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Seit vielen Jahren sammle ich gebrauchte Blindenhilfsmittel und gebe sie an Blinde in aller Welt weiter. Geber sind vor allem Kriegsblinde und Mitglieder des DVBS (Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf), die diese Dinge nicht mehr benötigen, weil entweder Ersatz beschafft worden ist oder die technische Entwicklung sie entbehrlich gemacht hat. Es handelt sich hauptsächlich um Punktschriftmaschinen und -tafeln, Uhren und Spiele, aber auch um einst hochwertiges technisches Gerät wie Computer und Drucker.
Aus besonderen Anlässen wurden vom BKD und dem DVBS Aufrufe in den Vereinszeitschriften veröffentlicht, die durchweg ein gutes Echo fanden. Besonders groß war die Resonanz beim Aufruf zum Wiederaufbau der Blindenschule in Sarajewo.
Auf diese Weise kamen in den letzten Jahren ca. 100 Bogen- und 40 Stenomaschinen, einige Fernsehlesegeräte und Computer zusammen, dazu etwa 60 Armband- und Taschenuhren sowie Spiele aller Art.
Bedarf an derartigen Blindenhilfsmitteln besteht insbesondere in Ostund Südosteuropa sowie in allen Ländern der sog. Dritten Welt. Die meisten dieser Hilfsmittel wurden an die Blindenschulen in Sarajewo, Krakau und St. Petersburg geliefert und zwar stets ohne jegliche Transportkosten. Organisationen wie der Malteser Hilfsdienst stellten Transportraum zur Verfügung, die Carl-Strehl-Schule in Marburg nahm Maschinen anlässlich von Klassenfahrten mit nach Krakau, Lehrer der betroffenen Einrichtungen beförderten sie im Reisegepäck.
Besonders bemerkenswert ist, dass es viele Menschen gibt, die mit Blinden nie etwas zu tun hatten, sich dann aber durch mehr oder weniger zufälliges kennen lernen von Notsituationen in Entwicklungsländern persönlich sehr stark engagieren und Möglichkeiten suchen, vor Ort zu helfen. Es handelt sich dabei um junge Leute, die ein soziales Jahr absolvieren und solche, die ganz privat Kenntnis dieses Bedarfs erlangen und dann in Deutschland nach Hilfemöglichkeiten suchen.
Dadurch konnte Blinden, die sich nie eine Punktschriftmaschine hätten kaufen können, geholfen werden, ihre Ausbildung wesentlich zu erleichtern. Maschinen und Uhren gingen so nach Simbabwe, Peru, Brasilien, Indien, Kroatien, Albanien und in die Türkei.
Die für mich großartigste Leistung vollbrachte Familie Krücke aus Oberursel, die rein zufällig während eines Besuchs bei Freunden mit einer im Aufbau befindlichen Blindenschule in Kenia in Verbindung kam, den großen Mangel und riesigen Hilfebedarf sah und beschloss zu helfen.
Sie fand nach einigem Suchen den Weg nach Marburg. Frau Krücke besuchte mich, und wir besprachen die Möglichkeiten der Hilfe. Zunächst nahm sie einige Maschinen, Punktschriftpapier, Uhren und Spiele direkt mit und brachte sie als privates Gepäck bei ihrem nächsten Besuch nach Kilifi bei Malindi in die Schule, wo buchstäblich nichts an Blindenhilfsmitteln vorhanden war. Der Schulbetrieb entstand eher zufällig, weil blinde Kinder infolge der Kriegswirren an der dortigen Taubstummenschule gestrandet waren, die irgendwie unterrichtet werden sollten.
Inzwischen hat sich daraus ein Schulbetrieb mit einem blinden Lehrer entwickelt. Alle 16 Kinder haben eine Punktschriftmaschine, und auch die sonstige Ausstattung ist wesentlich verbessert worden. So konnten durch Geldspenden, die der Rotary Club in Malindi verwaltet, allen Kindern Matratzen, Moskitonetze und Hygieneartikel zur Verfügung gestellt werden. Durch Übernahme von unpersönlichen Patenschaften konnte der Verbleib einzelner Kinder sichergestellt werden. Einer jungen Frau wurde ein Stipendium gewährt, wodurch es ihr möglich geworden ist, eine Ausbildung zur Blindenlehrerin zu absolvieren. Sie soll als weitere Lehrkraft eingestellt werden.
Zur Veranschaulichung der Situation: Die Kosten pro Kind und Jahr für Unterkunft, Verpflegung und Schulgeld betragen DM 260, Die Familien sind kinderreich, acht bis zehn Kinder sind nicht selten; häufig müssen sich die Familien ohne Väter durchschlagen, die im Krieg umgekommen sind. Geld für eine Ausbildung aufzubringen, ist den meisten Familien unmöglich.
Frau Krücke und ihre Freunde in Kenia haben mir regelmäßig berichtet und auch Fotos von der Übergabe der Hilfsmittel geschickt. Für uns Mitteleuropäer ist es nicht vorstellbar, in welcher Armut und Bescheidenheit diese Menschen leben. Die Freude und Dankbarkeit, mit der die Hilfe aufgenommen wird, ist unverkennbar. Etliche Punktschriftbriefe an mich belegen gleichzeitig, dass die Maschinen tatsächlich eingesetzt werden.
Die Selbstverständlichkeit, mit der Hilfeleistung von Nichtbetroffenen erbracht wird, ist bewundernswert und vorbildlich.
Zum Schluss meines Berichts bleibt mir nur, allen zu danken, die sich an den Sammelaktionen beteiligt haben. Diejenigen, die sich noch nicht dazu haben durchringen können oder es einfach nur vergessen haben, bitte ich nachzuschauen, welche gebrauchsfähigen und entbehrlichen Hilfsmittel sie haben und bereitstellen können. Im Reha-Zentrum in Bad Berleburg, wo die meisten Sachspenden eingegangen sind, werden sie auch weiterhin ebenso gesammelt wie in der Geschäftsstelle des DVBS. Sie verhelfen dadurch mit wenig Aufwand blinden Menschen zu Hilfsmitteln, die für sie unerschwinglich sind.
Ich bitte aber darum, nur wirklich noch gebrauchsfähige Geräte zu schicken, denn für Reparaturen, die sehr teuer sind, stehen keine Mittel zur Verfügung. Für Rückfragen stehe ich jederzeit gern zur Verfügung.
Dieter Richter, Erfurter Straße 5, 35039 Marburg; Tel.: 06421/4.67.71
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