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Ulrich Mayer-Uhma: Neues Internationales Handbuch der Braille-Notenschrift von Bettye Krolick in deutscher Übersetzung erschienen

Hundert Jahre nach der ersten zusammenhängenden Darstellung von Brailles Punktmusikschriftsystem für Blinde in deutscher Sprache halten wir nun das "Neue Internationale Handbuch der Braille-Notenschrift" in deutscher Übersetzung in Händen. Die englische Originalversion, von der amerikanischen, überaus kompetenten notenschriftsachverständigen Leiterin der nordamerikanischen Blindennotenschriftkommission, Frau Bettye Krolick, verfaßt, war 1996 in Amsterdam (Schwarzschrift) und bei der SBS in Zürich (Punktschrift) erschienen. Nach zweijähriger Übersetzungsarbeit erschien es nun auf deutsch Ende 1998 ebenfalls bei der SBS. Es umfaßt drei Punktschriftbände bzw. einen Schwarzdruckband zum Preis von 70,- SF je gesamte Version.

In der Punktschriftausgabe findet man alle Tabellen und Register mit einer übersichtlichen Auflistung aller Notenschriftzeichen im dritten Band. Die Paragraphen mit Regeln und Erläuterungen sind, nach Kapiteln geordnet und natürlich durch die dazugehörigen Zeichen ergänzt, auf die beiden ersten Bände verteilt. Dadurch wird die Verwendung als Nachschlagewerk erleichtert. Für die Schwarzschriftausgabe wurden die Notenbeispiele gegenüber dem englischen Original neu gesetzt, inhaltlich jedoch belassen.

Mit der Veröffentlichung des Handbuchs schließt die SBS eine Lücke, die in bezug auf eine umfassende punktschriftliche Darstellung der Blindennotenschrift weit über 30 Jahre, in bezug auf eine Beschreibung der Schwarzschrift sogar 60 Jahre klaffte. Wie oft mußten Anfragen besonders nach Unterlagen in Schwarzschrift - negativ beschieden oder durch Kopien vergriffener Ausgaben zufriedengestellt werden. Jetzt verfügen wir wieder über ein Standardwerk zur Braille-Notenschrift, das über Notenzeichen, Anwendungsregeln und Darstellungsweisen gültig Auskunft gibt. Das Buch ist für blinde Musiker, für Lehrer blinder Schüler, Notenübertrager und Wissenschaftler gleichermaßen informativ und bedeutsam. Es referiert den gegenwärtigen Stand internationaler Vereinheitlichung der Notenschriftsystematik Brailles. Es kann zur Erlernung dieser Schrift herangezogen werden, jedoch kann und will es kein Lehr- oder Übungswerk sein, das z.B. Hinweise zum Auswendiglernen von Musikstücken gibt.

Die Bezeichnung "international" im Titel verdient das Handbuch in mehrfacher Beziehung: Es basiert erstens auf früheren internationalen Darstellungen der Blindennotenschrift - beginnend mit dem "Kölner Protokoll" von 1888, berücksichtigt zweitens Traditionen verschiedener Länder und resultiert drittens aus den Ergebnissen internationaler Konferenzen und Beratungen aus den Jahren zwischen 1982 und 1994. Die englische Originalfassung wurde von Frau Marietta ins Deutsche übersetzt. Die Redaktion lag in Händen von Christian Waldvogel, der seit 1988 in den Beratungsprozeß seitens der SBS eingebunden ist, und von Ulrich Mayer-Uhma als einem der ständigen Mitarbeiter in den internationalen Notenschriftgremien seit 1982. Dadurch gewinnt die deutschsprachige Ausgabe ein hohes Maß an Authentizität, wenngleich das englische Original in Zweifelsfällen letztendlich den Status der "höchsten Instanz" besitzt.

Wir wünschen dem Buch eine weite Verbreitung zum Wohle blinder Musiker. Auch wünschen wir allen Benutzern im Umgang mit der Braille-Notenschrift das Engagement und die Begeisterung der Autorin Bettye Krolick, die als sehende Orchestermusikerin und Notenübertragerin Brailles Musikschriftsystem als adäquate Notenschrift für Blinde erkannt und mit ihrem Werk Zeugnis für ihre Überzeugung abgelegt hat.

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