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Franz-Josef Hanke: Erfolgreiche Aktion - Kampagnentreffen der "Aktion Grundgesetz" in Bonn

Bald die Hälfte der Bundesbürger kennt die neongrünen Plakate, mit denen die "Aktion Grundgesetz" für die Gleichstellung behinderter Menschen wirbt! Seit dem 15. November 1997, als Bundespräsident Roman Herzog als Schirmherr der bundesweiten Sozial-Kampagne die "Aktion Grundgesetz" in Berlin eröffnete, haben die gut 100 bundesweit tätigen Behindertenorganisationen 180 Veranstaltungen und Fachkongresse durchgeführt, die die "Aktion Sorgenkind" (AS) mit mehr als 3,3 Millionen DM bezuschußt hat. Auf Einladung der AS traf sich die Behindertenbewegung nun wieder im Bonner "Springmaus-Theater", wo vor ziemlich genau zwei Jahren bereits das erste Aktionstreffen stattgefunden hatte.

Am 3. und 4. Februar zogen knapp 200 Vertreterinnen und Vertreter der Unterstützerorganisationen eine durchaus positive Bilanz: Es ist nicht nur gelungen, 42 % der bundesdeutschen Bevölkerung mit der Kampagne, ihren Postern und Zielen bekanntzumachen; vor allem die Vernetzung der unterschiedlichsten Vereine, Verbände, Institutionen und Organisationen im Sozial- und Behindertenbereich durch die Zusammenarbeit in der "Aktion Grundgesetz" bewerteten die Teilnehmenden des Treffens übereinstimmend als Gewinn. Diese Vernetzung - so eine Forderung aus den Arbeitsgruppen der Tagung - müsse weiter ausgebaut und gepflegt werden. Auch auf örtlicher Ebene sollten die Behinderten und ihre Organisationen künftig enger zusammenarbeiten.

Für den "Europäischen Protesttag zur Gleichstellung Behinderter" am 5. Mai plant die "Aktion Grundgesetz" - wie schon im vergangenen Jahr bundesweit wieder Aktivitäten vor Ort. Ziel ist die Durchsetzung eines Gleichstellungsgesetzes, das die Benachteiligung Behinderter in allen Bereichen des Alltags aufheben soll.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Hermann Haack, der im November zum Behindertenbeauftragten der Bundesregierung berufen worden war, kündigte beim Aktionstreffen dieses Gleichstellungsgesetz für die laufende Legislaturperiode an. Haack stellte sich anläßlich des Treffens einer offenen Diskussion mit den Behinderten, von denen mehrere ihre Enttäuschung über die Berufung eines Nichtbehinderten zum Behindertenbeauftragten äußerten.

Der Bundesbeauftragte versprach, sich für die offizielle Einführung der Gebärdensprache als Amtssprache für Hörbehinderte einzusetzen; und er will das geforderte Gleichstellungsgesetz für Behinderte in den Bundestag einbringen. Unklar blieb allerdings, welche Regelungen zur Aufhebung von Benachteiligungen der Gesetzentwurf enthalten wird, den die Bonner Ministerien derzeit erarbeiten.

Und noch etwas ist ungewiß: Der neue Name der "Aktion Sorgenkind". Im Sommer will Deutschlands bekannteste Sozial- Lotterie darüber beraten, ob und - wenn ja - wie sie ihren Namen ändern wird.

Da die Menschen mit Behinderungen nicht als "Sorgenkind" betrachtet werden wollen, fordern viele vom AS-Vorstand eine Namensänderung. Trotz intensiver Suche nach einem eingängigen neuen Namen steht das Ergebnis bislang noch nicht fest. Die jüngsten Vorschläge zur Namensänderung lauten "Aktion Mensch", "Aktion Mittendrin" und "Aktion My Way".

Auch dem DVBS hat die "Aktion Grundgesetz" weiterhelfen können: Die Tagung zum Thema Arbeitsplatz-Assistenz im Mai 1998 scheint die zuständigen Hauptfürsorgestellen zu einer großzügigeren Bewilligungspraxis bei der Finanzierung von Hilfskräften für Blinde und Sehbehinderte bewogen zu haben.

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