeld, Sparguthaben, Schulden, Löhne und Gehälter, Renten und Pensionen, Preise und Mieten, Lebensversicherungen und Hypotheken usw. werden mit ein und demselben Umstellungsfaktor von D-Mark in Euro umgerechnet. Dieser Umstellungskurs wurde am 1. Januar 1999 vertraglich und unwiderruflich festgelegt und beträgt etwa 2: 1 (inzwischen wurde der Kurs auf 1,95583 DM für 1 Euro festgelegt). Vereinfacht gesagt bekommt man also für knapp zwei DM einen Euro. Alle Geldgrößen, also alle Einnahmen und Ausgaben werden halbiert. Statt zwanzig Mark haben wir dann etwa zehn Euro im Geldbeutel, aber dafür bekommen wir alles, was zuvor zwanzig Mark kostete. Alle Waren und Dienstleistungen bleiben genauso teuer oder billig wie vorher. Die Preise "sinken" nicht. Ebensowenig "sinken" z.B. die Gehälter oder Renten, wenn diese in Euro statt in Mark angegeben sind. Durch die Verwendung eines einheitlichen Umstellungsfaktors wird gewährleistet, daß alle Geldgrößen ihre Kaufkraft behalten. Die Zahlen ändern sich, aber der Wert bleibt gleich. Es wird also keinen Wertverlust für den Besitzer der DM geben. Man kann sich nach der Umstellung genauso viel oder wenig leisten wie vorher.

Wann kommt der Euro in die Hände des Verbrauchers-

Der Neujahrstag 1999 ist zwar der eigentliche "Geburtstag" des Euro, der an diesem Tag zu einer eigenständigen Währung, neben Dollar, Yen und Pfund wurde. Doch erst ab dem 1. Januar 2002 kann man die neuen Euro-Banknoten und -Münzen am Bankschalter oder aus dem Geldautomaten erhalten. Für eine Übergangszeit von maximal sechs Monaten werden dann bei uns D-Mark und Euro parallel im Umlauf sein, bis alle D-Mark-Noten und -Münzen vom Markt verschwunden sind. Bis zu dieser "Bargeld-Premiere" wird allerdings im Finanzsektor und bei den Großunternehmen bereits mit dem Euro gerechnet (Buchgeld).

Wie sieht das neue Geld aus-

Der Euro kommt als Münzgeld und Banknoten. Bei den Münzen wurde eine Achterserie geschaffen, die sich in drei Reihen gliedert. Es wird drei kleine Münzen (1, 2 und 5 Cent), drei mittlere Münzen (10, 20 und 50 Cent) und zwei große Münzen (1 und 2 Euro) geben. Die Vorderseiten der Münzen werden in allen Ländern der Währungsunion gleich sein und jeweils den Wert anzeigen. Die Rückseiten der Münzen werden von Land zu Land verschieden sein und typische nationale Motive tragen. Die "deutschen" Münzen werden auf der Motivseite Eichenlaub, Brandenburger Tor und Bundesadler zeigen. Die Euro-Münzen werden sich in Größe, Gewicht, Material, Farbe und Dicke unterscheiden. Zusätzliche Erkennungshilfen bietet die jeweils unterschiedliche Randgestaltung der Münzreihen. Es gibt Münzen mit glatten, groben oder feingeriffelten Rändern. Andere Münzen haben abwechselnd glatte und geriffelte Randabschnitte. Das 20-Cent- Stück fällt durch einen Rand mit signifikanten Einkerbungen auf. Bei den Banknoten wird es sieben verschiedene Wertgrößen geben: 5-, 10-, 20-, 50-, 100-, 200- und 500-Euro. Die Banknoten weisen keinerlei nationale Unterschiede auf. Bei der graphischen Gestaltung der Scheine wurden Fenster und Portale als Symbol der Offenheit und Brücken als Symbol der Verbindung gewählt. Die Banknoten 5- bis einschließlich 100-Euro werden sich in der Breite um jeweils 5 mm unterscheiden. Die 200- und 500-Euro-Banknoten haben außerdem tastbare Markierungen an der längeren bzw. kürzeren Kante. Als zusätzliche Hilfe für Sehbehinderte wird die Wertangabe der Banknoten in Kontrastfarbe aufgedruckt sein.

Wie lange kann man noch in D-Mark bezahlen-

Brötchen und Bier können noch mindestens drei weitere Jahre wie gewohnt in Mark bezahlt werden. Die eigentliche Übergangsphase für den Umtausch von D-Mark-Banknoten und -Münzen in Euro beginnt erst am 1. Januar 2002 und endet voraussichtlich am 30. Juni 2002. In dieser "heißen Gewöhnungsphase" werden bei uns D- Mark und Euro nebeneinander im Umlauf sein. Der Verbraucher zahlt in Mark und erhält als Wechselgeld Euro. Allerdings gibt es auch Überlegungen, den Umtausch schneller als in einem halben Jahr zu bewältigen. Dabei wird sich das vieldiskutierte Modell des "Big Bang", die Umstellung in der Silvesternacht auf den Neujahrstag 2002, wohl aus technischen Gründen nicht verwirklichen lassen. Die Automatenindustrie müßte hierzu alle Geräte quasi über Nacht umrüsten. Spätestens zum 1. Juli des Jahres 2002 wird der Euro jedoch alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Mark und Pfennig werden dann nur noch Erinnerungsstücke sein. Auch wenn man danach noch DM-Noten und Münzen unter der Matratze oder im Sparstrumpf entdeckt, kann die alte Währung noch 20 bis 30 Jahre lang bei den Landeszentralbanken umgetauscht werden.

Wann werden die Bankkonten umgestellt-

Wer will, kann sein Konto ab dem 1. 1 1999 in DM oder Euro führen lassen. Denn von da an rechnen die Banken und viele Großunternehmen (Gehaltsüberweisungen) bereits in Euro. Die Kontonummer bleibt bei der Umstellung gleich. Ende 2001 werden alle D-Mark-Konten allerdings endgültig verschwinden. Unabhängig davon, welche Währung für das eigene Konto gewählt wird, kann man auch jetzt schon Überweisungen, Schecks oder Lastschriften in beiden Geldarten ausstellen. Die Kreditinstitute tauschen angewiesene Zahlungsbeträge - egal auf welche Währung sie lauten - automatisch in die Währung, in der das Konto des Empfängers geführt wird. Wird ein Konto in Euro geführt und gehen dort DM-Beträge ein, so werden diese automatisch in Euro umgerechnet. Der Wechsel von einem schon auf Euro umgestellten Konto wieder in Mark ist von 1999 bis 2002 zwar möglich, kann aber mit Extragebühren verbunden sein. An den Bankschaltern wird bis Ende 2001 auch von einem in Euro geführten Konto Bargeld nur in Mark ausgezahlt.

Müssen neue EC- oder Kreditkarten her-

EC- oder Kreditkarten können trotz Umstellung weiter benutzt werden. Denn Limits, wieviel Geld man damit abheben oder bezahlen kann, sind auf den Karten selbst nicht gespeichert. Das läuft über die Autorisierungszentren der Banken. Ab 1999 können Kreditkartenbesitzer auch in Euro zahlen.

Was wird aus den Daueraufträgen-

Daueraufträge werden in der Übergangsphase nicht automatisch an die Kontowährung gekoppelt, sondern in der vom Empfänger geforderten Währung ausgeführt. Solange Bankkunden es nicht anders wünschen, werden auch bei Kontoumstellung auf Euro die Daueraufträge zunächst in Mark weitergeführt.

Müssen nach der Euro-Einführung die Freistellungsaufträge geändert werden-

Bestehende Freistellungsaufträge gelten auch nach dem 1. Januar 1999 in Mark weiter. Anleger müssen also nicht befürchten, unversehens wie Steuerhinterzieher dazustehen, weil ihre Freistellungsaufträge ungültig geworden sein könnten.

Was wird aus den festverzinslichen Wertpapieren-

Festverzinsliche Wertpapiere (Anleihen wie Spar- und Pfandbriefe, Bundesschatzbriefe, Kommunalobligationen) werden wie bei anderen Geldwerten einfach ohne Wertverlust in Euro umgerechnet. Der fest vereinbarte Zinssatz bleibt bestehen. Eine Anleihe im Nennwert von 100 DM wäre bei einem angenommenen Umtauschkurs von 1,95 51,28 Euro wert, der Börsenkurs von 94,00 Mark würde auf 48,45 Euro wechseln.

Sind Sparguthaben und der Zinssatz sicher-

Für den Sparer werden mit der Umstellung der D-Mark auf Euro keine Nachteile verbunden sein. Bis voraussichtlich Ende 2001 werden die Sparguthaben in nationaler Währung weiter bestehen bleiben. Danach erfolgt mit der Einführung der Banknoten und Münzen auch die Umrechnung in Euro. Alle Guthaben auf Spar-, Giro- und Festgeldkonten werden zu dem am 1. Januar 1999 festgelegten Kurs von DM in Euro umgerechnet. Das Ersparte wird dadurch nicht abgewertet, denn an der Kaufkraft ändert sich durch die Umstellung nichts. Zinsen bleiben bestehen. Kaufkraft- und Wertverluste sind bei der Umrechnung also ausgeschlossen. Bis ins Jahr 2002 hinein können Einzahlungen und Abhebungen von Sparbüchern jederzeit in D-Mark vorgenommen werden.

Was passiert mit Krediten, deren Laufzeit über 1999 hinausreicht-

Die Angst, daß mit der Euro-Einführung Kredit- oder auch Leasing-Verträge zum Nachteil des Kreditnehmers ausgehebelt werden könnten, ist unbegründet. Zwar können die Verträge grundsätzlich ab 1. Januar 1999 freiwillig auf die Euro-Währung umgestellt werden, beide Parteien müssen jedoch zustimmen. Eine Verpflichtung dazu wird es vor dem 1. Januar 2002 nicht geben. Alle Zinsvereinbarungen bleiben mit gleichem Zinssatz bestehen. Erst ab dem 1. Januar 2002 wird die Zahlung von Zins- und Tilgungsraten in Euro um- und abgerechnet. Hat jemand einen 20.000 Mark-Kredit und zahlt dafür neun Prozent Zinsen, zahlt er auch weiterhin neun Prozent, jedoch in Euro. Für die Höhe der realen Verbindlichkeiten wird die Umrechnung keine Auswirkungen haben. Zwar halbieren sich die Schuldsummen auf dem Papier, weil aus 20.000 Mark Schulden etwa 10.000 Euroschulden werden. Weil aber auch alle anderen in Geld ausgedrückten Werte (also z.B. Einkommen und Guthaben) mit dem gleichen Faktor umgerechnet werden, bleibt die eigentliche Belastung in ihrer Relation unverändert.

Die Umrechnung

(angenommener Umtauschkurs: 1,96 DM = 1 Euro)

in DM in Euro

Beispiel: Gehaltsrechnung

Gehalt, brutto 5.291,00 2.699,49

Arbeitslosenvers. 357,14 182,21

Lohnsteuer 1.129,16 576,10

Rentenversicherung 171,90 87,70

Krankenversicherung 492,06 251,05

Kirchensteuer 101,62 51,85

Pflegeversicherung 26,45 13,49

Beispiel: Lebenshaltungskosten

Miete 1.000,00 510,20

Benzin (1 Liter) 1,60 0,82

Butter (250g) 1,90 0,97

Monatskarte 70,00 35,71

Beispiel Anleihe:

Nettoeinkommen 3.012,61 1537,04

Nennwert 100,00 51,02

Börsenkurs 95,00 48,74

Zinszahlung 6,00 3,06

Zinssatz 6 % 6 %

Anmerkung der Redaktion:

Wir danken dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband und dem Autor, die uns freundlicherweise den Nachdruck dieser Euro- Informationen aus der "Gegenwart" erlauben.

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